Benachteiligte Frauen: Von der Armut in die Selbständigkeit

ARCHIV – INDIEN:

Benachteiligte Frauen schliessen sich zu Selbsthilfe-Gruppen zusammen und gründen ihr eigenes Unternehmen. Die Salesianer Don Boscos unterstützen die angehenden Selbständigen mit Kursen in Unternehmertum, Herstellung von Produkten und Vermarktung. Fachexperten stehen den Frauen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite. Über drei Jahre werden so 900 Selbsthilfegruppen à je 10 Frauen zu Kleinunternehmerinnen. Das Modell hat sich bewährt und wird nun in einem grösseren Massstab durchgeführt.

Land/Ort: INDIEN – Sechs Bundesstaaten
Projektnummer: INN 15-057
Projektziel: 900 Selbsthilfegruppen à 10 Frauen sind in Unternehmertum geschult und haben sich selbständig gemacht.
Projektwirkung: Das Einkommen und die soziale Stellung der Frauen verbessert sich.
Mittelbedarf: 155 400 CHF pro Jahr

 

Hintergründe

Frauen in Armut

Nimmt man zehn arme Menschen in Indien, sind darunter durchschnittlich sechs Frauen. Von diesen sechs Frauen gehören wiederum fünf zu sogenannten gelisteten Kasten (scheduled tribes und scheduled castes). Als «Niedrigkastige» und Frau ist man in Indien doppelt benachteiligt und kämpft täglich mit sozialen und wirtschaftlichen Problemen. Sie sind oft schlecht gebildet und müssen sich damit abfinden, als Tagelöhnerin in der Landwirtschaft tätig zu sein. Ohne Bildung und ohne Zugang zu einem Startkapital gibt es keinen Ausweg aus ihrer Situation.

Armut ist das Fehlen von Möglichkeiten. Armut zwingt die Menschen, von der Hand in den Mund zu leben. Sie lässt den Betroffenen keine Chance, ihren wirtschaftlichen Erfolg zu versuchen. Dadurch werden die Armen daran gehindert, Selbstverantwortung zu übernehmen und Entwicklungen anzustossen. Aus dieser Situation gibt es einen Ausweg: Schon ein kleines Darlehen ermöglicht eine längerfristige Sicht einzunehmen und unternehmerisch aktiv zu werden. Die Salesianer arbeiten in diesem Bereich mit Experten zusammen, die über langjährige Erfahrung im Mikrokreditbereich verfügen. Diese Experten prüfen die Kreditinstitutionen und empfehlen den Frauengruppen nur verlässliche und glaubwürdige Finanzinstitute. Auch haben die Frauen die Möglichkeit, zu einem späteren Zeitpunkt den Rat der Experten einzuholen.

Die Erfahrung der Salesianer Don Boscos

Die Salesianer Don Boscos haben viel Erfahrung mit Frauenförderung. Sie haben bei der Gründung von mehr als 2000 Frauen-Selbsthilfegruppen mitgeholfen und so mehr als 40 000 Frauen zusammengeschlossen. Diese Verbünde ermöglichen es Frauen, gemeinsam Geld zu sparen. Hinter den Genossenschaften steht eine einfache Idee: Wenn gemeinschaftlich Geld zusammengelegt wird, ergibt sich eine grössere verfügbare Summe Die hohe soziale Vernetzung – die Frauen kennen sich persönlich gut und haften gemeinsam – stellt sicher, dass mit dem Geld sorgfältig umgegangen wird. Wenn die Gruppe über eine längere Zeit erfolgreich Geld verwaltet hat, kann sie als Gemeinschaft für einen Kredit bürgen. Alleine könnten sie den Kreditinstitutionen keine Sicherheit bieten. Dieses Modell hat sich in der Frauenförderung bewährt.

In Indien sind die Salesianer Don Boscos mit knapp 400 Einrichtungen und 3000 Mitgliedern stark vertreten. Bis anhin realisierten viele Einrichtungen Frauenförderungsprojekte. Von diesen Erfahrungen profitiert das vorliegende Projekt. Es wurden Erfahrungen und Erkenntnisse ausgetauscht, um bessere und wirkungsvollere Resultate zu ermöglichen. Es basiert dementsprechend auf erprobten Best-Practice-Modellen, die nun in einem grösseren Massstab umgesetzt werden.

Unsere Arbeit

Selbsthilfegruppen in Indien

Aus den bestehenden Selbsthilfegruppen können sich 900 Verbünde, die eine unternehmerische Initiative starten wollen, für die Teilnahme am Projekt bewerben. Verteilt auf sechs indische Bundesstaaten (Tamil Nadu, Andhra Pradesh, Karnataka, Maharashtra, Chhattisgarh und Jharkhand ) werden so innerhalb von drei Jahren 9000 Frauen in die Selbständigkeit begleitet. Die angehenden Kleingewerblerinnen werden in einem ersten Schritt über Gruppendynamik sensibilisiert und in Führungsfähigkeiten und Konfliktmanagement geschult.

Begleitung und Beratung ist in diesem Projekt sehr wichtig – ein Kredit bedeutet Verpflichtungen und der Schritt in die Selbständigkeit ist voller Risiken. Doch in der Gemeinschaft lassen sich viele Hürden überwinden. Beispielsweise schlechte Schulbildung: aus jeder Gruppe werden fünf lese- und schreibkundige Frauen im Umgang mit den Finanzen geschult. Sie lernen Buchhaltung, Bankabläufe sowie den Umgang mit Krediten. Dabei werden sie von Experten mit langjähriger Erfahrung im Mikrokreditbereich beraten. Die Frauen mit einer Schulbildung unterstützen so die weniger Gebildeten und als Gruppe werden die Herausforderungen des Unternehmertums gemeistert.

Der Weg in die Selbständigkeit

Experten betreuen die angehenden Unternehmerinnen eng in der Ausarbeitung ihres Business-Plans. Sie werden in der Auswahl von Rohmaterialien und Werkzeugen beraten, in Qualitätskontrolle unterrichtet und in der Produkteherstellung geschult. Sofern den Frauen Land zur Verfügung steht, werden sie in die biologische Landwirtschaft eingeführt. Auf Nachhaltigkeit wird dabei besonders viel Wert gelegt: Neben Gewässerschutz liegt der Fokus auf der biologischen Herstellung von Dünger und Schädlingsbekämpfungsmitteln.

Angepasst an die lokalen Marktverhältnisse und die individuellen Fähigkeiten erlernt jede Gruppe mindestens zwei Aktivitäten. So sind die Unternehmen in der Lage, nicht nur in der Haupt- sondern auch in der Nebensaison Einnahmen zu erwirtschaften. Den angehenden Kleingewerberinnen werden unter anderem folgende beruflichen Möglichkeiten vorgeschlagen:

  • Produktion von Lebensmitteln wie Essiggemüse, Gewürze oder Snacks.
  • Herstellung von Produkten wie Kompost, Kerzen oder biologisch abbaubarem Areca-Geschirr aus Palmblättern.
  • Anbieten von Dienstleistungen wie Kindertagesstätten, einer Cafeteria oder einem Kiosk.

Neben der technischen Unterstützung und Beratung erhält jede Frauengruppe, die den Schritt in die Selbständigkeit wagt, eine finanzielle Starthilfe in Form von Materialien und Werkzeugen. Zusätzlich werden sie von Marketing-Fachpersonen bei der Vermarktung ihrer Produkte und Dienstleistungen unterstützt. Diese prüfen nicht nur die Nachfragesituation auf dem lokalen Markt, sondern helfen auch bei der Gestaltung von Werbematerialien.

Das Projekt dauert drei Jahre und wird über den ganzen Zeitraum mehrfach evaluiert. So wird sichergestellt, dass die 9000 Frauen den Weg von der Armut in die Selbständigkeit meistern!


Die Don Bosco Jugendhilfe Weltweit unterstützt aktuell andere Projekte in Indien sowie mit dem Schwerpunkt Frauenförderung. Helfen auch Sie mit einer Spende, damit das Leben junger Menschen gelingt. Herzlichen Dank für Ihre Grosszügigkeit!