Arbeit mit Strassenkindern von Bruder Lothar Wagner

ARCHIV – SÜDSUDAN:

Der Salesianerbruder Lothar Wagner arbeitet seit Juni 2018 in Wau und Kuajuk im Südsudan. Er kennt die Lage vor Ort und die Schicksale der Kinder, die auf der Strasse leben. Ein Bett, regelmässige Mahlzeiten, Sicherheit, Aufmerksamkeit und Wohlwollen – in den Don-Bosco-Zentren werden diese Bedürfnisse erfüllt.

Land/Ort: SÜDSUDAN – Wau und Kuajuk
Projektnummer: AFE 19-059
Projektziel: Förderung der Strassensozialarbeit von Bruder Lothar Wagner
Projektwirkung: Rehabilitation von Buben, die auf der Strasse leben und arbeiten
Mittelbedarf: Jeder Beitrag ist willkommen und wird im Rehabilitationsprogramm dort eingesetzt, wo er am nötigsten ist.

Hintergründe

400.000 Tote, ein blutiger Bürgerkrieg und Zerstörung – der Südsudan, oft als «jüngster Staat der Welt» bezeichnet, kommt seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 2011 nicht zur Ruhe. Wie immer in Konflikten leiden die Schwächsten der Gesellschaft – die Kinder – am meisten. Ein warmes Bett, regelmässige Mahlzeiten und Sicherheit – für viele Strassenbuben ein blosser Traum. Denn sie leben auf der Strasse, als Waisen oder getrennt von ihren Familien, sind vom langjährigen Bürgerkrieg traumatisiert, weil sie Unvorstellbares erlebt haben oder als Kindersoldaten missbraucht wurden.

Der Grundstein für eine erfolgreiche Wiedereingliederung von Kindern, die Tag und Nacht auf den Strassen verbringen, wird an dem Ort gelegt, wo sie leben und arbeiten. Dort machen sie ihre Erfahrungen, haben ihre sozialen Kontakte und Beziehungsnetze. Auf der Strasse beginnt die Arbeit der Streetworker, um eine vertrauensvolle Beziehung zu dem jungen Menschen aufzubauen und damit die Basis für eine erfolgreiche Rehabilitation zu legen. Die Erfolgschancen für eine erfolgreiche Rückführung in Familie und Gesellschaft sind umso größer, je kürzer die Aufenthaltsdauer auf der Strasse ist. Daher bemühen sich Streetworker besonders bei kleinen Kindern und denen, die noch nicht lange auf der Strasse sind, die Familien ausfindig zu machen und die Bedingungen für die Rückkehr in die Familie abzuklären.


Unsere Arbeit

Bruder Lothar sagt: «Es ist unsere Aufgabe, die Kinder aufzurichten, die am Boden liegen». Dieses Ziel verfolgt das Projekt im Südsudan mit einer dreistufigen Strategie.

Strassenarbeit und Strassenkinderzentren

In den Strassenkinderzentren in Wau und Kuajuk erhalten obdachlose Buben unter 18 Jahren psychosoziale Hilfe. Sie haben ein besonderes Schutzbedürfnis – sie sind gewalttätigen Übergriffen, Ausbeutung und Verletzungen ihrer Würde und fundamentaler Rechte oft schutzlos ausgeliefert. Im Schutzhaus erleben sie eine gewaltfreie Oase. Hier treffen sie andere Kinder, machen gemeinsame Spiele oder nehmen am Unterricht teil. Sie treffen hier auch auf Erwachsene, die sie nicht bevormunden, sondern ihnen zuhören und Gesprächspartner sind. Es wird ihnen ein Begegnungsraum und ein Platz zum Schlafen angeboten. Zusätzlich stehen sanitäre Anlagen zum Duschen sowie Waschen ihrer Kleidung zur Verfügung. Vorausgesetzt wird die Bereitschaft zu einer aktiven Teilnahme an den Gruppenaktivitäten, die neben einem Abendessen und Frühstück auch tägliche Gruppenberatung, Spiele und Unterricht beinhaltet. Das Haus ist ab 16 Uhr geöffnet und schliesst am folgenden Tag um 8 Uhr. Die Buben können das Haus entweder von sich aus aufsuchen oder sie werden durch die Streetworker auf den Strassen dazu ermuntert.

Wiedereingliederung in die Familie

Dieses Programm ist für Buben im Alter von 8 bis 13 Jahren, die in ihre Familien zurückkehren möchten. Voraussetzung ist, dass ihre Familien grundsätzliche Bereitschaft zur Wiederaufnahme zeigen. In vielen Fällen gibt es jedoch begründete Zweifel und Unsicherheiten, ob Familie und Kind mittel- und langfristig wieder zusammenfinden. Die Betreuungsarbeit ist sehr individuell und situationsbezogen und richtet sich stark an den Stärken und Bedürfnissen des Kindes sowie deren Familien aus. Deshalb wird zu Beginn ein individueller Therapieplan erstellt, der die aktuelle Situation mit Stärken und Schwächen sowie Massnahmen beschreibt. Zudem werden je nach Möglichkeiten die Beteiligungsformen der Familienmitglieder festgelegt. Mediation, Beratung und Rehabilitation für alle Teilnehmer werden angeboten. Zudem finden soziale Interaktionen zwischen Sozialarbeitern, Familien und Buben, sport-, musik- und theatertherapeutische Elemente sowie gemeinsame Freizeitaktivitäten statt. Diese Massnahmen verhelfen den Buben sowie den Familien zu einer positiven Lebenseinstellung und sinnerfüllten Lebensplanung.

Nachbetreuung

Alle Buben, die wieder in ihre Herkunftsfamilie, Grossfamilie, Pflegefamilie oder familienähnliche Lebensform zurückgeführt werden konnten, werden während zweier Jahre nachbetreut. Dies erhöht die Wirksamkeit der vorausgegangenen Rehabilitationsmassnahmen und wird mit der unterstützenden Familienbegleitung gestärkt. Die gesamte Verantwortung für die Erziehung liegt wieder in den Händen der Familien. Der betreuende Sozialarbeiter steht bei Familien- und Schulproblemen beratend zur Verfügung und kann Wege zur Lösung von Konflikten herbeiführen. Zudem erstellt er Bedarfsanalysen, um entsprechende Hilfen einzuleiten. Die Unterstützung richtet sich je nach Bedarf und reicht von materieller Unterstützung wie Schulmaterial oder Nahrungsmitteln bis hin zu beraterischer Tätigkeit wie Mediation oder Einzelgesprächen.

Das Projekt konnte mit Ihrer Unterstützung erfolgreich abgeschlossen werden. Vielen Dank! Bei Interesse können Sie mit uns in Kontakt treten und Fragen zum Verlauf des Projekts oder zum Abschlussbericht stellen.
 
Die Don Bosco Jugendhilfe Weltweit unterstützt aktuell andere Projekte im Südsudan sowie mit dem Schwerpunkt Jugendsozialarbeit. Helfen auch Sie mit einer Spende, damit das Leben junger Menschen gelingt. Herzlichen Dank für Ihre Grosszügigkeit!