Programm JUGEND, FAMILIE UND GESELLSCHAFT

Eine gesunde und fürsorgliche Familie ist die Basis für die Entwicklung eines Kindes. Die Familie bildet nach wie vor die wichtigste gesellschaftliche Säule und legt den Grundstein für Erziehung und Verhaltensmuster.

Denn wie kann ein junger Mensch sich entwickeln, wenn ihn seine Familie vernachlässigt und ihn an der positiven Entfaltung hindert?

Was nützt es einer jungen Frau, eine Ausbildung zu machen, wenn ihr eine Beschäftigung ausser Haus verboten wird? Wie soll Armut und Verelendung ohne gesellschaftliche Initiativen und Bemühungen gelindert werden?

Die integrale Arbeit der Salesianer Don Boscos leistet einen substanziellen Beitrag zur Gestaltung einer solidarischen und funktionierenden Zivilgesellschaft sowie für ein friedliches, gerechtes und gewaltfreies Miteinander.

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Freizeitangebote


Zu den meisten Don-Bosco-Einrichtungen gehört ein Jugendzentrum, «Oratorium» genannt. Dort treffen sich Kinder und Jugendliche freiwillig zum Fussballspielen, Basteln, Tanzen, Musizieren, Malen und um die Hausaufgaben zu machen.

Da viele Kinder oft allein sind und auf die jüngeren Geschwister aufpassen müssen, sind die Zentren der einzige Ort, wo sie sich austoben können und Kind sein dürfen.

Und: Spiele wecken Interesse am Lernen, fördern Teamgeist, Kreativität, Selbstbewusstsein, Verantwortungsgefühl und Disziplin. Das Jugendzentrum ersetzt weder Familie noch Schule – ist jedoch ein Lichtblick im oft tristen Alltag der Kinder und Jugendlichen.

Projekte

 

Jugendsozialarbeit

Kinder und Jugendliche, die ganz oder teilweise auf der Strasse arbeiten oder leben, sind vielen Gefahren ausgesetzt: Verletzungen im Strassenverkehr, Angriffen von Jugendbanden, Verschleppung durch Menschenhändler.

Zur Betäubung ihrer Angst, ihres Hungers, des Schmerzes und der Kälte konsumieren sie oft billige Drogen und Alkohol, schnüffeln Schusterleim oder Lösungsmittel, was ihre Gesundheit und ihre körperliche und geistige Entwicklung dauerhaft schädigt.

Die Strassensozialarbeiter der Salesianer Don Boscos kümmern sich um gefährdete junge Menschen. In den Schutz-, Strassenkinder- und Rehabilitationseinrichtungen finden sie Sicherheit und Geborgenheit.

Die Betreuung ist ganzheitlich und umfasst Unterkunft, Verpflegung, Schul- und Berufsbildung und psychologische Betreuung, damit Traumata bewältigt werden können. Ergänzend dienen Sport, Spiel, Malen, Musik und Tanz dazu, Alternativen zum Leben auf der Strasse aufzuzeigen und die Freude am Leben zurückzugewinnen. Die jungen Menschen lernen, wieder in Gruppen geordnet zusammenzuleben und Verantwortung für sich und andere zu übernehmen.

Projekte

 

Familiensozialarbeit

Um die Unterstützungs- und Vorsorgemassnahmen und damit die Zukunft eines jungen Menschen gestalten zu können, ist es unerlässlich, sein familiäres Umfeld und die Hintergründe seines Lebens miteinzubeziehen. Deshalb sind Haus- und Familienbesuche unverzichtbare Bestandteile in den Sozialprogrammen der Salesianer Don Boscos.

Mit dem Einbezug der Familie können Probleme frühzeitig erkannt werden, Massnahmen ergriffen und sichergestellt werden, dass sie vom gesamten Umfeld getragen werden.

Deshalb wird auch aktive Familiensozialarbeit geleistet. Elternabende, Weiterbildungskurse und Hausbesuche fördern das Verständnis der Eltern und verändern ihr Verhalten. Das fördert Motivation und Durchhaltevermögen, beugt Krisen und Schulabbrüchen vor. Ebenso werden die Angehörigen eingeladen, an den Aktivitäten ihrer Kinder teilzunehmen, Spiele mitzuorganisieren, ein Znüni vorzubereiten. Diese Tätigkeiten tragen mit dazu bei, dass sich die oft problematischen Beziehungen innerhalb der Familie verbessern.

Projekte

 

Betreuung und Unterstützung für Alleinerziehende und Familien

Kinder und Jugendliche laufen Gefahr, sich selber überlassen zu sein, wenn beide Eltern arbeiten oder weil sie in einer Einelternfamilie aufwachsen. Kinderkrippen und Freizeitangebote reduzieren das Risiko des Abrutschens in Gewalt und Drogen erheblich.

Gerade Alleinerziehende sind oft überfordert und auf Unterstützung, Beratung und Begleitung angewiesen. Für sie ist es eine grosse Entlastung zu wissen, dass ihre Kinder gut und sicher betreut sind, die Hausaufgaben erledigen und die Freizeit sinnvoll gestalten.

Projekte

 

Menschen- und Kinderrechte

Kinder, Jugendliche und besonders auch Frauen sind oft Opfer von Menschenhandel, Gewalt, Ausbeutung und Missbrauch.

Präventions- und Sensibilisierungsarbeit reduziert das Risiko. Die Vermittlung von Wissen über Rechte, Pflichten, Anlaufstellen, der Aufbau von Kinderrechtsklubs, Selbsthilfe- und Frauenrechts­gruppen und deren Vernetzung mit staatlichen und privaten Organisationen, sind wichtige vorsorgende Bausteine.

Projekte

 

Friedensförderung und Konfliktbewältigung


Strassensozial- und Friedensprogramme sind wichtige Ergänzungen zu den Don-Bosco-Zentren und erreichen die jungen Menschen im öffentlichen Raum.

Sozialarbeiter, Streetworker und Freiwillige begeben sich in vernachlässigte Viertel, Strassen und auf Plätze der Grossstädte.

Mit Gesprächen, durch medizinische Beratung und Erstversorgung machen sie die Kinder und Jugendlichen auf ihr Angebot aufmerksam.

Es wird eine Atmosphäre des Friedens, des Vertrauens und der Freude in marginalisierten Gegenden geschaffen.

Diese Massnahmen wirken vertrauensbildend bei den Begünstigten. Dank sinnvoller Freizeitgestaltung wird ein harmonisches und solidarisches Für- und Miteinander geschaffen sowie Konflikte reduziert.

Projekte

 

Betreuung straffällig gewordener Jugendlicher


Es gibt heute eine wachsende Zahl junger Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben. Sie tun sich schwer, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Diese Kinder und Jugendlichen wissen sich nicht anders zu helfen, als durch auffälliges oder kriminelles Verhalten zu überleben.

In spezialisierten Don- Bosco-Einrichtungen können sie an Massnahmen zur Wiedereingliederung in Familie und Gesellschaft teilnehmen. Sie erhalten damit die Chance auf einen Neubeginn und die Rückkehr in ein geordnetes Leben.

Ohne dieses Angebot müssten sie sonst in ein staatliches Gefängnis, wo sie oft noch ganz verelendeten.

 

Fähigkeiten fürs Leben


Jugendliche in Risikosituationen werden dazu eingeladen, sich auf eine Reise der Reifung, des Wachstums und der Entwicklung zu begeben.

Die Programme der Salesianer Don Boscos sind auf Langfristigkeit ausgerichtet, da die Erfahrung zeigt, dass isolierte, einmalige Interventionen nicht reichen, um das Leben und Verhalten eines jungen Menschen positiv zu verändern.

Deshalb wird das gesamte Umfeld wie Familienstabilität, Gesundheit, Bildung, Führungsfähigkeiten und Beruf mit einbezogen. Hinzu kommt die typisch salesianische Vermittlung von Werten wie Verantwortung, Selbstbewusstsein, Freiheit, Loyalität, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit.

 

Verstehen und mittragen

Sämtliche Unterstützung hat keine Wirkung, wenn die betroffenen Zielgruppen die Massnahmen nicht verstehen, deren Sinn nicht einsehen oder diese nicht mittragen.

Deshalb werden Präventions- und Sensiblisierungskampagnen lanciert und Schulungen für den gewaltfreien, rücksichtsvollen Umgang miteinander und den achtsamen Umgang mit sich selber durchgeführt. Oft beginnt dies mit der Pflege der eigenen Gesundheit und der Hygiene sowie achtsamem Umgang mit der Umwelt. Neue lösungsorientierte Verhaltens- und Handlungsmuster werden vorgelebt, verinnerlicht und weitergeben.

 

Erfahrungsbericht: Früher Prostituierte – Heute Berufsbildnerin

Augusta Ngombu-Gbori, Freetown, Sierra Leone

«Als ich sechzehn Jahre alt war, verlor ich meine Eltern. Ich hatte niemanden, der sich um mich kümmerte oder den ich um Hilfe bitten konnte. Ich hatte die Schule abgebrochen und hatte viele Probleme zu meistern. Ich hatte nichts zu essen und keinen Platz zum Schlafen.

Mit sechzehn habe ich angefangen, mich zu prostituieren, nur damit ich etwas zu essen kaufen konnte.

Eines Tages kam eine Sozialarbeiterin des Don-Bosco-Zentrums in meine Nachbarschaft. Ich habe die Gelegenheit ergriffen, mit ihr zu sprechen. Sie hat sich für mich interessiert, und ich habe ihr meine Geschichte erzählt. Sie hat mir zugehört und gesagt, dass sie mir helfen möchte, indem sie mich bei Don Bosco anmelde. Ich habe ihr nicht geglaubt, weil ich dachte, ich müsste dafür bezahlen.

Die Prostitution war die einzige Möglichkeit für mich, Geld für Essen und Kleidung zu verdienen. Ich konnte damit nicht aufhören.

Die Sozialarbeiterin hat mich weiter ermutigt, dass es eine Zukunft für mich gebe. Sie hat mich überzeugt, das Büro von Don Bosco Fambul zu besuchen. Dort haben sie mich gefragt, was ich gerne lernen möchte. Ich antwortete, dass ich Köchin werden wolle. So wurde ich zu Kochkursen angemeldet.

Don Bosco hat mich mit Essen und Kleidern versorgt. Ich bekam alles, was ich brauchte, und konnte am Schluss meine Ausbildung erfolgreich abschliessen.

Heute kann ich das Gelernte umsetzen. Ich koche für andere Menschen und kann damit Geld verdienen.

Vor einem Jahr kon­taktierte mich dieselbe Sozial­arbeiterin. Sie fragte mich, ob ich das Gelernte anderen Mädchen beibringen möchte. Heute bin ich Berufsbildnerin für minderjährige Mädchen, die sich prostituierten.

Don Bosco hat mich von der Strasse weggeholt. Sie haben mir eine Zukunft und Hoffnung gegeben, an mich geglaubt und mich motiviert. Nicht nur durch ihre Taten, sondern vor allem durch ihre Begleitung.

Ich möchte ein Vorbild sein für alle minderjährigen Mädchen, die sich prostituieren, ihnen Ratschläge geben und zeigen, dass eine bessere Zukunft möglich ist und sie das verdient haben.»

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