Gesundheit

Ebola-Epidemie in Sierra Leone (2014-2015) – Berichterstattung

Installation zum HändewaschenDie Ebola-Epidemie in Westafrika verursachte grosses Leid und stellte die betroffenen Länder und Regionen vor riesige Herausforderungen. Lesen Sie, wie die Salesianer Don Boscos die Menschen in dieser schwierigen Situation unterstützten. Hier finden Sie die gesamte Berichterstattung zu der Ebola-Epidemie in Sierra Leone in umgekehrt chronologischer Reihenfolge:

Update - 28.02.2015 - Aktion gegen verfrühte Nachlässigkeit

Zur Zeit werden auf den Strassen Freetowns 20’000 Stück Seifen u.a. mit der Aufschrift «Don Bosco for ZERO Ebola cases» von freiwilligen Don Bosco Helfern verteilt. Dies geschieht im Rahmen einer Aktion gegen verfrühte Nachlässigkeit im Umgang mit Ebola. «Es ist einfacher von 100 auf zehn, anstatt von zehn auf null neue Infektionsfälle pro Tag zu kommen», warnte Bruder Lothar beim Auftakt der Straßenkampagne und riet zu höchster Aufmerksamkeit.

Besorgniserregend ist vor allem, dass immer wieder neue Infektionsherde und alte Infektionsherde, die man schon unter Kontrolle glaubte, aufbrechen. Beispiel ist der Distrikt Bombali (Makeni) mit über 30 Neuerkrankungen in der vergangenen Woche. Weitere Ebola-Hochburgen sind nach wie vor die Hauptstadt Freetown und Port Loko. Don Bosco Fambul führt das Wiederhochschnellen der Ebola-Fälle auf das Aufheben wichtiger Sicherheitsmaßnahmen der Regierung zurück. «Hierdurch ist die Wachsamkeit der Bevölkerung gesunken», meint Bruder Lothar. So finden wieder «unsichere» Beerdigungen statt. Die Seuche wird nur durch direkten Kontakt mit Erkrankten oder kürzlich an Ebola gestorbenen Menschen übertragen. Ebola-Tote dürfen deswegen nicht von den Familien oder einfachen Bestattungsunternehmen beerdigt werden, sondern nur von Experten in Schutzanzügen.

Auch die Ankündigung des Präsidenten Ende Januar, dass die Schulen wieder öffnen sollen, hat zu einem trügerischen Sicherheitsgefühl der Menschen geführt. Viele berühren sich wieder und es kommt vermehrt wieder zu größeren Menschenansammlungen. Geschäfte öffnen und die Schiffsfähre zwischen Freetown und Lungi verkehre wieder. Wichtige Medical Check Points wurden geschlossen. «Alle diese Lockerungen von Sicherheitsmaßnahmen kommen verfrüht und steigern das Risiko einer erneuten Virusverbreitung», so Bruder Lothar.

Zudem habe das Senken des Spritpreises im Land zu einem höherem Verkehrsaufkommen in allen Städten und zwischen den Distrikten geführt. Auch hier sei eine erneute Virusverbreitung damit erleichert. Kritisiert wird auch, dass die Präsidenten-Task Force sich in diesem Jahr nicht mehr getroffen habe.

Das traurige Fazit lautet deshalb: Die Krankheit ist noch nicht unter Kontrolle und die „road to zero“ erscheint lang.

Update - 18.02.2015 - Keine Entwarnung für Ebola

In der letzen Woche wurden gemäss WHO in Sierra Leone 74 neue Fälle von Ebola registriert, 45 davon in Freetown. Die Dunkelziffer dürfte wiederum höher liegen als die offiziellen Zahlen, da Infektionen vor allem in den ländlichen Gebieten nur schwer erfasst werden können oder nicht gemeldet werden. Nach den optimistischen Einschätzungen der vergangenen Wochen kann deshalb leider noch immer keine Entwarnung für Ebola gegeben werden. Seit Beginn der Epidemie gibt es damit in Sierra Leone 11’103 bestätigte Krankheitsfälle, 3408 Menschen sind durch die Infektion mit Ebola gestorben.

Nachlässiger Umgang
Ende Januar hat Sierra Leones Präsident Ernest Bai Koroma eine Lockerung der Quarantäne-Maßnahmen verkündet. Die Quarantäne für alle Distrikte und Stammesgebiete sei aufgehoben, teilte er in einer nationalen Rundfunkansprache mit. Ein „Sieg“ über das tödliche Virus sei in Sicht. Gleichzeitig aber warnte er davor, nun mit den Anstrengungen im Kampf gegen Ebola nachzulassen. Experten schätzen, dass viele Menschen daraufhin nachlässig im Umgang mit der Krankheit wurden und wichtige Hygienemaßnahmen nicht mehr strikt beachteten. Nach Angaben der nationalen Registrierungsstelle für Ebola wird auch die traditionelle Waschung der Toten wieder vollzogen.

Update - 10.02.2015 - Radio-Interview auf Bayern2

Der Radiosender Bayern2 hat heute ein 5-minütiges Interview mit Bruder Lothar Wagner geführt und ihn vor allem zu einem Thema befragt: Was passiert mit den Ebola-Waisen in Sierra Leone? Hier können Sie das ganze Gespräch auf der Website von Bayern2 hören.

Update - 22.01.2015 - Vorsichtiges Aufatmen in Freetown - Interview mit Bruder Lothar Wagner

Bruder Lothar nahm sich Zeit, kurz ein paar Fragen zur Situation in Freetown, Sierra Leone, zu beantworten:

Jugendhilfe Weltweit: «Wie nehmen Sie die Situation in Sierra Leone wahr? Die Medien behaupten, die Epidemie ist quasi überstanden. Ist tatsächlich ein Ende in Sicht?»
Lothar Wagner: «Nach wie vor ist die Situation angespannt. Jeder meidet Körperkontakt. Die Angst beherrscht nach wie vor den Alltag. Größtenteils werden die Präventionsmaßnahmen nun eingehalten. Das ist sicherlich der Schlüssel zur Eindämmung und letztendlich zur Ausrottung der Pandemie. Die täglichen Infektionen nehmen ab. Letzte Woche hatten wir durchschnittlich 17 neue Infektionen pro Tag. Jedoch warne ich eindringlich davor nun bereits schon von einem Ende zu sprechen. Das wäre unverantwortlich, nach dem, was wir nun über diesen Virus wissen. Es gibt nämlich immer noch unter den Neuinfektionen Fälle, die man nicht nach verfolgen kann. Neuinfektionen aus heiterem Himmel, neue Infektionsherde. Dsa zeigt, dass die Pandemie immer noch nicht unter Kontrolle ist, Quarantänezonen nicht ausreichend gesichert werden. Gefährlich wäre nun zu glauben, dass alles vorbei ist. Diese Leichtsinnigkeit könnte zu einem neuen Fiasko führen.»

Was bleibt noch zu tun? / Woran fehlt es noch?

Lothar Wagner: «Weiterhin braucht es eine hohe Schlagzahl und großes Durchhaltevermögen bis wir den ersten Tag ohne Neuinfektionen haben werden. Dann wiederum gilt es 42 Tage weiter hochkonzentriert zu beobachten bis wir dann Sierra Leone wirklich als Ebolafrei erklären können. Nichtsdestotrotz fordert Don Bosco Fambul die Öffnung der Schulen mit Sicherheitsmaßnahmen an den Eingängen. Hierzu muss ein pädagogisches Konzept erarbeitet werden. Die Lehrer des Landes müssen stärker in die Gesundheitsprävention eingebunden werden. Natürlich braucht es in jeder Schule Isolationsstationen mit entsprechendem Personal. Wir haben gegenüber der Regierung unsere Zusammenarbeit zugesagt. Zu viele Kinder landen derzeit auf die Straße. Da besteht Handlungsbedarf.»

Stimmt es, dass genug Behandlungsbetten verfügbar sind?
Lothar Wagner: «Wenn wir die Zahl der Erkrankten mit den nun zur Verfügung gestellten Betten vergleichen, stimmt das. Jedoch haben wir nun die Situation, dass wir derzeit in Freetown zu viele Betten haben und in ländlichen Gegenden nach wie vor Erkrankte auf Behandlung warten, da es dort kein Behandlungszentrum gibt und Transportmöglichkeiten nicht organisiert werden. Das betrifft besonders Dörfer die weit abgelegen sind, Dörfer, die nicht zugänglich sind. Das betrifft besonders die Distrikte Bombali, Tonkolili und Kono. Dort muss was geschehen. Ich warne zudem davor, die Grenzen wieder zu Liberia oder Guinea zu öffnen. Handelswege müssen kontrolliert und die Mobilität der Menschen eingeschränkt werden.»

Welche Neuigkeiten gibt es von Don Bosco Fambul seit dem letzten „Ebola-Update“ vom 20.12.2014?
Lothar Wagner: «Neben dem Krisenmanagement sind wir bereits bei der strategischen Planung für den Wiederaufbau. Dabei haben wir drei Pfeiler definiert:
1. Die Nachbetreuung der jungen Menschen in unserem Therapiezentrum
2. Den Aufbau eines Kinderschutzhauses um weiter direkt und unmittelbar betroffene Kinder zu unterstützen
3. Familienunterstützende Hilfen jeder Art.»

Update - 20.12.2014 - Kein Ende der Epidemie in Sicht

Die letzten fünf Wochen waren für das Team von Bruder Lothar besonders hektisch, denn der angestellte Hausarzt Dr. Capt. Komba Songu-M’Briwa hat sich mit dem Ebola-Virus infiziert. Mittlerweile ist Dr. Songu geheilt und erholt sicht mit seiner Familie in einer von Don Bosco bereitgestellten Wohnung von seiner Erkrankung. Er ist der erste von zwölf einheimischen Ärzten, die eine Ebola-Infektion überlebt haben. Dr. Songu war vor seiner Erkrankung Leiter der Hastings Klinik, dem mit 60 Betten grössten Behandlungszentrum für Ebola in Sierra Leone. Seit 2010 kümmert er sich ausserdem während bis zu fünf Stunden pro Woche mit Don Bosco Fambul um verletzte und kranke Strassenkinder.

Don Bosco Fambul hat in fünf Ebola-Behandlungszentren Sozialarbeiter stationiert, die dafür sorgen, dass geheilte Kinder zurück zu ihren Familien geführt werden können und psychologisch betreut werden.
Seit dem 1.12.2014 sind ausserdem 20 Don Bosco Sozialarbeiter nachts auf den Strassen Freetowns unterwegs und versuchen, Kinder und Jugendliche wieder in ihre Grossfamilie zurückzuführen. Derzeit leben besonders viele Kinder auf der Strasse, da die Schulen geschlossen sind und es in Quarantänezonen oft keine oder nur wenig Nahrung gibt.
Zusätzlich zum Don Bosco Interim Care Centre für 100 Kinder und Jugendliche, die in irgendeiner Weise durch die Ebola-Epidemie direkt betroffen sind, wurden nun in einem umgebauten Gästehaus weitere 20 Plätze für Verwandte dieser Kinder und Jugendlichen geschaffen. Damit soll die Zusammenführung der Familien pädagogisch besser vorbereitet werden.

Ein Ende der Ebola-Krise ist in Sierra Leone leider nicht in Sicht: Offiziell gibt es jede Woche rund 400 Neuinfektionen – und das bei nicht einmal 300 Behandlungsbetten im ganzen Land. Gemäss WHO (15.12.2014) erhalten nur 60% der Infizierten eine angemessene Behandlung. Die zahl der Toten in Sierra Leone ist auf 2051 gestiegen (WHO, 17.12.2014) – die Dunkelziffer ist enorm hoch. Auch die Zahl der Waisen ist rasant gestiegen. Waren es Ende Oktober noch 670, sind es mittlerweile 4000 mehr. Don Bosco Fambul steht unermüdlich im Einsatz, um diesen Kindern zu helfen. Lesen Sie weiter unten, welche Massnahmen dazu ergriffen wurden.

Publikation - 11.12.2014 - Artikel «Sierra Leone im Ebola-Fieber» in der Zeitschrift WeltWeit

In der Zeitschrift WeltWeit ist ein zweiseitiger Artikel über die Situation in Sierra Leone, Lothar Wagner und seine Anstrengungen gegen die Ebola-Epidemie erschienen: Sierra Leone im Ebola-Fieber.

Mehr Informationen zur Zeitschrift finden Sie entweder auf unserer Website oder unter www.weltweit.ch.

Update - 19.11.2014 - Essenslieferung nach Sierra Leone und Liberia

Wir freuen uns sehr, dass die Salesianer Don Boscos in Sierra Leone und Liberia von vielen verschiedenen Seiten Unterstützung im Kampf gegen die Folgen von Ebola erhalten. Da wegen der Epidemie viele Bauern gestorben und grosse Menschenansammlungen verboten sind, gibt es keine Lebensmittelmärkte mehr. Auch die Schulen wurden geschlossen, wo Kinder bisher immerhin eine warme Mahlzeit pro Tag erhalten hatten. Hunger macht sich breit. Die US-Amerikanische Hilfsorganisation Stop Hunger Now hat auf die prekäre Situation reagiert und an die Kinderhäuser der Salesianer Don Boscos in Sierra Leone und Liberia Lebensmittel geliefert. Auch Schutzkleidung, Handschuhe und Mundschütze konnten verteilt werden.

Update - 10.11.2014 - Zahl der Neuinfektionen erreicht neuen Höchststand

Nach Angaben der WTO wurden in Sierra Leone in der letzten Woche 464 neue Fälle registriert – das ist der bisher der höchste Zuwachs überhaupt. Die Hauptstadt Freetown und Umgebung bleibt der Hotspot. Hier sind sowohl die größten Zuwächse als auch die meisten kumulativen Ebola-Fälle zu verzeichnen: Von den per 10. November registrierten 4523 Ebola-Fällen landesweit sind 1416 in Freetown. Die Zahl der Toten ist auf 1142 gestiegen. Die Dunkelziffer ist enorm hoch.

Per Infrarot-Thermometer wird Fieber gemessenDas Gesundheitsministerium von Sierra Leone hat auch Zahlen zur Situation der Kinder veröffentlicht: 795 Kinder haben beide Elternteile aufgrund der Krankheit verloren. 89 Kinder wurden zu Halbwaisen. Insgesamt sind nun 3.483 junge Menschen direkt von der Epidemie betroffen. Sie sind entweder infiziert, unter Quarantäne, verstorben oder Waisen.

Don Bosco Fambul hat Überlebende des Virus angestellt. Diese können ohne neue Ansteckungsgefahr in Häusern, die unter Qurantäne gesetzt wurden und in denen Kinder auf sich alleine gestellt sind, arbeiten. Bruder Lothar kritisiert weiterhin, dass die internationale Hilfe unzureichend ist: „Die Hilfe der internationalen Gemeinschaft ist beschämend. Und das weiss hier jeder.“ Es braucht Labore, Ärzte, Behandlungszentren, Pflegepersonal und Psychologen. Doch mit dem Rückgang der Ebola-Berichterstattung in den Medien haben sich auch die Willenserklärungen der internationalen Gemeinschaft in Luft aufgelöst. Umso wichtiger ist es, Bruder Lothar und sein Team zu unterstützen. Wir brauchen Ihre Hilfe! Spenden Sie jetzt unter dem Vermerk AFW 14-114. Vielen herzlichen Dank!

Ebola-Epidemie: Hintergründe und Übersicht über die Hilfsmassnahmen (Stand 7.11.2014)

Fokus Ebola_Titelbild In Sierra Leone wurden im Mai 2014 erste Fälle von Ebola-Infektionen gemeldet. Seither hat sich die Krankheit rasant ausgebreitet. Die Zahl der Infizierten lag Ende Oktober bei insgesamt 5300. 1500 Menschen sind bisher an dem Virus gestorben – die Dunkelziffer dürfte weitaus höher sein. Die sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Epidemie sind verheerend: Erkrankte werden von Freunden und Familienmitgliedern verstossen, Spitäler sind entweder überlastet oder menschenleer, weil das Pflegepersonal aus Angst vor einer Ansteckung geflohen ist. Der Arbeitsalltag ist schon lange zum Erliegen gekommen. Die Salesianer Don Boscos, die schon seit 1998 in der Hauptstadt Freetown tätig sind, lassen sich durch den unsichtbaren Feind jedoch nicht vertreiben. Sie bleiben – und sind da für die Schwächsten der Gesellschaft: Kinder.

Die Hilfsmassnahmen von Don Bosco Fambul:
Bruder Lothar Wagner leitet seit einigen Jahren das Don Bosco Fambul, ein Zentrum für Strassen- und Waisenkinder und ehemalige Kindersoldaten in Freetown, Sierra Leone. Seine unermüdliche, herzliche und geduldige Arbeitsweise hat ihn bekannt gemacht: Die Kinder vertrauen ihm und nutzen die Angebote von Don Bosco Fambul. Dieser Umstand ist nun – in einer Zeit, die von Furcht und Misstrauen geprägt ist – Gold wert.

Seit dem Ausbruch der Ebola-Epidemie bitten unzählige Kinder Don Bosco Fambul zusätzlich um Hilfe. Sei es, weil sie ihre Eltern durch Ebola verloren haben, oder weil sie als Überlebende der Krankheit von ihren Familien verstossen worden sind und nicht wissen, wohin sie gehen sollen. Bruder Lothar nimmt sie auf. Um der grossen Nachfrage gerecht zu werden, hat er ein weiteres Kinderheim und drei Isolierstationen eingerichtet. Jedes Kind wird regelmässig mit einem kontaktlosen Infrarot-Thermometer auf Fieber und andere Ebola-Symptome überprüft und kann so bei Bedarf rasch unter Quarantäne gestellt werden.

2014_09_19_titelbild EbolaDie kostenlose Telefonhotline „Don Bosco Child Line 116“ hat seit dem Ausbruch von Ebola eine Vervielfachung der Anrufe verzeichnet. Zusätzliche Leitungen wurden freigeschaltet und neue Ansprechpersonen geschult und eingestellt. Während die Anrufe am Anfang der Epidemie hauptsächlich zur Klärung von Fragen zu Ebola (Symptome, Vorsichtsmassnahmen) beitrugen, rufen heute mehrheitlich Kinder an, die unmittelbar von der Krankheit betroffen sind und Hilfe brauchen. Die Hotline registriert sämtliche Fälle und leitet umgehend Massnahmen ein.

Durch die Child Line 116 haben mehrere Kinder Don Bosco Fambul darauf aufmerksam gemacht, dass die Lebensmittelversorgung nicht mehr funktioniert. Die Märkte sind leer und die Preise viel zu hoch. Seither hilft das Team von Bruder Lothar den Menschen in Armenvierteln mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln.

Waschgelegenheit im SlumUm die Hygiene zu fördern werden die Menschen kontinuierlich sensibilisiert. Ehemalige Straßenkinder, die bei Don Bosco Fambul zu Schlossern ausgebildet worden waren, haben zudem mehr als 20 mobile Waschbecken gebaut. Diese wurden an belebten Orten, die sonst keinen Wasseranschluss haben (Z.Bsp. in Slums und im Zentralgefängnis), aufgebaut. Bei jedem Becken hat es Seife und zwei ausgebildete Hygienetrainer, die Wache stehen und die Menschen über „richtiges Händewaschen“ und Ebola aufklären. Fahrer von Don Bosco Fambul füllen die Tanks täglich mit frischem Wasser auf.

Von immenser Wichtigkeit ist auch die Seelsorge. Kinder, die ihre Eltern und Freunde wegen Ebola verloren haben, sind traumatisiert und brauchen dringend jemanden, der ihnen zuhört. Bruder Lothar tut dies und sagt: «Auch heute sind wir für junge benachteiligte Menschen da. Jederzeit. […] Wir weinen mit, wenn Kinder ihre Eltern verloren haben. Wir teilen das Leid und das Essen, wenn Kinder in der Quarantäne alleine sind und hungern. Wir schauen hin und kehren den Kindern nicht den Rücken zu. […] Nur da sein und nicht weglaufen, ist mehr denn je gefragt.»

Leider öffnet die Ebola-Tragödie dem Kinderhandel Tür und Tor. So wurden am 22. August Mitarbeiter der Don Bosco Child Line 116 informiert, dass eine 16-Jährige dazu gezwungen worden war, ihr 2-jähriges, geheiltes Kind an Kinderhändler zu übergeben. Sofort wurden Sozialarbeiter, das Sozialministerium und die Polizei eingeschaltet. Das Kind war bereits auf dem Weg zum Flughafen mit Ziel Amerika. Die Kinderhändler wurden festgenommen. Das Kind befindet sich derzeit im Laura Vicuna Mädchenhaus von Don Bosco Fambul. Auch gegen die Mutter wird ermittelt.

Hintergrund:
Die Verbreitung des Virus wurde anfänglich durch die Tradition und Kultur der Bevölkerung gefördert: In Sierra Leone gehen die Menschen sehr herzlich und offen miteinander um. Sie umarmen sich zur Begrüssung und pflegen im Krankheitsfall ihre Familienmitglieder zu Hause. Tote werden vor der Bestattung gewaschen, umarmt und auf die Stirn geküsst. Da Ebola durch den Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen wird, führen diese Gewohnheiten zur Ansteckung von Familienmitgliedern und Freunden. Mittlerweile hat sich das geändert: Physischer Kontakt wird von den meisten vermieden, Menschenansammlungen sind verboten, und an vielen öffentlichen Gebäuden und Plätzen gibt es Installationen zum Händewaschen. Sehr langsam nimmt auch die Angst der Bevölkerung vor dem Pflegepersonal und den Helfern ab, die in ihren Ganzkörper-Schutzanzügen mit Gummihandschuhen, Mundschutz und Skibrille doch sehr fremd und furchteinflössend wirken können. Das Misstrauen gegenüber der westlichen Medizin bereitet jedoch immer noch Schwierigkeiten: Patienten werden zu Hause versteckt oder fliehen, wenn sie in ein Spital eingeliefert werden. Dass sie dadurch zur Verbreitung der Krankheit beitragen, ist ihnen oft nicht bewusst.

Aktuelles:
Anfang November verbreitete sich die Neuigkeit, dass sich die Zahl der Neuansteckungen stabilisiert hat. Dies bedeutet leider nicht, dass sich Ebola nicht mehr ausbreitet, sonder nur, dass zur Zeit kein exponentielles Wachstum mehr verzeichnet wird. Es bleibt zu hoffen, dass dies der erste Schritt zur Beseitigung der Epidemie ist.

Unterstützen Sie Bruder Lothar und sein Team im Kampf gegen Ebola. Spenden mit dem Vermerk AFW 14-114 gehen direkt nach Freetown, Sierra Leone. Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!

Publikation - 18.10.2014 - Berichterstattung «ZDF heute» 19:00 Uhr

Der Sender ZDF berichtete in seiner Nachrichtensendung „heute“ über Bruder Lothar und seinen Kampf gegen Ebola. Unter diesem Link können Sie den kurzen Bericht ansehen.

 

Rehabilitationszentrum für unterernährte Kinder (Projekt BOL 11-052)

Bolivien – San Carlos

BOL 11-052_Junge beim EssenBolivien ist zweigeteilt – im Osten gibt es das durch Rohstoffe besser gestellte Tiefland, im Westen das verarmte Hochland. An der Grenze dieser beiden Welten, am Fusse der Anden, liegt San Carlos. Die kleine Stadt ist umgeben von 53 Gemeinden. Diese sind meist nur schwer zu erreichen, da die Strassen schlecht sind und der Höhenunterschied zwischen Berg und Tal gewaltig ist. Der Grossteil der Bevölkerung hier hat keinen Zugang zum ohnehin kaum ausgebauten Gesundheitssystem. Aufgrund dessen werden Infektionskrankheiten wie Typhus oder Durchfall zu einer tödlichen Gefahr. Besonders schwer trifft dies die massiv unterernährten Kleinkinder. Aufgrund der Armut und der fehlenden Grundversorgung leiden viele Kinder an Unterernährung und den damit verbundenen Folgeerkrankungen. Diese werden durch das Fehlen von Medizin und durch die mangelnden Kenntnisse in der Pflege von Säuglingen und Kleinkindern verstärkt. Viele der Mütter sind in dieser Situation hilflos und überfordert.

Mehr zu diesem Projekt

Im Jahr 1989 wurde angrenzend an das bestehende Don-Bosco-Kinderspital «Ichilo» in San Carlos das Rehabilitationszentrum «Padre Luís» aufgebaut. Schwester Águeda Ordoñez leitet diese Einrichtung in enger Zusammenarbeit mit den Salesianern Don Boscos. Dank dieses Zentrums konnte die Kindersterblichkeit in San Carlos und Umgebung um etwa die Hälfte reduziert werden. Bis jetzt wurden über 3200 Kinder betreut. 70% von ihnen wurden mit markanter Unterernährung eingeliefert und 80% waren unter zwei Jahre alt.

Nebst der Pflege der kleinen Patienten werden auch Schulungen und Präventivmassnahmen für Eltern und Gemeinden angeboten. Wenn die Unterernährung nicht in einem frühen Stadium nachhaltig bekämpft wird, kann das frühkindliche Wachstum schwer beeinträchtigt werden und zu Folgeschäden führen. Die geistigen und körperlichen Fähigkeiten unterernährter Kinder bleiben deutlich hinter jenen von gesunden Kindern zurück. Sie sind die Armen der Zukunft. Ein Teufelskreis, der durch das Angebot des Zentrums frühzeitig durchbrochen wird. Für die Betreuung der kranken Kinder im Spital braucht es Personal. Auch wenn die Lohnkosten für schweizerische Verhältnisse äusserst bescheiden sind, stellen sie für das Rehabilitationszentrum doch eine grosse Herausforderung dar. Die Mehrheit der Angestellten sind Frauen aus San Carlos. Sie werden fachgerecht ausgebildet und tragen mit ihrem Einkommen zum Unterhalt der Familie bei.

Die Pflegekosten pro Kind und Tag betragen rund sieben Franken. Die Gesamtkosten des Spitals belaufen sich monatlich auf 12 000 CHF. Im Jahr 2014 wurden 114 Kleinkinder gesund gepflegt, die alle ca. zwei bis fünf Monate im Rehabilitationszentrum verbrachten!

Sie können hier für dieses Projekt spenden. Vermerken Sie dazu bitte die Projektnummer BOL 11-052. Herzlichen Dank für Ihre Grosszügigkeit!

 

Ernährungsprogramm (Projekt ANT 06-044)

Dominikanische Republik – Concepción de la Vega

Das Zentrum «Amigos y Amigas de Domingo Savio» betreut rund 560 Mädchen und Buben im Alter von acht bis zwölf Jahren. Es werden schulische Programme und Freizeitaktivitäten angeboten. Da die Kinder oft mit Hunger ins Zentrum kamen, wurde im Jahr 2006 das Ernährungsprogramm initiiert. Die Verpflegung der Kinder ist nur dank Spenden möglich.

Mehr zu diesem Projekt

In der dominikanischen Provinzhauptstadt Concepción de la Vega führen die Salesianer Don Boscos seit dem November 2003 das Projekt und Zentrum «Amigos y Amigas de Domingo Savio». Mittlerweile erhalten im Zentrum 560 Kinder (116 Mädchen und 404 Buben) im Alter von acht bis zwölf Jahren pädagogische, soziale und persönliche Förderung sowie menschliche Zuwendung. Es sind Kinder, die zu Hause in ihren Familien und in ihrem Umfeld mit schwierigen Situationen konfrontiert sind. Alkoholkonsum, häusliche Gewalt, Drogen, Delinquenz, Diebstahl usw. sind in ihrem täglichen Leben allgegenwärtig. Die Kinder sind den familiären Krisen ausgesetzt, werden misshandelt, geraten in der Schule unter Druck und erhalten keine Zuwendung und soziale Betreuung. Viele der Kinder brechen vorzeitig die Schule ab. Die Stadtviertel, die durch das Zentrum abgedeckt werden, sind bekannt für ihre hohen Kriminalitätsraten. Im Zentrum erhalten die Kinder pädagogische, soziale und persönliche Förderung und menschliche Zuwendung. Sie lernen, mit ihren schwierigen Situationen umzugehen und schaffen sich neue Perspektiven und Hoffnung für die Zukunft. Unterstützung erhält das Zentrum von 25 Volontären, die sich der Ausbildung der jungen Menschen widmen und das Programm aufrechterhalten.

Die Kinder und Jugendlichen kommen von Dienstag bis Freitag in zwei Gruppen ins Zentrum. Die erste Gruppe ist von 8:30 Uhr – 12:00 Uhr und die zweite Gruppe von 2:30 Uhr bis 5:00 Uhr im Zentrum. Während dieser Zeit nehmen die Buben sowie Mädchen aktiv am Lern- und Spielangebot des Zentrums teil. Die Aufteilung in zwei Gruppen ermöglicht eine optimale Nutzung der Schulräumlichkeiten.

Samstags ist das Zentrum von 14.30 – 17.00 Uhr für diverse Freizeitaktivitäten geöffnet und es wird ein Imbiss angeboten. Alleine am Samstag kommen rund 400 Kinder.

Mit der Verpflegung der Kinder haben die Salesianer Don Boscos im Jahr 2006 begonnen. Grund dafür war, dass die Kinder oft mit Hunger ins Zentrum kamen. Aus lauter Hunger konnten sie sich nicht konzentrieren, was für die schulischen Programme und für das Verhalten der Kinder wenig förderlich war. So entschlossen sich die Verantwortlichen, jedem Kind täglich eine Mahlzeit abzugeben.
Die Verpflegung besteht unter anderem aus:

  • Milch mit Schokolade
  • Fruchtsaft
  • Mangú (das sind Kochbananen mit Butter und Zwiebeln) mit Käse und/oder Salami
  • Teigwaren
  • Kartoffelstock und Käse
  • Brot, Backwaren

Doch fehlen dem Zentrum die notwendigen Mittel zur Bereitstellung der Lebensmittel. Deswegen baten die Salesianer Don Boscos die JuWe um einen Unterstützungsbeitrag für das Ernährungsprogramm. Dieses wird von der JuWe seit anfangs 2007 jährlich mit rund 35’000 Euro unterstützt. Ohne die Hilfe von NGOs wie der Jugendhilfe Weltweit wäre das Ernährungsprogramm nicht möglich. Auch im Schuljahr 2015/16 unterstützt die JuWe das Ernährungspgrogramm in La Vega und hofft auf weitere Spenden um die Finanzierung zu gewährleisten.

Sie können hier für dieses Projekt spenden. Vermerken Sie dazu bitte die Projektnummer ANT 06-044. Herzlichen Dank für Ihre Grosszügigkeit!