Es existiert kein Übel, das Liebe nicht überwindet

Ehemalige kolumbianische Kindersoldaten berichten in Luzern

Öffentlicher Vortrag: 15. Februar 2017, 19.30 Uhr – Der MaiHof, Kirchensaal, Weggismattstrasse 9, 6004 Luzern – freier Eintritt
Veranstaltungshinweis (pdf)
Anreise MaiHof Luzern

Am 15. Februar 2017 veranstaltet die Don Bosco Jugendhilfe Weltweit in Luzern einen öffentlichen Anlass zum Thema Kindersoldaten auf dem Hintergrund des Friedensvertrags in Kolumbien. Es besuchen uns zwei ehemalige Kindersoldaten. Begleitet werden sie vom Direktor der Ciudad Don Bosco in Medellín, Pater Rafael Bejerano und James Araiza, Verantwortlicher der Schutzprogramme der Ciudad Don Bosco. In Zusammenarbeit mit dem Dokumentarfilmer Raúl de la Fuente, Kanaki Films, wurde über die beiden Jugendlichen ein Film gedreht, der Einblick in die Zeit bei den bewaffneten Gruppierungen gibt. Diese Besuchs-Gruppe ist auf Europa-Tour und präsentiert den Dokumentarfilm unter anderem bei der UNO in Genf und in Brüssel beim Europaparlament, um allgemein auf die Problematik der Kindersoldaten aufmerksam zu machen. Dieser Besuch gibt Einblick in die unermüdliche Arbeit der Salesianer Don Boscos für die Jugend der Welt.

Den vollständigen Film können Sie auf Youtube oder unter Filme ansehen (Untertitel in 5 Sprachen verfügbar).

kindersoldat_neuInsbesondere in Kolumbien setzen sie sich – basierend auf dem integralen Ansatz der salesianischen Pädagogik – auch für die Wiedereingliederung/Sozialisierung der ehemaligen Kindersoldaten ein. In den Einrichtungen der Salesianer Don Boscos erfahren viele zum ersten Mal in ihrem Leben, was es heisst, geliebt, geachtet, angenommen zu werden. Die Wiedereingliederung ist ganzheitlich aufgebaut und umfasst medizinische und psychologische Betreuung, Schul- und Berufsbildung, Tanz, Musik, Theater, Spiel, Spass und Persönlichkeitsentwicklung. Die Betreuung findet an 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr statt. Die Programme in Medellín und Cali haben landesweiten Vorbildcharakter und erzielten Platz 1 und 2 bei einer landesweiten Evaluation ähnlicher Wiedereingliederungsmassnahmen.

Nach mehr als 50 Jahren haben Regierung und die Guerilla-Gruppe FARC «Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia» ein Friedensabkommen unterzeichnet. Gespräche mit anderen bewaffneten Gruppen laufen an. Der jahrzehntelange Konflikt hinterlässt mehr als sieben Millionen direkt betroffene Menschen, mehr als sechs Millionen wurden aus ihren Dörfern vertrieben, mehr als 200‘000 getötet. In den ländlichen Gebieten kennen mehrere Generationen nichts als Vertreibung, Krieg und Gewalt. Trauer, Schmerz und Wut sind zu überwinden, damit Vergebung möglich und ein friedliches Zusammenleben Wirklichkeit wird.

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In Cali und Medellín unterhalten die Salesianer Don Boscos spezialisierte Einrichtungen für die Wiedereingliederung ehemaliger Kindersoldaten in ein geordnetes Leben, Familie und Gesellschaft. Ursprünglich waren die Zentren auf die Betreuung von Strassenkindern spezialisiert. Doch plötzlich standen ehemalige Kindersoldaten vor der Tür, die um Aufnahme baten. Sie haben ganz andere Bedürfnisse als gewöhnliche Strassenkinder. Obwohl sie zwischen 14 und 18 Jahren sind, können sie oft weder lesen noch schreiben, sprechen kein Spanisch, haben über Jahre im Dschungel gelebt, haben extreme Disziplin, wurden trainiert zu spionieren, zu stehlen, zu lügen, zu töten. Sie hatten eine Waffe in der Hand, haben jedoch noch nie ein Kuscheltier besessen. Sie haben nie die Geborgenheit einer Familie erfahren aber unter Kälte, Hitze, Durst, körperlicher und seelischer Gewalt gelitten. Sie waren Soldaten, sie waren im Krieg und sind noch so jung – sie haben nie erfahren was es heisst, Kind zu sein.

Bildrechte: Salesianer Don Boscos – Ciudad Don Bosco
Grafik: UNITAR, Salesianer Don Boscos – Ciudad Don Bosco