Trainingsprogramme gegen die Unterdrückung von Frauen

INDIEN: Karnataka und Kerala - INK 15-053-20

Frauen und Mädchen werden in der indischen Gesellschaft noch heute stark benachteiligt. Immer wieder werden sie Opfer sexueller Gewalt. Die von der südindischen Salesianerprovinz Bangalore im Jahr 1994 gegründete Organisation «BREADS» (Bangalore Rural Educational And Development Society) engagiert sich bereits seit mehreren Jahren für Frauen und Mädchen in den Bundesstaaten Karnataka und Kerala. Um die Frauen und Mädchen nachhaltig zu stärken, wollen sie nun in vier ausgewählten Distrikten Programme zur Ermächtigung von Frauen durchführen. Hierbei sollen verschiedene Akteure zusammengebracht werden, um die Kapazitäten von Frauen zu stärken und das Problem zu einer nationalen Angelegenheit zu machen.

Land/Ort: INDIEN – Karnataka und Kerala
Projektnummer: INK 15-053-20
Projektziel: Das Projekt soll einen Beitrag zur Geschlechtergleichheit in der indischen Gesellschaft leisten. Ziele sind die Reduzierung von Gewaltakten an Frauen, die Stärkung von Frauen sowie die Sensibilisierung der Bevölkerung in den Bundesstaaten Karnataka und Kerala.
Mittelbedarf: 65 000 CHF pro Jahr
Kurzbeschrieb als PDF

Hintergründe

Frauen und Mädchen werden in der indischen Gesellschaft noch heute stark benachteiligt. Immer wieder werden sie Opfer sexueller Gewalt. Laut einer aktuellen Studie wird in Indien alle 34 Minuten eine Frau vergewaltigt und alle 43 Minuten eine Frau entführt. 70 % aller Frauen in Indien sind Opfer häuslicher Gewalt. Gerade auch minderjährige Mädchen werden häufig zu Opfern. Von zehn Vergewaltigungen werden sechs an Minderjährigen begangen, und Kinderheirat ist weit verbreitet.

Bei der Ursachenforschung werden vor allem gesellschaftliche und soziale Gründe genannt. In fast allen gesellschaftlichen Bereichen in Indien bestimmen Männer den Gang der Dinge.
Die meisten Verbrechen werden nicht angezeigt, weil viele Frauen Angst haben oder die Beweislage als unzureichend erachtet wird. Jahrelang hat das Land weggeschaut. Trotz anhaltender Schreckensnachrichten aus Indien hat sich aber in den vergangen Jahren viel getan. Frauen sind aufgestanden und haben offen ihre Menschenrechte eingefordert. Es finden Proteste und Kundgebungen von Vertretern unterschiedlicher gesellschaftlicher Schichten statt. Indien hat jedoch noch einen langen Weg vor sich und Frauen und Mädchen brauchen mehr Unterstützung in ihrem Kampf gegen Geschlechterdiskriminierung und Ungerechtigkeit.

Situation in Karnataka und Kerala

Im südindischen Bundesstaat Karnataka gab es in den letzten Jahren eine Vielzahl an Gewaltakten an Frauen und Mädchen. Im Jahr 2016 wurden 1671 Vergewaltigungen registriert und insgesamt 11 808 Fälle von Gewalt an Frauen und Mädchen bekannt. Die Dunkelziffer ist vermutlich sehr viel höher. 45 % der Frauen werden vor dem legalen Heiratsalter verheiratet. Die meisten Mädchen brechen die Schule vor Abschluss der 10. Klasse ab – in Mädchen wird nicht investiert aufgrund ihrer vordefinierten Rolle als Mutter und Hausfrau. Es gibt deutlich mehr Männer und Buben als Frauen und Mädchen. Grund hierfür sind geschlechterabhängige Abtreibungen und die Vernachlässigung von weiblichen Säuglingen.

Im südlich von Karnataka gelegenen Bundesstaat Kerala scheint die Situation auf den ersten Blick besser zu sein als in Karnataka: Es gibt mehr Frauen als Männer, was auf weniger geschlechterabhängige Abtreibungen hindeutet. Auch die Analphabetenrate ist die tiefste in ganz Indien. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass Geschlechtergleichheit auch in Kerala noch nicht erreicht ist: Es gibt diskriminierendes Erbrecht, der Zwang zur Bezahlung einer Mitgift bei der Heirat, und steigende Gewalt gegen Frauen. Vor allem in Fischerdörfern an der Küste ist Geschlechtergleichheit ein Fremdwort. In Kerala wurden innerhalb von nur fünf Monaten 861 Vergewaltigungsfälle gemeldet. Davon waren 303 Opfer minderjährig. Die Distrikte Trivandrum und Kollam sind traurige Spitzenreiter von Vergewaltigungsfällen in Kerala, weshalb sie als Einsatzorte für dieses Projekt ausgewählt wurden.

Unsere Arbeit

Die von der südindischen Salesianerprovinz Bangalore im Jahr 1994 gegründete Organisation «BREADS» (Bangalore Rural Educational And Development Society) engagiert sich bereits seit mehreren Jahren für Frauen und Mädchen in den Bundesstaat Karnataka und Kerala. Um die Frauen und Mädchen nachhaltig zu stärken, wollen sie in vier ausgewählten Distrikten Programme zur Ermächtigung von Frauen durchführen. Hierbei sollen verschiedene Akteure zusammengebracht werden, um die Kapazitäten von Frauen zu stärken und das Problem zu einer nationalen Angelegenheit zu machen.

Frauen sollen sich ihrer Rechte bewusst werden. Sie sollen eine proaktive Rolle in der Prävention sexueller und geschlechterbasierter Gewalt einnehmen und besser über Möglichkeiten der Berichterstattung und Anlaufstellen informiert sein. Dadurch soll das Selbstbild der Frau verbessert werden und ihre Bereitschaft, Rechte zu schützen und einzufordern gestärkt werden – beispielsweise durch die Meldung von Missbrauchsfällen. Frauen sollen sich für den Erfahrungs- und Informationsaustausch engagieren und Netzwerke gründen.

Das Programm wird in den Distrikten Bellary, Chitradurga, Trivandrum und Kollam durchgeführt und umfasst folgende Massnahmen:

  • In zweitägigen Schulungen und Workshops werden pro Jahr 1000 Frauen und lokale Führungskräfte zu Leiter/innen für die Einführung von Präventivmassnahmen ausgebildet. Dafür lernen sie, betroffenen Frauen rechtliche Beratung und moralische Unterstützung zu geben. Ausserdem sollen sie sich der Prävention geschlechterbasierter Gewalttaten widmen, indem sie gemeinschaftliche Aktionen organisieren und durchführen.
  • Der Kampf gegen Geschlechterdiskriminierung kann nicht ohne die Beteiligung von wichtigen Gesellschaftsvertretern und lokalen Behörden durchgeführt werden. Dazu werden pro Jahr 200 von ihnen mittels Workshops auf die Probleme geschlechterbasierter Gewalt sensibilisiert. Ziel ist es, dass die verschiedenen Akteure eine proaktive Rolle in der Prävention von Gewaltakten gegen und im Schutz von Frauen übernehmen. Zudem sollen die Workshops eine Grundlage für die Etablierung von Rechtsbeiständen und Sorgentelefonen in jedem Distrikt schaffen.
  • Kinder und Jugendliche können eine wichtige Führungsrolle in der Bewusstseinsschaffung über Gewalt an Frauen und Geschlechterdiskriminierung einnehmen. Um das zu ermöglichen, werden in jedem Distrikt jährlich 150 Jugendliche zu Volontären ausgebildet. Sie lernen in zweitägigen Schulungen, wie sie selbst Mobilisierungskampagnen planen und durchführen können. Zusätzlich wird in den Workshops die Problematik kulturell bedingter Unterdrückung von Frauen sowie die Bedeutung der Menschenrechte erläutert.
  • Es werden Print- und audiovisuelle Materialien, wie Handbücher, Poster, Broschüren und Dokumentarfilme produziert. Mittels einer breiten Streuung dieser Materialien wird versucht, die gesamte Bevölkerung zu erreichen. Es werden Bildungsausstellungen auf öffentlichen Plätzen organisiert und das Material wird in Bildungseinrichtungen ausgelegt und auf Veranstaltungen verteilt.
  • In jedem der vier Distrikte wird im Projektzeitraum eine Kampagne mit dem Ziel der breiten Sensibilisierung zur Prävention geschlechterbasierter Gewalt und zum Schutz von Frauen durchgeführt. Die Kampagnen werden durch Kundgebungen und öffentliche Veranstaltungen gemeinsam mit der Polizei, Ministerien, der Zivilgesellschaft und NGO-Netzwerken organisiert und durchgeführt.



Helfen auch Sie mit, dass indische Mädchen und Frauen gestärkt werden. Spenden Sie mit dem Vermerk INK 15-053-20 und geben Sie diesen Kindern und Jugendlichen eine Perspektive! Herzlichen Dank für Ihre Grosszügigkeit!

Haben Sie Fragen? Kontaktieren Sie unsere Projektleiterin Monika Jenni.