Verbesserung der agroökologischen Produktion und Ernährungssicherheit

BOLIVIEN: Kami - BOL 17-016


Die Familien in den Dorfgemeinschaften von Kami leben in grosser Armut unter schwierigen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und klimatischen Bedingungen. Die Salesianer Don Boscos helfen diesen Familien mit dem Aufbau einer Saatgutbank, dem Bau von Gewächshäusern und mit Schulungen von nachhaltigen Anbaumethoden. Dadurch kann die Ernährungssicherheit von 11 Dorfgemeinschaft in dem Gebiet von Kami, Cochabamba verbessert werden.

Bewirtschaftung von Feldern
Land/Ort: BOLIVIEN – Kami, Cochabamba
Projektnummer: BOL 17-016
Projektziel: Verbesserung der Ernährungssicherheit in 11 Dorfgemeinschaften.
Projektwirkung: Nachhaltigere Anbaumethoden ergeben eine ertragreichere Ernte, die zu einer ausreichenden und abwechslungsreichen Ernährung der Dorfgemeinschaften führt.
Mittelbedarf: 130 000 CHF pro Jahr

 

Hintergründe


Kami liegt in den Anden auf 3800 m ü. M. Die klimatischen Verhältnisse und Lebensbedingungen sind eine grosse Herausforderung für die Menschen, die in dieser kargen Region leben. Die Bewohner gehören mehrheitlich den indigenen Volksgruppen Quechua und Aymara an. Die Dorfgemeinschaften zwischen den Andentälern und dem Hochland leben weit entfernt von der Zivilisation der Stadt Cochabamba.
Den bescheidenen Lebensunterhalt erwirtschaften sie sich durch Subsistenzwirtschaft. Angebaut werden hauptsächlich Kartoffeln, Mais, Hafer, Gerste, Weizen und Bohnen. Die Haltung von Tieren ermöglicht Zugang zu Milch, Fleisch und Dünger. Ein weiterer Erwerbszweig ist der Bergbau. Die Nachfrage nach Zinn und Wolfram ist aber nicht gross und der Abbau erfolgt ohne die nötigen Hilfsmittel oder das nötige Fachwissen.
95 Prozent der Bevölkerung dieser Region lebt in Armut. Die Familien leben in einfachen Behausungen aus Lehm, Dung, Stroh und Ästen. Häufig verfügen sie über keine sanitären Einrichtungen und fliessendes Wasser. Gekocht wird über offenem Feuer in der Hütte und Ställe für die Tiere sind oftmals ein Teil der Häuser. So können sich Krankheiten aufgrund der unhygienischen Umgebung schnell verbreiten.
Nur knapp 60 Prozent der Einwohner in Kami verfügen über einen Grundschulabschluss. In der Region gibt es nur wenige Schulen und nur zwei davon bieten einen Sekundarabschluss an. Kinder müssen teilweise bis zu 4 Stunden Schulweg auf sich nehmen. Dementsprechend hoch ist auch die Analphabetenrate (15 Prozent) und die Anzahl der Schulabbrüche (55 Prozent). Ungefähr 60 Prozent der in der Region lebenden Menschen wandern auf der Suche nach Arbeit und Einkommen in städtische Gebiete ab.

Den Bäuerinnen und Bauern der Region fehlt das Wissen zu einer nachhaltigen Landwirtschaft. So wenden sie Pflanzenschutzmittel falsch an und der Boden erodiert aufgrund von Übernutzung der Weiden. Die kargen Böden werfen nicht genug ab, um die Familien und ihre Nutztiere ausreichend zu ernähren, geschweige denn, Überschüsse auf dem Markt zu verkaufen.
Zudem fehlt die Infrastruktur zur Anfahrt und das Wissen über Nachfrage, bestehende Absatzmärkte und Verkaufskanäle.

Unterstützung erhalten die Familien von den Salesianern Don Boscos. Sie helfen den Familien, die Erträge zu steigern, indem sie nachhaltige Anbaumethoden vermitteln und dadurch die Ernährungssicherheit gesteigert werden kann.
Das Projekt wird ausgeführt vom Centro San José Obrero de Kami (CSJOK), ein salesianisches Berufsbildungszentrum in Cochabamba, das auf eine langjährige Erfahrung zurückblicken kann und als Referenzzentrum für Landwirtschaft gilt. Im vom Projekt begünstigten Einzugsgebiet leben 170 Dorfgemeinschaften.
Vom Projekt direkt begünstigt werden 11 Dorfgemeinschaften. In einer Dorfgemeinschaft leben durchschnittlich 40 Familien. Jeweils zehn Familien aus einer Dorfgemeinschaft nehmen direkt am Projekt teil, was einer Zahl von 550 Personen entspricht. Durch Wissenstransfer profitieren indirekt 2200 Personen vom Projekt.

Unsere Arbeit

Es werden verschiedene Massnahmen ergriffen, gefördert und geschult, damit sich die Situation in der Region verbessert. Im Fokus stehen besonders junge Menschen. Ziel ist es, die Lebensqualität, Eigenständigkeit und den Zusammenhalt der Menschen in ihrem Einzugsgebiet unter Berücksichtigung der religiösen und kulturellen Gegebenheiten zu stärken und ihren Verbleib in der Region zu sichern. Unter Berücksichtigung des kontextuellen Entwicklungsprozesses wird mit einem partizipativen Ansatz gearbeitet. Die Aymara und Quechua-Dorfgemeinschaften werden aktiv in die Planung und Umsetzung der Aktivitäten einbezogen. Dazu gehören unter anderem der Aufbau einer Saatgutbank, der Bau von Gewächshäusern und die vertiefte Ausbildung von 22 ausgewählten Promotoren in nachhaltiger Landwirtschaft, die dann ihrerseits weitere Mitglieder der Dorfgemeinschaften schulen können.

Saatgutbank

Eine wichtige Projektkomponente greift auf Erfahrungen zurück, die in einem Kleinprojekt zur Produktion von Kartoffeln gemacht wurden. So wurden qualitativ hochstehende Saatkartoffeln an fünf Dorfgemeinschaften abgegeben und gleichzeitig eine Saatgutbank angelegt. Die gesammelten Daten zeigen, dass sich die Kartoffelproduktion unter Verwendung dieses Ansatzes innerhalb eines Jahres verdoppelte. In der Folge verfügten die Familien sowohl über genügend Kartoffeln für den Eigenkonsum als auch für den Verkauf und steigerten dadurch ihr Einkom¬men. Gleichzeitig wurde ein Teil der Ernte der Gemeinschaft übergeben, damit für die folgende Anbauperiode genügend Saatgut vorhanden war. Auf diese Weise wurde die hohe Qualität des Saatguts sichergestellt. Dieses Vorgehen wird nun auf weitere Pflanzungen wie Weizen, Bohnen, Gemüse ausgeweitet. An die Familien aus 11 Dorfgemeinschaften werden qualitativ hochwertige Samen verteilt. Sie werden regelmässig von Agronomen des CSJOK beraten. Am Ende eines jeden Anbauzyklus geben die Familien einen Teil der Ernte als Saatgut zurück. Dadurch wird garantiert, dass die qualitativ hochwertigen Samen weiterverwendet werden und dass mit der Zeit alle Dorfgemeinschaften der Region davon profitieren können.

Der Ertrag der Ernte soll sich dank der Saatgutbank und der besseren Anbaumöglichkeiten um 50 – 100 Prozent steigern. Dabei ist vorgesehen, dass 10 – 20 Prozent davon für den Eigenkonsum gebraucht werden, 20 – 40 Prozent können auf Märkten verkauft werden und 30 – 50 Prozent fliessen wieder zurück in die Saatgutbank. Die Aufbewahrung von Saatgut garantiert das Fortbestehen des Produktanbaus für kommende Erntezyklen.

Ausbildung von Promotoren

Bei der Schulung der Dorfgemeinschaften liegt ein starker Fokus auf der Schulung vom Anbau von Gemüse und in der Verwendung davon. Dazu werden 22 Promotoren aus den 11 beteiligten Dorfgemeinschaften ausgesucht. Diese erhalten vier Mal jährlich viertägige Schulungen mit theoretischem und praktischem Inhalt. Es werden nicht alle Wissensträger in denselben Bereichen geschult. Vielmehr werden einzelne Fokusbereiche definiert. Die Schulungen werden von zwei Agronomen des CSJOK geleitet. Ziel ist es, dass diese 22 Promotoren sich das nötige Wissen aneignen und dieses dann wiederum in ihren Dorfgemeinschaften anwenden und verbreiten.

Gewächshäuser

grosses Gewächshaus von Innen
Die Berater des CSJOK besuchen vier Mal pro Jahr alle Dorfgemeinschaften, um diese vor Ort beraten zu können. Die Dorfgemeinschaften, die Gemüse produzieren werden, erhalten zudem ein Gewächshaus und werden darin geschult, wie dieses am effektivsten genutzt werden kann. Die Frauen der Dorfgemeinschaften werden die Verantwortung für die Gewächshäuser übernehmen.
Die Ernte aus den Gewächshäusern dient dem Eigenkonsum mit dem Ziel, die Ernährung der Dorfgemeinschaften zu verbessern. In Sensibilisierungskampagnen werden die Begünstigten darüber informiert, wie sie die verschiedenen Gemüsesorten zubereiten und in ihre Ernährung integrieren können.



Helfen auch Sie mit, dass indigene Dorfgemeinschaften ihr Wissen über nachhaltige Landwirtschaft verbessern können und dadurch Ernährungssicherheit erlangen. Spenden Sie mit dem Vermerk BOL 17-016 und geben Sie diesen Familien eine Perspektive! Herzlichen Dank für Ihre Grosszügigkeit!

Haben Sie Fragen? Kontaktieren Sie unsere Projektleiterin Caroline Imesch.