Stipendienprogramm in Cali

ARCHIV – KOLUMBIEN:
Im Stadtviertel «El Diamante» in Cali führen die Salesianer Don Boscos ein Berufsbildungszentrum. In diesem werden rund 3000 Jugendliche ausgebildet. Das Zentrum hat gemeinsam mit der Jugendhilfe Weltweit ein Stipendienprogramm gestartet, um Jugendlichen die Chance auf eine Berufsausbildung zu geben. Bei den Teilnehmern des Programm handelt es sich mehrheitlich um Ex-Kindersoldaten, welche durch das Programm eine Chance bekommen ihr Leben in geordnete Bahnen zu lenken.

IMG_5323 - KopieLand/Ort: KOLUMBIEN – Cali
Projektnummer: COM 09-046
Projektziel: Ex-Kindersoldaten und Jugendlichen aus einem schwierigen sozialen Umfeld auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten und in die Gesellschaft zu integrieren. Neben der beruflichen Praxisausbildung werden den Jugendlichen auch Sozialkompetenzen vermittelt. Die berufliche Ausbildung wird daher von sozialen Förderungsmassnahmen und individuellen Beratungsgesprächen begleitet und ergänzt.
Projektwirkung: Dank der Ausbildung und psychologischen Begleitung können die Jugendlichen sich in die Gesellschaft integieren, einen Beruf ausüben mit welchem sie einen Lebenunterhalt bestreiten sowie ihre Familien unterstützen können.
Mittelbedarf: Jährlich werden rund 25 000 Schweizer Franken benötigt, damit 17 Jugendlichen ein Stipendium bewilligt werden kann.

Pater Germán Londoño, ehemaliger Direktor des Programs, beschreibt das Stipendienprogramm wie folgt: «Unsere gemeinsamen Bemühungen ermöglichen jungen Menschen, die vom Weg abgekommen sind, neue Möglichkeiten und Chancen ins Auge zu fassen und einer besseren Zukunft Schritt für Schritt entgegenzugehen.»


Hintergründe


In Kolumbien herrschen seit über 50 Jahren interne Konflikte zwischen verschiedenen Gruppierungen. Guerilleros und Paramilitärs haben in diesen Jahren Millionen von Menschen gewaltsam von ihrem Land vertrieben, bedroht und erpresst. Trotz der Unterzeichnung des Friedensvertrags zwischen der Regierung und der «Fuerza Armadas Revolucionarias de ColomIMG_5298 - Kopiebia» – besser bekannt als FARC – hat das Land noch einen weiten Weg zum Frieden vor sich. Denn der jahrzehntelange Konflikt hat tiefe Wunden hinterlassen. Mehr als 200 000 Personen sind in diesen Auseinandersetzungen ermordet worden. Guerilla-Organisationen haben Tausende von Kindern aus ärmsten Verhältnissen mit Versprechen auf Wohlstand und Gerechtigkeit angeheuert. In Wirklichkeit ist das pure Gegenteil der Fall – es herrscht brutale Gewalt. Die kolumbianischen Behörden gehen von 8000 bis 13 000 Kindersoldaten im Land aus, die bei verschiedenen Guerilla-Organisationen und Paramilitärs mitkämpfen. Diese Kinder und Jugendlichen – zum Teil unter 10 Jahre alt – haben ihre wertvollste Zeit verloren und können nur unter Todesgefahr desertieren. Wenn sie entkommen und überleben, finden sie in der Zivilgesellschaft keinen Platz. Sie haben keine Schulbildung und sind vom Erlebten traumatisiert.

COM 11-023_cocinaparatodos1Im Stadtviertel «El Diamante» in Aguablanca (Distrikt von Cali, Kolumbien) führen die Salesianer Don Boscos ein Berufsbildungszentrum (Centro de Capacitación Don Bosco). In Aguablanca wohnen vor allem Menschen aus den untersten Einkommensschichten. Nach Informationen des statistischen Bundesamtes in Kolumbien (DANE) war im Jahr 2013 mehr als die Hälfte der arbeitsfähigen Bevölkerung von Cali arbeitslos. Diese Arbeitslosigkeit wiederum führt zu Drogenhandel, einer hohen Kriminalität und Gewalt. Das Zentrum der Salesianer Don Boscos ist das einzige seiner Art in der ganzen Stadt, welches Abgängern eine Ausbildungsmöglichkeit und somit eine Perspektive bietet.

Im Berufsbildungszentrum Don Bosco in Cali finden sie Zuflucht. Dort erhalten sie Hilfe zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft, indem sie psychologisch, pädagogisch und medizinisch betreut werden. Sie können den Schulabschluss nachholen und einen Beruf erlernen. Dies allerdings wird erst möglich, wenn Traumata aufgearbeitet sind und wenn gemeinsam mit den Jugendlichen Zukunftsvisionen erarbeitet werden.

Unsere Arbeit


Im Centro de Capacitación Don Bosco in Cali finden derzeit über 3000 Jugendliche Zuflucht. Die grosse Mehrheit dieser jungen Frauen und Männer hat eine schwierige Vergangenheit: Sie sind Schulabbrecher, alleinerziehende Mütter, Ex-Kindersoldaten, Indigene oder Opfer von Gewalt. Sie erhalten Hilfe zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft, indem sie psychologisch, pädagogisch und medizinisch betreut werden. Sie können den Schulabschluss nachholen und einen Beruf erlernen. Dies wird allerdings erst möglich, wenn Traumata aufgearbeitet und Zukunftsvisionen gemeinsam mit den Jugendlichen erarbeitet worden sind. Deshalb wird neben der beruflichen Praxisausbildung auch die persönliche Entwicklung stark gefördert. Im Barrio (Stadtviertel) «El Diamante» in Aguablanca der Millionenstadt Cali in Kolumbien führen die Salesianer ein Berufsbildungszentrum (Centro de Capacitación Don Bosco). Aktuell werden über 3000 Jugendliche in Berufsbildungsprogrammen ausgebildet.

Die grosse Herausforderung nach der Ausbildung ist die Suche nach einer Arbeitsstelle, die das Einkommen für eine Familie sichert. Ein gewisser Teil der Absolventen der ein- bis zweijährigen Kurse findet eine Anstellung bei jenen Firmen, in welchen sie während der Ausbildungszeit bereits ein Praktikum absolvierten.

DSC_2062 - Kopie Weil die staatlichen Fördergelder nicht ausreichen, bieten die Salesianer Don Boscos in Cali seit 2010 in Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe Weltweit ein Stipendienprogramm für talentierte und motivierte Jugendliche an. Bis jetzt konnten damit bereits 15 Jugendliche eine höhere Schulbildung erfolgreich beenden. Da die Ausbildungen mehrere Jahre dauern und der Prozess aufgrund der traumatisierenden Vergangenheit der Jugendlichen mehr Zeit in Anspruch nimmt, stellt die Finanzierung immer wieder eine Herausforderung dar. Das Berufsausbildungszentrum in Cali und die Don Bosco Jugendhilfe Weltweit sind daher auf der Suche nach Geldgebern, um das Stipendienprogramm aufrechtzuerhalten und weiteren Jugendlichen eine Chance auf eine akademische Ausbildung zu ermöglichen. Im Jahr 2016 waren 17 Jugendliche im Programm (ab 2010/2011/2012/2013/2014/2015) eingeschrieben, welche dabei sind, ihre Ausbildung zu absolvieren.

IMG_5318 copia - Kopie Fast alle Teilnehmenden des Programmes befanden sich während einer gewissen Zeit bei der Guerilla (FARC / ELN). Auf Desertation steht die Todesstrafe und da viele in diesen Gruppierungen erwachsen geworden sind, fehlen ihnen wichtige Sozialkompetenzen sowie das Wissen, wie sie auf legale Weise ihren Lebensunterhalt bestreiten sollen. Lesen und Schreiben bereitet ihnen grosse Mühe, denn oft haben sie nicht einmal die Grundschule geschafft. Ihr noch junges Leben ist geprägt durch die Zeit bei der Guerilla oder den Paramilitärs. Sie waren dort täglich mit Gewalt, Mord und Totschlag konfrontiert.

Nach der Demobilisierung kann ein Jugendlicher, der jahrelang in der Illegalität gelebt hat, nicht gleich eine Arbeitsstelle antreten. Seit 2003 bietet das Berufsbildungszentrum Don Bosco ein dreistufiges Hilfsprogramm für ehemalige «Kindersoldaten» an. Bis zu 50 Jugendliche werden schrittweise rehabilitiert und in ein geordnetes Leben geführt. Sie erhalten das notwendige Rüstzeug für die Selbstständigkeit und eröffnen ihnen einen Zugang zum lokalen Arbeitsmarkt.

IMG_5305 - KopieBeim Eintritt ins Stipendienprogramm wird zuerst evaluiert, welches Bildungsniveau die jungen Menschen aufweisen. Meistens entscheiden sich die Verantwortlichen für eine Kombination aus Schulbildung und technischer Ausbildung. Es gibt verschiedene Stufen von Ausbildungen. Zum einen wird eine «non-formale» Ausbildung angeboten, bei der man keinen Maturaabschluss benötigt (vergleichbar mit Praktikum/Lehre). Berufe wie Koch, Pfleger und Automechaniker werden dort unterrichtet, diese werden als «non-formale» technische Berufe bezeichnet. Auf der anderen Seite gibt es drei höhere Schulbildungen, die mit einem Maturaabschluss und der bestandenen ICFES-Aufnahmeprüfung (staatliche Zulassungsprüfung) absolviert werden können. Zum einen ist dies die Ausbildung zum Techniker, die zwei Jahre dauert. Weiter gibt es eine Ausbildung mit technologischem Abschluss, welche ca. drei Jahre dauert. Ein universitärer Abschluss (zum Beispiel Pädagoge) ist die dritte Möglichkeit und dauert fünf Jahre. Es muss betont werden, dass die Absolvierung eines dieser drei Studiengänge anspruchsvoll ist und von den Jugendlichen alles abverlangt wird, um dieses Ziel zu erreichen.


Das Projekt konnte mit Ihrer Unterstützung erfolgreich abgeschlossen werden. Vielen Dank! Bei Interesse können Sie mit uns in Kontakt treten und Fragen zum Verlauf des Projekts oder zum Abschlussbericht stellen.
 
Die Don Bosco Jugendhilfe Weltweit unterstützt aktuell andere Projekte in Kolumbien sowie mit dem Schwerpunkt Bildung. Helfen auch Sie mit einer Spende, damit das Leben junger Menschen gelingt. Herzlichen Dank für Ihre Grosszügigkeit!