Name, Stimme und Sichtbarkeit für die Schwächsten – Mädchen prostituieren sich, um zu überleben

Veröffentlicht am 06.07.2018

Am Freitag, 22. Juni 2018, fand eine Nebenveranstaltung im Rahmen der 38igsten Sitzung des UNO Menschenrechtsrates in Genf statt. Die Don Bosco Jugendhilfe Weltweit Beromünster führte in Zusammenarbeit mit dem Instituto Internazionale Maria Ausiliatrice (IIMA), Misiones Salesianas Madrid und VIDES Internazionale eine Aufklärungsveranstaltung mit dem Titel «Girls with no name» durch. Ziel war, am Beispiel Sierra Leone die Situation von minderjährigen Prosituierten zu thematisieren und «Best Practices» aufzuzeigen, wie das Problem erfolgreich angegangen werden kann.

An der Veranstaltung nahm auch die Präsidentengattin von Sierra Leone, Fatima Maada Bio, teil – sie war ausschliesslich für diesen Anlass nach Genf gereist. In ihrer Ansprache wies sie auf die schwierige Lage hin, in der sich das Land befindet. Noch immer sind Wunden des Bürgerkrieges, der Ebola-Epidemie sowie von Naturkatastrophen zu heilen. Sie würdigte die Arbeit, die Don Bosco Fambul in Freetown für die Jugend des Landes leistet und versprach, sich als First Lady im Rahmen ihrer Möglichkeiten für die Unterstützung dieser Programme einzusetzen.

Als Diskussionsgrundlage diente der Dokumentarfilm «LOVE», der von Misiones Salesianas in Zusammenarbeit mit Don Bosco Fambul in Sierra Leone gedreht wurde. Ein dreiminütiger Ausschnitt zeigte auf eindrückliche Art und Weise die Problematik auf. Dass diese Mädchen von der Gesellschaft und vor allem auch von Sicherheitskräften, insbesondere der Polizei, als Problem gesehen werden und nicht als die Opfer, die sie sind. Diese Mädchen prostituieren sich nicht, weil sie wollen. Sie sind auf der Strasse, weil sie ums nackte Überleben kämpfen. In Don Bosco Fambul lernen sie, dass sie wertvoll sind und dass die Situation in der sie stecken nicht selbstverschuldet ist. Sie lernen wieder zu träumen und ihre Träume zu verwirklichen. P. Jorge Crisafulli, Direktor von Don Bosco Fambul und Redner an der Veranstaltung hat es wunderbar ausgedrückt: «Sie sind einzigartig, sie sind wunderbar, sie sind das Werk Gottes!»

Die Schlussfolgerungen der Veranstaltung für eine tiefgreifende gesellschaftliche Veränderung können wie folgt zusammengefasst werden:

  • Diese Mädchen sind nicht ein Problem – sie sind Ausdruck einer Gesellschaft, die ihre Rechte nicht achtet und respektiert
  • Es muss in Bildung und Sensibilisierung der Familien und erweiterten Familien investiert werden, um eine Rückführung der Mädchen möglich zu machen
  • Männer müssen dahingehend gebildet werden, dass sie Frauen/Mädchen als gleichberechtigt in Gesellschaft und Zivilleben betrachten und nicht nur als Objekt
  • Intensive Aufklärungsarbeit mit den Sicherheitskräften, speziell der Polizei, ist nötig
  • Durch- und Umsetzung von Strafverfolgungsmassnahmen gegen Täter, Ausbeuter und kriminelle Banden

Diese Veranstaltung hat mitgeholfen, auf internationalem Niveau auf die Problematik hinzuweisen – jedoch vor allem, den Verletzlichsten der Gesellschaft, ausgebeuteten Mädchen und jungen Frauen einen Namen, eine Stimme zu geben und sie sichtbar zu machen.