Programm JUGEND, BILDUNG UND BERUF

Jugendliche in der Schule am lernen
Bildung ist ein grundlegendes Element der Persönlichkeitsentwicklung. Sie ist zudem ein entscheidendes Instrument im Kampf gegen Armut. Wenn Kinder und Jugendliche eine gute Ausbildung erhalten, wirkt sich dies langfristig positiv auf die Lebensqualität der ganzen Gesellschaft aus.

Die Programme der Salesianer Don Boscos setzen auf ganzheitliche Förderung – durch fachliche, persönliche, emotionale, musisch-kulturelle, ökologische, soziale, politische und spirituelle Bildung.

Eine umfassend verstandene Bildung entfaltet die individuellen Fähigkeiten und gewährt den jungen Menschen Wahlmöglichkeiten im Leben.

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Vorschulbildung und Betreuung

Junge malt ein Bild im Betreuungsangebot der Salesianer Don Boscos
Die Vorschule legt den Grundstein für eine erfolgreiche Schulzeit. Deshalb führen die Salesianer Don Boscos Kindergärten, Kindertagesstätten und Horte. Hier erhalten Kinder in Ergänzung zur Familie Bildung, Erziehung, Hilfe und Zuwendung – mit dem Ziel, ihnen einen guten Start ins Leben zu ermöglichen.

Diese Betreuung erlaubt den Eltern und namentlich alleinerziehenden Müttern und Vätern, einer Arbeit nachzugehen oder eine Ausbildung nachzuholen.

Sie wissen ihre Kinder in Sicherheit – und auch, dass diese betreut, gefördert und durch erste Lernschritte auf die Schule vorbereitet werden.

Projekte

 

Schulbildung und Berufseinführung

Gute Lernatmosphäre in der Schule
Eine erfolgreich abgeschlossene Grundbildung (Primar- und Oberstufe) legt die Basis für berufliche Perspektiven. Die Lehrgänge sind an die länderspezifischen Gegebenheiten und an die Vorgaben des jeweiligen staatlichen Bildungssystems angepasst. Um den Betrieb der Schulen langfristig sicherzustellen, wird die Zusammenarbeit und die Unterstützung durch die zuständigen Behörden gesucht.

Ergänzend zum Schulunterricht auf der Oberstufe absolvieren die Jugendlichen in vielen Schulen berufliche Einführungskurse, die ihnen entsprechende Fähigkeiten und Grundkenntnisse, beispielsweise in Informatik, vermitteln und sie auf die Berufs- und Arbeitswelt vorbereiten.

Projekte

 

Höhere Schulbildung

Gruppenarbeit an der Hochschule

Um jungen Menschen aus ärmsten Verhältnissen eine höhere Schul- und Berufsbildung zu ermöglichen, führen die Salesianer Don Boscos in einigen Ländern technische Hochschulen, Fachhochschulen und Universitäten.

Ebenso betreiben sie Internate und Studentenwohnheime, damit Schülerinnen und Schüler, deren Familien weit entfernt wohnen, eine Unterkunft haben und die notwendige Betreuung erhalten.

 

Berufsbildung, die sich am Arbeitsmarkt orientiert

Berufkurs Elektronik

Berufsausbildung ist eine Investition in die Zukunft. Die Don-Bosco-Berufsbildungszentren bilden junge Frauen und Männer in ländlichen und städtischen Gebieten nach ihren Bedürfnissen in ganz unterschiedlichen Berufen aus.

Dies kann nach dem Vorbild der dualen Berufsbildung der Schweiz sein – praktische Ausbildung kombiniert mit theoretischer Schulung – oder durch Anlehren, damit die jungen Menschen den Zugang zum Arbeitsmarkt finden.

Die Angebote sind so gestaltet, dass Weiterbildung und weiterführende Kurse möglich sind. Es wird vermittelt, was es bedeutet, in einem Arbeitsverhältnis zu stehen und einer geregelten Arbeit nachzugehen, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und selbständig zu werden. Kurz: Den jungen Menschen werden auch Werte und Lebenshilfen vermittelt. Diese Schule für das Leben berücksichtigt zudem die lokalen Gegebenheiten und Erfordernisse.

Ein besonderer Fokus in der Berufsbildung stellt die Frauenförderung dar. Die Frau hat eine Schlüsselrolle in wirtschaftlich und sozial wichtigen Bereichen.

Ihr wird oft Bildung verwehrt, weil sie im Haushalt helfen muss, das Schulgeld fehlt oder die Schule zu weit entfernt ist. Die Förderung der Frauen ist besonders wichtig, weil oft sie es sind, die Verantwortung für ihre Familien übernehmen und den Lebensunterhalt bestreiten müssen.

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Lehrgänge und Kurse

Teilnehmer eines Gastronomielehrgangs
Viele Jugendliche sind darauf angewiesen, möglichst rasch Arbeit zu finden und Geld zu verdienen. Die entsprechenden Angebote der Don-Bosco-Berufsbildungszentren reichen von mehrwöchigen informellen Kursen bis hin zu mehrjährigen zertifizierten Lehren, die sich am dualen Bildungssystem der Schweiz orientieren. In der kurzen Ausbildungszeit von einem oder zwei Semestern sind naturgemäss keine qualifizierten Berufsabschlüsse erreichbar. Vielmehr handelt es sich um die Vermittlung von rasch anwendbaren Fähigkeiten.

Die Kombination von Persönlichkeitsentwicklung und der Vermittlung von Kompetenzen macht es möglich, dass diese jungen Menschen den Zugang zum Arbeitsmarkt finden: Das Konzept stellt eine hohe Arbeitsmarkt­vermittlung von 60 bis 95 Prozent sicher, und dies bei sehr tiefen Abbruchraten.

Projekte

 

Angebote für Schulabbrecher

Schulabbrecherinnen machen eine Weiterbildung zur Schneiderin

Eine abgeschlossene Schulbildung ist unabdingbar für eine qualifizierte Berufsbildung.

Sozialpädagogische Angebote, Lehrwerkstätten und Programme zur Integration in den Arbeitsmarkt, Nachhilfeunterricht, sozialberufliche Angebote, Anlehren für Arbeitslose sowie spezielle Angebote mit dem Ziel, schulische Defizite auszugleichen, erlauben jungen Menschen, den verpassten Schulabschluss nachzuholen und einen Beruf zu erlernen. Dies ermöglicht ihnen, sich später selbständig zu machen oder eine bezahlte Arbeit zu finden und auf diese Weise für sich und ihre Familie zu sorgen.

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Stellenvermittlung – Integration in die Arbeitswelt – Kontakt zu Unternehmen

Persönlichkeitsentwicklung und höhere Bildung bedeuten nicht automatisch bessere Vermittlungsfähigkeit oder mehr verfügbare Stellen.

In den Ländern des Südens sind die geregelten Arbeitsplätze oft auf einzelne Sektoren beschränkt. Zudem fehlt den Jugendlichen vielfach das nötige Wissen, um zu diesen Stellen zu kommen. Deshalb sind ausreichende Informationen über den Arbeitsmarkt nötig. Zudem ist es wichtig, junge Frauen und Männer in direkten Kontakt zu den Unternehmen zu bringen.

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Unternehmenskooperationen


Diese Initiative geht noch einen Schritt weiter:

Unternehmen beteiligen sich beim Aufbau von Berufsbildungseinrichtungen und kooperieren mit diesen.

So können die Jugendlichen beispielsweise an den unternehmenseigenen Maschinen praktische Erfahrungen sammeln und in den Don-Bosco-Zentren die theoretischen Kenntnisse erwerben – mit der Gewissheit, nach Abschluss der Ausbildung eine Arbeitsstelle zu erhalten. Diese Vorgehensweise ist auch für die Unternehmen ein Gewinn, da sie gut ausgebildete, qualifizierte Fachkräfte mit vielfältigen Kompetenzen anstellen können. Gleichzeitig nehmen sie soziale Verantwortung gegenüber Gesellschaft und Staat wahr.

 

Verantwortliche Unternehmer und Führungspersönlichkeiten

Nur wer gut zu führen versteht, kann Verantwortung für sich und andere übernehmen.

Dazu muss erst eine Generation von jungen Führungskräften ausgebildet werden. Diese setzen sich mit Werten und Werthaltungen auseinander und entwickeln sich persönlich weiter. Durch eine umfassende Allgemeinbildung erwerben sie solide Lese- und Schreibkenntnisse, die Fähigkeit, kritisch zu denken, Probleme und Konflikte zu lösen, im Team zu arbeiten, eine offene Kommunikation zu pflegen und überzeugend aufzutreten. Ergänzungsunterricht und Leadership-Seminare fördern die persönliche Entwicklung, solidarisches Handeln sowie Engagement für das Gemeinwohl.

 

Weiterbildung

Für junge Erwachsene, die schlecht qualifiziert oder als Tagelöhner tätig sind, ist angepasste Aus- und Weiterbildung besonders wichtig. In Don-Bosco-Berufsbildungszentren werden deshalb neben Vollzeitausbildungen auch modulare Kurzzeitkurse angeboten.

In der knappen Ausbildungszeit von einem oder zwei Semestern sind zwar keine Berufsabschlüsse im Sinne einer dualen Berufsbildung nach schweizerischem Muster möglich. Aber die Kurzzeitausbildung ist für Jugendliche, die aus benachteiligten Verhältnissen kommen, von grösster Bedeutung. Sie haben oft keinen Schulabschluss und können es sich nicht leisten, eine länger dauernde Ausbildung zu absolvieren, weil sie zum Familieneinkommen beitragen müssen.

Der modulare Aufbau ermöglicht Fortsetzungskurse, den Erwerb zusätzlicher Qualifikationen, einen höheren Fachabschluss zu erlangen, was die beruflichen Chancen erhöht.

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Stipendienprogramme

Die Talente vieler begabter und intelligenter junger Frauen und Männer können oft nicht ausgeschöpft werden, weil diese aus benachteiligten Verhältnissen stammen und deshalb keinen Zugang zu höherer Bildung haben.

Dies liegt zum Teil an hohen Studiengebühren und Lebenskosten, welche die Familie nicht übernehmen kann. Dazu kommt, dass der junge Mensch während der Ausbildungszeit weniger oder gar nicht arbeiten kann und dadurch sein Beitrag zum Familieneinkommen entfällt. In vielen Ländern der Welt hat man ohne universitäre Ausbildung schlechte Berufsaussichten, da das Konzept einer Berufslehre meist nicht existiert. Deshalb ermöglichen die Salesianer Don Boscos talentierten mittellosen Jugendlichen, durch Stipendien einen Abschluss zu erlangen.

 

Frauenförderung durch Unternehmensgründung und Kleinkredite

Eine Frauengruppe hat hat ein Catering-Unternehmen gegründet

Von Armut sind insbesondere Frauen betroffen. Für Frauen, die über keine Sicherheiten verfügen, ist ein Kleinkredit oft die einzige Möglichkeit, ein Geschäft zu starten, ein Einkommen zu erwirtschaften und damit das Überleben der Familie zu sichern.

Begünstigte sind in der Regel Frauengruppen. Bevor ein Kleinkredit vergeben wird, ist bei Don Bosco die Teilnahme an Kursen zur Unternehmensgründung obligatorisch. Es werden die Grundzüge kaufmännischen Handelns, einfache Buchführung und die Entwicklung einer Geschäftsidee samt Geschäftsplan vermittelt. So sind die Kleinunternehmerinnen gut vorbereitet und haben ausreichendes Wissen, um nach Erhalt des Kredites erfolgreich ihre Geschäftsidee in die Praxis umzusetzen. Sie werden auch langfristig in ihrer Geschäftstätigkeit begleitet.

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Infrastruktur und Unterhalt

Unterhalt der Infrastruktur
Damit die jungen Frauen und Männer eine Schul- und Berufsbildung absolvieren können, müssen auch Investitionen in Infrastruktur, Werkstätten, Maschinenparks und Lehrmaterial getätigt werden. Ebenso sind Unterhalt, laufende Kosten und administrative Aufwendungen zu decken.

Es wird grossen Wert daraufgelegt, dass insbesondere in Berufsbildungszentren auch für den Verkauf produziert wird und die Lernenden dadurch praktisches Wissen und Fähigkeiten erwerben. Der Erlös aus Produkten und Dienstleistungen trägt dazu bei, den Betrieb zu finanzieren.

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Erfahrungsbericht: Vom Guerillakämpfer zum Friedensbotschafter

Erfahrungsbericht Kindersolat
Juans Biografie (Name geändert) zeigt diesen langen und schmerzhaften Weg exemplarisch auf.

Medellín, Kolumbien

«Ich war elf Jahre alt, als ich der Guerilla beitrat – aus vielfältigen Gründen.

In der Gegend, aus der ich stamme, gibt es praktisch keine Einkommensmöglichkeiten. Mein Vater war gewalttätig und bedrohte mich und meine Geschwister mit dem Tod.

Ich begann mit zehn Jahren zu arbeiten, um meine Familie zu unterstützen, aber das Geld reichte nirgends hin. Die Versprechen auf ein besseres Leben veranlassten mich im Jahr 2006, einer Guerillagruppe beizutreten. Eines Nachts bin ich zusammen mit einer meiner jüngeren Schwestern von zu Hause weggelaufen. Wir glaubten, unser Leben würde besser – doch es stellte sich als Albtraum heraus.

Vor dem Beitritt zu der Gruppe wurde mir versprochen, dass ich jederzeit wieder nach Hause könne. Es war eine Lüge.

Nach einiger Zeit wurde mir gesagt, die Verpflichtung sei lebenslänglich. Ich hätte Kosten verursacht, und sollte ich daran denken abzuhauen, würden sie mich erschiessen. Als dann auch noch meine Schwester bedroht wurde, beschlossen wir zu fliehen.

Die Flucht gelang uns. Wir wanderten nächtelang durch die Berge, ohne zu wissen, wo wir waren. Unsere einzige Nahrung war Wasser. Nach einiger Zeit gelangten wir in ein Dorf, wo wir zu essen bekamen.

Nach Tagen der Unsicherheit und der Angst, ins Gefängnis geworfen zu werden, beschlossen wir, Kontakt mit der Kinderschutzbehörde aufzunehmen. Dies war der Wendepunkt in meinem Leben.

Ich wurde in die Ciudad Don Bosco in Medellín überwiesen. Hier begann meine Reintegration. Dort traf ich Jugendliche, die eine ähnliche Geschichte wie ich hatten. Ich merkte, ich bin nicht allein.

Ich holte die Schule nach und studiere nun im dritten Semester internationale Finanzwirtschaft, habe Englisch gelernt und arbeite als Promotor für die Behörde, die sich um die Reintegration ehemaliger Kindersoldaten kümmert.

In der Ciudad Don Bosco habe ich gelernt, mich mit meiner Vergangenheit zu versöhnen und Verantwortung zu übernehmen. Mein Lebenstraum ist es, mein Studium erfolgreich abzuschliessen und durch mein Tun und Handeln für andere Menschen ein Vorbild zu sein. Ich will für den Frieden in Kolumbien und in der Welt arbeiten.»

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