Brief aus Syrien – Pater Simon Zakerian berichtet von seinen Erfahrungen

Gottesdienst der Salesianer in Syrien

Pater Simon Zakerian ist Salesianer Don Boscos und leitet das Don-Bosco-Zentrum in der syrischen Hauptstadt Damaskus. Anfang Dezember 2015 schilderte er uns in einer E-Mail-Nachricht eindrücklich die Lage und die Stimmung im kriegsgebeutelten Land. Hier sind einige Auszüge:

«In den vergangenen vier Monaten hat sich die Situation in Syrien auf unzählige Arten weiter verschlechtert. Natürlich hat der Krieg das Land ganz allgemein getroffen. Speziell in Damaskus jedoch haben wir mehrere grosse Angriffe erlebt. Diese Angriffe kommen zusätzlich zu den ununterbrochenen Kämpfen, die zwischen den grösseren Bombenanschlägen stattfinden. Wenn es sporadische Momente der Ruhe gibt, gehen die Kämpfe bald darauf wieder weiter. All diese Gewalt kreiert massive Herausforderungen für Zivilisten – in allen Lebensbereichen. Das beinhaltet Sicherheit, Wirtschaft, Infrastruktur und soziale Herausforderungen.

[…]

Wirtschaft
Ein kürzlicher Anstieg der Inflation des syrischen Pfunds im Vergleich zum U.S. Dollar führte dazu, dass der Realpreis von Öl und lebenswichtigen Haushaltsgütern gestiegen ist. Leider sind die Löhne, die in syrischen Pfund bezahlt werden, nicht an die Inflation angepasst worden. Während die Lücke zwischen Realeinkommen und Lebenskosten seit Beginn des Krieges grösser geworden ist, ist diese Inflation seit kurzem besonders schmerzhaft geworden. Ölpreise sind äusserst relevant, da sie nicht nur den Transport, sondern auch die Heizkosten beeinflussen. Nun ist Winter, und die Temperaturen in Syrien fallen regelmässig unter den Gefrierpunkt. Dieser Mangel an bezahlbarem Öl ist eine der Hauptursachen für die schlechten Lebensbedingungen der Syrer.

[…]

Soziales
Die Emigration von Jugendlichen Richtung Europa und andere Länder ist kein neues Phänomen, aber die Zahl der syrischen Jugendlichen, die nun das Land verlassen, ist dramatisch gestiegen. Junge Menschen reisen entweder legal oder illegal. Manche sind über traditionelle Wege emigriert, haben Studentenvisa beantragt, oder versuchen, das Meer zu überqueren. Das Hauptmotiv für diese Jugendlichen – vor allem für jene im Wehrpflichtalter – ist die Furcht vor einer Zwangsrekrutierung für unbestimmte Dauer. Weitere Gründe sind die Suche nach Sicherheit, Stabilität, Bildung und das Streben nach einer besseren Zukunft.


Das Don-Bosco-Zentrum von Damaskus

Diese Probleme manifestieren sich in allen Altersklassen der jungen Leute im Don-Bosco-Zentrum von Damaskus. Unsere Aktivitäten wurden deswegen nach dem Höhepunkt des Sommerprogramms im Juli ein wenig heruntergefahren, laufen aber beständig weiter. Unsere Programme, Aktivitäten und Termine haben sich im Vergleich zum Vorjahr nicht stark verändert. Unsere Aktivitäten basieren auf dem «Ein-Tag-für-jede-Gruppe-Prinzip». Jede Gruppe umfasst zwei oder mehr Schulstufen. An den Sonntagen treffen sich alle Jugendlichen zur heiligen Messe, die wir zwei oder drei Mal durchführen, damit die Kirche die enorme Zahl von Kindern fassen kann.

[…]»

In einem weiteren Brief schreibt Pater Simon:

«[…] Es ist wahr, dass wir nicht alles erreicht haben, was wir uns erhofft haben, aber wir versuchen, für die syrische Jugend unser Bestes zu geben. Denn eine christliche Lehre und der spirituelle Weg des Glaubens sind die Mittel, die uns helfen, die Kinder sicher auf dem Weg des Lebens zu halten […]. Sport, Musik, Tanz und Kunstgruppen bieten unseren Kindern Frieden inmitten dieses Meeres aus Krieg und Vernichtung. Wir müssen unsere Kerzen anzünden damit die Dunkelheit der Welt nicht das verdrängt, was wir hier erreichen. […]»

Wir können uns dem nur anschliessen. Wenn man bedenkt, dass die syrischen Kinder jene sein werden, die das Land nach dem Krieg wieder aufbauen müssen, ist es äusserst wichtig, dass sie Frieden und Nächstenliebe im Herzen tragen.

Falls Sie mehr über die Tätigkeit der Salesianer Don Boscos in Syrien erfahren möchten, empfehlen wir Ihnen die Lektüre des WeltWeit-Artikels «Friedensbotschaft mitten im Bürgerkrieg» von JuWe-Mitarbeiterin Désirée Meier.

 
Unterstützen Sie die wertvolle Tätigkeit der Salesianer Don Boscos in Syrien mit dem Vermerk MOR 15-080. Damit können sie ihre laufenden Kosten decken, die Aktivitäten im Jugendzentrum aufrechterhalten und sich mit Heizöl und Winterkleidern gegen die Kälte wappnen. Danke für Ihre Spende.