Schule in der Favela Jacarezinho

BRASILIEN: Rio de Janeiro - BBH 07-037-18

Die Salesianer Don Boscos führen die einzige Schule in der Favela Jacarezinho – einem der grössten Armenviertel Rio de Janeiros. Um die Kinder und Jugendlichen besser betreuen zu können, startete die Don Bosco Jugendhilfe Weltweit 2007 das ambitiöse Projekt, einen Erweiterungsbau für die Schule zu errichten. Die Schule konnte 2012 eröffnet werden. In der Don-Bosco-Schule in Jacarezinho werden täglich über 500 Kinder und Jugendliche im Kindergarten und Schulunterricht betreut. Im Sozialwerk Santa Rita de Cássia neben der Schule gibt es viele Betreuungs- und Beschäftigungsprogramme, um die Kinder so gut es geht von der Strasse fern zu halten. In einer der ärmsten Favelas Rio de Janeiros erfordert dies viel Innovationsgeist und Einsatz.

Land/Ort: BRASILIEN – Rio de JaneiroBBH 07-037_Lehrerin und Schüler
Projektnummer: BBH 07-037-18
Projektziel: Weiterführung der Don-Bosco-Schule und des Betreuungsangebotes
Projektwirkung: Die präventive Arbeit der Don-Bosco-Schule und des Sozialwerks hilft, die Kinder und Jugendlichen von der Strasse und der Kriminalität fernzuhalten und ihnen moralische und soziale Werte zu vermitteln. Die Kinder und Jugendlichen können sich intellektuell und mental entfalten und eröffnen sich dadurch bessere Perspektiven für ihr späteres Leben.
Mittelbedarf: ungefähr 705 100 Schweizer Franken pro Jahr

Hintergründe

Jacarezinho (zu Deutsch: kleines Krokodil) gehört zu den grössten Elendsvierteln von Rio de Janeiro. In der Favela leben schätzungsweise 100 000 Menschen auf einer Fläche von knapp einem Quadratkilometer. Die meisten von ihnen haben keine regelmässige Arbeit und leben am oder unter dem Existenzminimum. Die Grundversorgung – Trinkwasser, Abwasser, Strom, Gesundheitsdienste usw. – ist in einem schlechten Zustand. Armut ist allgegenwärtig. Die Don-Bosco-Schule im Sozialwerk Santa Rita de Cássia ist die einzige Schule in der ganzen Favela.

Die Schule des Sozialwerks Santa Rita de Cássia wurde vor über 40 Jahren von den Salesianern Don Boscos ins Leben gerufen. Seither haben 20 000 Kinder und Jugendliche diese Schule besucht. Täglich kommen über 500 Kinder und Jugendliche in die drei Kinderkrippen oder zum Schulunterricht von der 1. bis zur 9. Klasse. Die Schule war früher in viel zu kleinen und oft auch fensterlosen Räumen des Sozialzentrums untergebracht. Wegen dem herrschenden Platzmangel wurden die Kinder in zwei Schichten unterrichtet, vormittags und nachmittags.

BBH 07-037_Die Schule JacareszinhoAm 27. August 2012 konnte ein neues Schulhaus eingeweiht werden. Ermöglicht wurde der Bau durch grosszügige Spenden aus dem In- und Ausland. Der Bau war mit vielen Schwierigkeiten verbunden, denn es war nicht einfach, das Material durch die engen Gassen der Favela zu transportieren. Zudem war die Suche nach einem Bauunternehmer, der in dieser gefährlichen Gegend eine Baustelle leitet, sehr schwierig. Doch schlussendlich konnte die neue Schule mit 12 lichterfüllten Klassenzimmern unter Anteilnahme der Bevölkerung Jacarazinhos doch noch eröffnet werden. Auf dem Dach der Schule wurde ein Spielplatz mit Überdachung eingerichtet. Dies ist der einzige Platz in der Favela, wo die Kinder nach Herzenslust Fussball spielen und sich austoben können. Für Jacarezinho ist die Fertigstellung des Schulgebäudes ein Meilenstein, denn es ist ein Symbol dafür, dass es einen Ausweg gibt aus diesem Kreislauf von Armut, Gewalt und Kriminalität. Die Schule steht auch dafür, dass es Menschen gibt, die sich nicht durch schwierige Umstände davon abhalten lassen, anderen zu helfen.


Unsere Arbeit

Das Sozialwerk Santa Rita de Cássia und die Schule

Die Pfarrei Santa Rita de Cássia bildet in Jacarezinho eine zentrale Plattform der Sozialarbeit mit integrierter Schule. Damit die Kinder und Jugendlichen in ihrer Freizeit nicht auf den Strassen herumstreunen und Gefahren ausgesetzt sind (Rekrutierung durch Jugendbanden oder die Drogenmafia, Abgleiten in ein Leben als Strassenkind), hat das Freizeitangebot einen wichtigen Stellenwert: Sportangebote, Besuche in Museen, Kino, Freizeitspiele, Tanz, Theater, Vorträge, Diskussionsforen, Jugendtreffen uvm. geben den Kindern eine sinnvolle Beschäftigung.

Mit dem Bau der Schule haben die Kinder und Jugendlichen zudem Raum für Bildung erhalten. Doch die Schule bietet nicht nur Bildung, sondern auch Perspektive – einen Ort der Zuflucht in einem gewaltgeprägtem Umfeld.

Die Salesianer setzen mit ihrem präventiven Programm bewusst in den Favelas an, denn die Strassenkinder stammen von hier. Der Salesianerbruder Raimundo Mesquita sagt: «Ich will die Kinder nicht endgültig aus ihrem Milieu holen, sondern mit ihnen zusammen das Milieu ändern.» In der Schule geht es deshalb nicht nur ums Rechtschreiben und Einmaleins, sondern um eine ganzheitliche und integrale Erziehung. Die jungen Menschen sollen den Teufelskreis von Armut und Kriminalität durchbrechen und fähig werden, Recht von Unrecht zu unterscheiden und sich für das Wohl der Gemeinschaft einzusetzen. Sie sollen verstehen, dass Drogen und Gewalt keine Lösung ihrer Probleme darstellen und die Armut durch Bildung zu überwinden ist.

Bereits ab dem 4. Lebensjahr werden die Kinder von Jacarezinho im Sozial- und Bildungszentrum Santa Rita de Cássia aufgenommen. Das Vertrauen in die salesianische Einrichtung seitens der Familien und Bewohner Jacarezinhos ist sehr gross.BBH 07-037_Unterricht Die Beteiligung an den einzelnen Aktivitäten des Zentrums ist entsprechend hoch, was es zu einem zentralen Begegnungspunkt macht. Insgesamt profitieren jährlich über 500 Kinder, Jugendliche und Erwachsene direkt vom Angebot des Sozialwerks und der Schule. Indirekt profitieren auch die Familien der Begünstigten. Neben dem Schulunterricht von der 1. bis 9. Klasse bieten die Salesianer besonders talentierten Jugendlichen auch Universitätsvorbereitungskurse an.

Programme für Familien und Erwachsene

Um gegen die sozialen Probleme, die in den Familien herrschen, anzukämpfen, werden auch Programme für Erwachsene angeboten. So wird eine Gruppe anonymer Alkoholiker in regelmässigen Treffen mit ihren Problemen konfrontiert und bei ihrem Versuch, vom Alkohol wegzukommen, begleitet und gefördert. Mittels verschiedener Workshops zu Alltagsthemen (Gewaltprävention, Aids, Schwangerschaft, Drogenkonsum, Drogenhandel) wird eine wichtige Bewusstseinsarbeit zur Befriedung in den Familien und Quartieren geleistet.

CESAM – Einstieg in den Arbeitsmarkt

Innerhalb des Projektes CESAM, welches junge Erwachsene auf das Arbeitsleben (vorwiegend innerhalb des Dienstleistungssektors) vorbereitet, werden jährlich über 500 junge Menschen beiderlei Geschlechts im Alter zwischen 15 und 24 Jahre in den Arbeitsmarkt vermittelt. Diese Jugendlichen besuchen im Zentrum Informatikkurse und werden in Kursen geschult, wie man sich am Arbeitsplatz zu verhalten hat. Auf diese Weise können sie ihren Selbstwert steigern. Sozialarbeiter des Zentrums vermitteln sie an eine Praktikumsstelle in Banken, Supermärkten, Telefongesellschaften etc. als Büroangestellte, Angestellte an der Kasse, etc. Auch während dieser Phase werden die Jugendlichen weiter begleitet.

Neben der Schule, der Erwachsenenbildung und dem Freizeitangebot sollen zukünftig auch ein Literaturprojekt, kulturelle Ausflüge und Informationsveranstaltungen über Krankheiten, Sexualität und Drogenkonsum gefördert werden.


Video

Das neue Schulgebäude bietet viel mehr als nur die Möglichkeit zum Unterricht in Rechnen und Schreiben. Sehen Sie in diesem Video, wie die Don-Bosco-Schule mit einem integralen Ansatz das Leben und die Umgangsformen in Jacarezinho verbessert:


Logo Van Kesteren FoundationEin besonderes Dankeschön geht an die Van Kesteren Foundation, die seit mehreren Jahren das Sozialwerk und die Schule in Jacarezinho tatkräftig unterstützt. Obrigado!

Das Sozialwerk Santa Rita de Cássia ist trotz des Neubaus nach wie vor auf unsere Unterstützung angewiesen. Mit einer Spende mit dem Vermerk BBH 07-037-18 tragen Sie dazu bei, die laufenden Kosten der Schule und ihrer Freizeitaktivitäten zu decken. Herzlichen Dank!

Haben Sie Fragen? Kontaktieren Sie unsere Projektleiterin Caroline Imesch.