Hydraulik-Intensivkurs

ARCHIV – KOLUMBIEN:
Im Barrio (Armenviertel) Ciudad Bolivar herrscht bittere Armut. Rund 65 Prozent der ärmsten Familien Bogotás leben hier – viele davon in extremer Armut. Das Leben der Jugendlichen im Viertel ist von Arbeitslosigkeit, sozialer Ungleichheit und Gewalt geprägt. Der fehlende Zugang zu Bildungsmöglichkeiten in der Hauptstadt führt zu einer zunehmenden Perspektivlosigkeit unter ihnen. Die einzige Chance bieten oft nur Jugendbanden, die mit schnellem Geld und Macht locken. Jedoch entscheidet man sich beim Eintritt in eine der zahlreichen Banden auch für ein Leben voller Gewalt.
Eine Alternative dazu bietet das «Centro Salesiano Juan Bosco Obrero». Direkt im Stadtteil im Süden Bogotás gelegen bietet es Ausbildungsmöglichkeiten für Jugendliche aus den ärmsten Schichten der kolumbianischen Hauptstadt. 2015 konnte das im Stadtteil Ciudad Bolivar gelegene Berufsbildungszentrum dank der Hilfe des Solidaritätsfonds Don Bosco einen Hydraulik-Intensivkurs für 59 Jugendliche aus dem Barrio durchführen.

cob-14-015-arbeiten-3Land/Ort: KOLUMBIEN – Bogotá
Projektnummer: COB 14-015
Projektziel: Ziel des Projektes ist es, benachteiligte Jugendliche, denen der Zugang zu formalen Ausbildungsgängen verwehrt ist, für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren und in diesen zu integrieren.
Projektwirkung: Eine bedarfsorientierte berufliche Ausbildung, die auch den gestiegenen Anforderungen des Arbeitsmarktes angepasst ist, soll den jungen Menschen die Chance geben, ihre Situation nachhaltig zu verbessern.

Hintergründe

cob-14-015-ciudad-bolivarSeit mehr als 40 Jahren ist Kolumbien geplagt von Korruption, Drogenhandel und einem internen bewaffneten Konflikt. Diese Umstände haben die staatliche Leistungsfähigkeit des südamerikanischen Landes stark eingeschränkt. So haben die jahrzehntelangen Kämpfe zwischen der staatlichen Armee, verschiedenen Guerilla-Gruppen und Paramilitärs zu grossen landesinternen Flüchtlingsströmen in die stadtnahen Ballungsgebiete geführt. Um die Grossstädte herum wachsen riesige Barrios (Armenviertel). Neben unzureichender sanitärer und elektrischer Versorgung stehen die Vertriebenen hier vor neuen sozialen Herausforderungen. Der Alltag in den unkontrolliert wachsenden Stadtvierteln ist von Arbeitslosigkeit, extremer sozialer Ungleichheit, instabilen Familienverhältnissen und schlechten Wohnbedingungen geprägt. Als Folge davon schliessen sich viele Jugendliche gewaltbereiten Jugendbanden an. Diese locken mit schnellem Geld und Macht. Das Leben als Bandenmitglied ist jedoch sehr gefährlich, weil die verschiedenen Jugendbanden untereinander verfeindet sind. So kommt es immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.

Die Situation in Ciudad Bolivar
Ciudad Bolivar ist eines dieser Ballungsgebiete. Gelegen an den südlichen Hängen der Hauptstadt Bogotá leben ca. 500 000 Menschen im Stadtteil. Er gehört zu den ärmsten Stadtteilen Bogotás und beherbergt 65% der ärmsten Familien der Hauptstadt. Davon lebt fast jede dritte Familie in extremer Armut. cob-14-015-ciudad-bolivar-2Das Barrio hat eine sehr junge Bevölkerung. So ist rund jeder zweite Bewohner jünger als 18 Jahre. Wie es in den Vorstädten Südamerikas oft der Fall ist, gilt auch Ciudad Bolivar als sozialer Brennpunkt. Die Kriminalität ist hoch und es gibt für Jugendliche kaum Alternativen als eine Karriere bei einer der zahlreichen Jugendbanden. Gewalt, Prostitution und Mord gehören zum traurigen Alltag des Lebens im Barrio. Die Hauptstadt Bogotá verfügt zwar über eine Vielzahl von staatlichen Bildungseinrichtungen, dennoch sind die Zugangsmöglichkeiten für Jugendliche aus marginalisierten Bevölkerungsgruppen sehr gering.


Unsere Arbeit

cob-14-015-ciudad-bolivar-3Um Jugendlichen Alternativen zum Weg der Strasse zu geben, haben die Salesianer Don Boscos im Herzen von Ciudad Bolivar das Berufsausbildungszentrum «Juan Bosco Obrero» eröffnet. Seit 1998 bietet das Zentrum mehr als 2500 Jugendlichen eine berufliche Ausbildung, welche sie für den Arbeitsmarkt qualifiziert. Bei den Auszubildenden handelt es sich ausnahmslos um Jugendliche aus Risikosituationen. Dabei schliesst es auch solche, die nur über eine minimale schulische Grundbildung verfügen, nicht aus. Sie können die verpassten Schuljahre parallel zur Ausbildung nachholen. So wird sichergestellt, dass sie beim Abschluss des Lehrgangs auch über den von vielen Unternehmen vorausgesetzten Schulabschluss Bachiller (11 Jahre Schulbildung) verfügen und somit im Arbeitsmarkt reale Chancen haben. Die Nachfrage für die Ausbildungsgänge am «Centro Salesiano Juan Bosco Obrero» ist ungebrochen und zeigt, dass das Bedürfnis nach einem friedlichen Leben abseits von Gewalt und Kriminalität bei Jugendlichen aus dem Viertel sehr stark ist. Neben der beruflichen Ausbildung wird auch viel in die Persönlichkeitsentwicklung der jungen Menschen investiert. So wird den Jugendlichen des Stadtteils ein ganzheitliches Angebot unterbreitet, das auch ihre emotionalen und kreativen Fähigkeiten fördert.

Hydraulik-Intensivkurs
Das «Centro Salesiano Juan Bosco Obrero» verfügt über eine moderne Ausbildungswerkstatt im Bereich Hydraulik. Leider konnte infolge fehlender Gelder nicht die ganze Kapazität der Ausbildungsplätze genutzt werden und die Maschinen in den Werkstätten standen teilweise trotz hoher Nachfrage nach den Lehrgängen still. Dies liegt daran, dass das kolumbianische Berufsausbildungsamt SENA (Servicio Nacional de Aprendizaje), welches einen grossen Teil der Lehrgänge finanziert, die Beiträge massiv gestrichen hat. So hat das SENA die Tendenz, Kurse zu kürzen und dabei bewusst auf Qualität zu verzichten. Die Ausbildung wird rein auf Fachliches konzentriert – Persönlichkeitsbildung und Wertevermittlung haben keinen Platz mehr. Die Erfahrung der Salesianer Don Boscos hat jedoch gezeigt, dass gerade diese Faktoren den Abgängern auf dem Arbeitsmarkt einen entscheidenden Vorteil verschaffen.

Für das Jahr 2015 wurden die Ausbildungskontingente für das «Centro Salesiano Juan Bosco Obrero» massiv gekürzt – insbesondere im Bereich Betriebs- und Industriemechanik. So bestand eine grosse Unsicherheit, ob der Hydraulik-Intensivkurs durchgeführt werden konnte. Dank grosser Unterstützung aus dem Solidaritätsfonds Don Bosco konnte der Kurs gerettet werden. Insgesamt 59 Jugendliche aus den ärmsten Schichten Ciudad Bolivars konnten sich so mit dem Start des 10-monatigen Lehrgangs eine Chance erarbeiten, der Armut und Arbeitslosigkeit des Viertels zu entkommen. Am 31. Januar 2016 haben 44 Jugendliche ihr Zertifikat als «Técnico Laboral en Mantenimiento Industrial» entgegengenommen.

Das Projekt konnte mit Ihrer Unterstützung erfolgreich abgeschlossen werden. Vielen Dank! Bei Interesse können Sie mit uns in Kontakt treten und Fragen zum Verlauf des Projekts oder zum Abschlussbericht stellen.
 
Die Don Bosco Jugendhilfe Weltweit unterstützt aktuell andere Projekte in Kolumbien sowie mit dem Schwerpunkt Bildung. Helfen auch Sie mit einer Spende, damit das Leben junger Menschen gelingt. Herzlichen Dank für Ihre Grosszügigkeit!