Missing Child Search Program

ARCHIV – INDIEN:
Etwa alle sechs Minuten verschwindet in Indien ein Kind. Die Gründe dafür sind vielfältig und viele der Kinder landen auf der Strasse. In den Zentren der Salesianer Don Boscos finden diese Kinder Zuflucht, bis sie durch Homelink, eine Internetplattform für Vermisstmeldungen, wieder mit ihren Familien zusammengeführt werden können.

INK 15-073_Homelink1Land/Ort: Indien – Bangalore
Projektnummer: INK 15-073
Projektziel: Strassenkinder, vermisste oder unbegleitete Kinder im Bundesstaat Karnataka wieder mit ihren Angehörigen vereinen. Dies geschieht durch die Etablierung eines Kommunikationssystems (Homelink) zum effizienten Sammeln und Teilen von Informationen über diese Kinder.
Projektwirkung: Eltern und Kinder können sich durch Homelink wieder finden. Ob die Kinder zu den Eltern zurückkehren, hängt von der familiären Situation und den Wünschen der Kinder ab.
Mittelbedarf: 308 Schweizer Franken pro Kind und Jahr, um es in einem Don-Bosco-Zentrum zu betreuen. Eine Registrierung bei Homelink kostet 5 Franken.

Hintergründe

Nach Schätzung der UNICEF gibtINK 15-073_Varun es in Indien über 18 Millionen Strassenkinder im Alter von sechs bis fünfzehn Jahren. Manch eines wird früher oder später von den Eltern wiedergefunden. Von jedem dritten Vermissten fehlt der Familie jedoch jede Spur. Die Gründe für das Verschwinden dieser Kinder sind vielfältig: Sie werden zwecks Lösegelderpressung entführt oder fallen skrupellosen Menschenhändlern in die Hände. Manchmal laufen sie von zu Hause weg – aus Furcht, weil sie etwas falsch gemacht haben, wegen häuslicher Gewalt, Hunger und Armut, oder aus Neugier auf das Leben in Indiens Grossstädten. Doch die Realität auf der Strasse entspricht nicht den fröhlichen Bildern auf Filmplakaten. Überall lauern Gefahren, und den Weg zurück zur Familie finden diese Kinder oft nicht mehr.

Strassenkinder führen ein gefährliches Leben. Sie halten sich oft in der Nähe von Bushaltestellen oder Bahnhöfen auf, da es dort mehr Möglichkeiten zum Betteln und Flaschensammeln sowie Gelegenheitsjobs gibt. Viel zu oft verursachen Zugunfälle schwere Verletzungen, doch dies ist nicht die grösste Gefahr. Verbrecherbanden, die Kinder als billige Arbeitskräfte, Sexsklaven oder für den Organhandel verkaufen, lauern gezielt an den Verkehrsknotenpunkten und fangen Buben und Mädchen ab, die alleine unterwegs sind. Geraten Kinder in die Fänge solcher Menschenhändler, verschwinden sie meist spurlos. Vor allem die Zahl der nicht auffindbaren, aber als vermisst gemeldeten Mädchen ist erschreckend hoch und lässt nichts Gutes erahnen.


Unsere Arbeit

Die Salesianer Don Boscos geben verzweifelten Eltern und ihren verschwundenen Kindern eine Stimme, da den Eltern häufig das Geld und die Möglichkeiten fehlen, um eine gross angelegte Suchaktion zu starten.

Der Schutz der Strassenkinder ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Damit sie Neuankömmlinge schnell bemerken und auch mit langjährigen Strassenkindern Kontakt aufnehmen können, haben die Salesianer Don Boscos sich mit ihren Kinderauffangstationen direkt an Bahnhöfen und Bushaltestellen positioniert. SozialarbeiterInnen gehen vorsichtig auf die Strassenkinder zu und versuchen, im Gespräch Vertrauen aufzubauen und herauszufinden, wer sie INK 15-073_Homelink2sind, woher sie kommen und ob es Angehörige gibt, mit denen man Kontakt aufnehmen könnte.

In der Auffangstation werden die Daten der Buben und Mädchen registriert und in die sogenannte Homelink-Datenbank eingegeben, wo die Angaben mit Vermisstmeldungen im gesamten Bundesstaat abgeglichen werden. In 19 indischen Bundesstaaten haben die Salesianer Don Boscos Homelink eingeführt – ein einzigartiges und erfolgreiches System, an dem sich auch die Polizei, Behörden und Kinderhilfsorganisationen beteiligen.

Jedes registrierte Strassenkind hat die Möglichkeit, ins Don-Bosco-Strassenkinderzentrum zu gehen. Dort kann es essen, schlafen, spielen und sogar lernen. Meist verhilft die psychologische, medizinische und pädagogische Betreuung zu einer Kehrtwende im Leben der jungen Menschen. Sie holen die Schule nach und beginnen eine Berufslehre. Nur drei Prozent der betreuten Kinder entscheiden sich für das freiwillige Dasein auf der Strasse. Während die Kinder im Zentrum gut aufgehoben sind, kann die Registrierung Früchte tragen.

Im Bundesstaat Karnataka, der fast fünfmal so gross ist wie die Schweiz und in dem auch die Millionenstadt Bangalore liegt, konnten im Jahr 2014 3194 von 5177 vermisst gemeldeten Kindern wieder aufgespürt werden. Die Dunkelziffer der nicht gemeldeten, vermissten Kinder wird jedoch als sehr hoch eingestuft, weshalb die Salesianer Don Boscos Homelink inINK 15-073_Satish Karnataka stärker etablieren und bei der Bevölkerung bekannter machen möchten. Zudem benötigen sie finanzielle Unterstützung zur Deckung der Administrationskosten des Missing Child Search Bureau in Bangalore, zur Ausbildung von Personal und zur Vernetzung mit Behörden und NGOs.

Dank Auffangstationen, einem Computerprogramm und dem unermüdlichen Einsatz von Sozialarbeitern führten die Salesianer Don Boscos bisher in ganz Indien 68 000 auseinandergerissene Familien wieder zusammen. Zudem bieten sie jenen Alternativen an, für die eine Rückkehr nicht möglich ist.

Kein Kind wird gezwungen, zu seiner Familie zurückzukehren. Will es nicht mehr bei den Eltern leben (z. B. wegen häuslicher Gewalt), kann es im Don-Bosco-Zentrum bleiben und dort die Schule sowie eine Berufslehre absolvieren.


Persönlich – Einblick in das Leben einer Betroffenen

Nandini: Berufslehre statt Zwangsheirat

Nandinis Vergangenheit war von Gewalt und Furcht geprägt. Der Vater – ein Aushilfsarbeiter – verwandelte sich regelmässig im Alkoholrausch in einen brutalen, unkontrollierbaren Mann. Ihre Mutter – eine zierliche Hausfrau – versuchte erfolglos, Nandini und ihren dreijährigen Bruder vor den Schlägen zu schützen.

INK 15-073_NandiniIm Alter von 13 Jahren – Nandini hatte soeben das erste Schuljahr der Oberstufe abgeschlossen – forderten ihre Eltern sie auf, zu heiraten und so die Familie zu entlasten. Nandini wollte nicht. Verzweifelt suchte sie nach Alternativen.

Als eine Freundin Nandini von einer Familie in Bangalore erzählte, die eine Haushaltshilfe brauchte, beschloss sie, ihr Glück zu versuchen, und reiste auf eigene Faust in die Grossstadt. Sie wollte mit der Arbeit ihre Mutter und den Bruder finanziell unterstützen und so der Zwangsheirat entgehen.

Doch die Tür besagter Familie war verschlossen und es gab keine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme. Nandini wartete lange auf den Stufen vor dem Haus und irrte irgendwann zum Bahnhof, um zu schlafen. Dort wurde sie freundlich von einer Sozialarbeiterin angesprochen. Nandini brach in Tränen aus und erzählte ihre Geschichte, woraufhin die Frau ihr erklärte, dass die Salesianer Don Boscos vielleicht eine Lösung für sie hätten.

Heute absolviert Nandini mit dem Einverständnis ihrer Mutter eine Ausbildung zur Schneiderin bei Don Bosco und beendet gleichzeitig die Sekundarschule. Sie ist stolz darauf, unabhängig zu sein und schmiedet begeistert Zukunftspläne.


Das Projekt konnte mit Ihrer Unterstützung erfolgreich abgeschlossen werden. Vielen Dank! Bei Interesse können Sie mit uns in Kontakt treten und Fragen zum Verlauf des Projekts oder zum Abschlussbericht stellen.
 
Die Don Bosco Jugendhilfe Weltweit unterstützt aktuell andere Projekte in Indien sowie mit dem Schwerpunkt Jugendsozialarbeit. Helfen auch Sie mit einer Spende, damit das Leben junger Menschen gelingt. Herzlichen Dank für Ihre Grosszügigkeit!