Nachhilfeunterricht statt Schulabbruch

INDIEN: Cuddalore - INM 17-001


In der Region Cuddalore brechen viele Kinder aus armen Verhältnissen die Schule vorzeitig ab. Mit Abendschulen in 15 Dörfern wollen die Salesianer Don Boscos dies verhindern. Sie helfen den Kindern nach der Schule bei den Hausaufgaben oder der Prüfungsvorbereitung. Kinder, die die Schule bereits abgebrochen haben, werden auf den Wiedereintritt vorbereitet. Zusätzlich werden Kinderparlamente und Ökoklubs organisiert, in welchen die Kinder über gesellschaftpolitische Themen wie Bildung, Kinderarbeit und Ökologie diskutieren und Aktionen planen.

Land/Ort: INDIEN– Cuddalore
Projektnummer: INM 17-001
Projektziel: In Abendschulen können Kinder aus armen Verhältnissen den Schulstoff repetieren und Prüfungen vorbereiten.
Projektwirkung: Die verbesserte schulische Leistung motiviert die Kinder und reduziert die Schulabbruchrate.
Mittelbedarf: 35 000 CHF pro Jahr

 


 

Hintergründe

In der Region Cuddalore des südindischen Bundesstaates Tamil Nadu brechen überdurchschnittlich viele Kinder aus armen Verhältnissen die Schule ab. Die meisten davon gehören zu den sogenannten Dalit, was übersetzt «zerdrückt; vertrieben; sozial benachteiligt» bedeutet und eine Bezeichnung für die vielen Minderheiten ist, die die unterste Position des hinduistischen Kastensystems belegen. Obwohl das Kastensystem offiziell verboten ist und Dalits über diverse Regierungsprogramme gefördert werden, ist die Kaste immer noch von grosser Bedeutung. Die Ächtung durch höhere Kasten prägt den Alltag der Dalits; dadurch sind ihnen gewisse Berufe schier unzugänglich.

Beim Besuch von staatlichen Institutionen werden die Dalits immer wieder mit dem Stigma der tiefen Kastenzugehörigkeit konfrontiert – ohne dass sie etwas dafür oder dagegen machen könnten. Diese unsichtbare Hürde zeigt sich beispielsweise beim Schulbesuch; und darauf ist die hohe Schulabbruchquote zurückzuführen. 99 Prozent aller Dalit-Kinder besuchen eine staatliche Schule, wo sie häufig von Lehrern und Mitschülern diskriminiert werden. Es gibt Angehörige höherer Kasten, die Bildung für Dalits als Verschwendung und Bedrohung ansehen. So werden sie ausgeschlossen, emotional oder gar körperlich missbraucht und dadurch entmutigt, die Schule zu besuchen.

Verhängnisvoll sind auch die Arbeitgeber der oft in der Landwirtschaft tätigen Eltern: diese fordern die Eltern auf, ihre Kinder für eine gewisse Zeit aus der Schule zu nehmen und aufs Feld zu bringen, wo sie «gutes Geld» verdienen können. Viele Dalit-Eltern haben nie oder nur wenig Schulunterricht besucht und konnten dementsprechend nicht erleben, wie sich schulischer Erfolg in wirtschaftlichen Erfolg übersetzt. Deswegen ist das Verständnis für die Wichtigkeit von Schulbildung bei den Eltern schwach ausgeprägt. Wenn die Kinder nach dem Arbeitseinsatz in die Schule zurückkehren, ist es selbstverständlich nicht möglich, mit den anderen Kindern mitzuhalten. So drohen die Kinder ohne Schulabschluss zu enden. Dann hätten sie jedoch keine Chance, eine gut bezahlte Arbeitsstelle zu finden und ihr Leben aus eigener Kraft zu verbessern.

Unsere Arbeit

Um diesem Missstand entgegenzuwirken haben die Salesianer Don Boscos den Entschluss gefasst, mit Abendschulen und Aufklärungskampagnen gegen die hohe Schulabbruchrate anzukämpfen. Dadurch soll den Kindern aus benachteiligten Familien die Chance auf eine gute Ausbildung und eine gute Arbeitsstelle zurückgegeben werden.

In 15 Dörfern betreiben die Salesianer Don Boscos informelle Abendschulen, um 850 Kindern nach der Schule ein zusätzliches Bildungsangebot zur Verfügung zu stellen. Mit dieser Betreuung sollen die schulischen Leistungen der Kinder verbessert werden. Die Kinder können ungestört Hausaufgaben machen, für Prüfungen lernen oder kompetente und persönliche Nachhilfe erhalten. Zudem sollen die Abendschulen eine Signalwirkung im Dorf bewirken: den Kindern und den Eltern wird gezeigt, dass Bildung und schulischer Erfolg wertgeschätzt werden. Der schulische Erfolg, der dadurch gefördert wird, motiviert die Kinder für die Schule und stärkt ihr Selbstbewusstsein.

Die Abendschulen stehen allen Dalit-Kindern aus armen Verhältnissen zur Verfügung, von der Primarschule bis zur Oberstufe. Ein besonderes Augenmerk wird auf Kinder gelegt, welche erst kürzlich die Schule abgebrochen haben. Mit diesen wird zusammen mit den Eltern das Gespräch gesucht und die Wichtigkeit von Schulbildung aufgezeigt. Dadurch sollen sie ermutigt werden, die Schule wieder aufzunehmen.

Im Sinne einer ganzheitlichen Bildung Don Boscos wird nicht nur schulisches Wissen vermittelt, sondern auch moralische und gesellschaftliche Werte. Deshalb umfasst dieses Angebot nicht nur die Kinder, sondern auch deren Eltern. Die Eltern werden einmal wöchentlich in den Abendschulen für diverse Anliegen – wie zum Beispiel den Wert der Schule – sensibilisiert und so nach und nach gestärkt. Für die Kinder werden an den Wochenenden und in den Ferien diverse Programme organisiert. So gibt es ein Kinderparlament, in dem über Themen wie Menschenhandel, häusliche Gewalt, Kinderarbeit oder ökologische Aspekte gesprochen wird. In diesem Rahmen können die Kinder über ihre Gefühle, Probleme und Gedanken sprechen und sich des Potenzials einer parlamentarischen Demokratie bewusst werden.

Zusätzlich werden Ökoklubs organisiert um gemeinschaftlich die Umgebung von Abfall zu säubern, biologischen Dünger aus Abfall herzustellen oder Bäume zu pflanzen. Durch diese Aktivitäten lernen sie, was es bedeutet, ein verantwortungsbewusster Bürger zu sein und dass es wichtig ist, sich in der Gemeinde einzubringen. Langfristig sollen sie so zu Botschaftern für Kinderrechte und Ökologie werden und dadurch die ganze Gemeinde beeinflussen.


Helfen auch Sie mit, dass Dalit-Kinder erfolgreich in der Schule sein können. Spenden Sie mit dem Vermerk INM-17-001 und geben Sie diesen Kindern und Jugendlichen eine Perspektive! Herzlichen Dank für Ihre Grosszügigkeit!

Haben Sie Fragen? Kontaktieren Sie unsere Projektleiterin Désirée Schöpfer.