Unterernährte Kinder zusammen mit ihren Müttern betreuen

BOLIVIEN: San Carlos - BOL 17-017

Das seit 1989 bestehende Rehabilitationszentrum «Padre Luís» begleitet mangel- und unterernährte Kinder auf ihrem Genesungsprozess und möchte die im Jahr 2015 eröffnete Mütter-Wohnstätte ausbauen. Denn die Mütter sind der Schlüssel für eine gesunde Entwicklung ihrer Kinder. Die Mütter-Wohnstätte bietet Kurse über ausgewogene Ernährung, Hygiene und – vor allem – einen geschützten Rahmen, in welchem die Beziehung der Mutter mit ihrem Kind im Zentrum steht.

Land/Ort: BOLIVIEN – San Carlos
Projektnummer: BOL 17-017
Projektziel: Stärkung der Präventionsarbeit des «Zentrums für unterernährte Kinder P. Luis» durch den Ausbau der Mütter-Tagesstätte und des Kursangebotes über Unterernährung, deren Folgen und Prävention.
Projektwirkung: Die Mütter wissen um eine ausgewogene Ernährung ihrer Kinder und können so deren Entwicklung positiv beeinflussen.
Mittelbedarf: 150 000 CHF pro Jahr
Kurzbeschrieb als PDF

 


 

Hintergründe

Unter- und Mangelernährung als Problem

Vor allem in ländlichen Regionen Boliviens ist der Zugang zum Gesundheitssystem eingeschränkt. Fehl- und Unterernährung sind armutsbedingte Krankheiten, welche besonders Kleinkindern schwer zusetzen, indem sie deren Wachstum und Entwicklung beeinträchtigen und zu lebenslangen Folgeschäden führen.

In der Region San Carlo leben mehr als 50 Dorfgemeinschaften mit eingeschränktem Zugang zu medizinischer Grundversorgung, Wasser und Elektrizität. In dieser armutsbetroffenen Region betreiben die Salesianer Don Boscos seit mehreren Jahrzehnten das Spital «Ichilo», welches 1989 mit dem «Zentrum für unterernährte Kinder Padre Luis» («Centro de Rehabilitación para Niños Desnutridos P. Luis») erweitert wurde. Dieses wird von den Ordensschwestern der Kongregation «Hermanas de la Providencia» geführt.

Das Rehabilitationszentrum begleitet von Mangel- und Unterernährung betroffene Kinder auf ihrem Genesungsprozess. Unter- und Mangelernährung bedeuten, dass Kinder nicht genügend Nahrung erhalten und/oder ihre Nahrung nicht genügend Nährstoffe wie Mineralien oder Vitamine enthält. Dadurch wird die Entwicklung des Kindes gehemmt oder es entstehen lebensbedrohliche Mängel. Eine gesunde körperliche, motorische und mentale Entwicklung wird verhindert und macht sie anfällig für Krankheiten.

Die Arbeit des Rehabilitationszentrums

Im Rehabilitationszentrum können 50 Kinder gleichzeitig betreut werden; seit der Gründung wurden rund 3300 Kinder bis zum fünften Lebensjahr betreut, behandelt und rehabilitiert. Während ihres Aufenthalts werden die Kinder vom Fachpersonal ganzheitlich betreut und erhalten eine ausgewogene und gesunde Ernährung, damit sich das Gewicht rasch normalisiert. Je nach Gesundheitszustand der Kinder bei ihrem Eintritt verbringen sie zwischen zwei und acht Monate im Zentrum. Wenn sie weitere gesundheitliche Probleme aufweisen (wie beispielsweise Lippen-Kiefer-Gaumensegel-Spalten) und Operationen notwendig sind, verbleiben sie bis zu über einem Jahr in der Einrichtung.

Seit der Entstehung des Rehabilitationszentrums hat es sich zu einem regionalen Referenzzentrum für Unterernährung entwickelt, welches nicht nur mit dem angrenzenden Don-Bosco-Spital «Ichilo» sondern auch mit anderen Gesundheitszentren zusammenarbeitet. Diese Kooperation zeigt sich anhand der offiziellen Anerkennung als Gesundheitsinstitution als auch durch Überweisungen von Kindern durch staatliche Institutionen wie der Kinder- und Jugendanwaltschaft. Zudem unterstützen die Departementsverwaltung Santa Cruz und die Gemeinde San Carlos das «Centro de Rehabilitación para Niños Desnutridos P. Luis» mit einem finanziellen Beitrag von insgesamt ca. 14 % der Gesamtkosten.

Unsere Arbeit

Aufbau einer Mütter-Wohnstätte

Im Jahr 2015 wurde das Rehabilitationszentrum «Padre Luís» um eine Mütter-Wohnstätte erweitert, damit nicht nur die Kinder geheilt sondern auch deren Bezugsperson geholfen wird. Mütter sind in Bezug auf Unterernährung und deren Prävention Schlüsselfiguren. Ihr direkter und aktiver Einbezug in den Genesungsprozess der Kinder trägt wesentlich zu einer erfolgreichen Rehabilitierung bei. Deshalb soll in einem neuen Projekt die Kapazität der Mütter-Wohnstätte von vier auf zwölf Betten ausgebaut sowie das Kursangebot erweitert werden.

Der Aufenthalt im Rehabilitationszentrum soll die Mütter befähigen, sich in Zukunft bedürfnisgerecht um ihre Kinder kümmern zu können. Dafür werden Kurse angeboten, in denen Themen wie eine ausgewogene Ernährung, grundsätzliche Hygiene oder die Förderung einer positiven Kindesentwicklung behandelt werden. Dabei steht immer die Gemeinschaft von Mutter und Kind im Fokus und hat als Ziel, die Mutter in ihrer verantwortungsvollen Rolle zu stärken.

Die Mutter als Schlüsselperson

Für viele Mütter wirkt die Erfahrung, mit der Pflege und Ernährung der eigenen Kinder überfordert zu sein, traumatisierend. Die Mütter-Wohnstätte bietet ihnen in dieser Situation einen geschützten Rahmen und fachkundige Unterstützung. Die Mütter können frei entscheiden, ob sie das Angebot, für eine bestimmte Zeit im Zentrum zu wohnen, annehmen wollen. Nur in wenigen Fällen wird verlangt, dass die Mutter im Zentrum bleibt, beispielsweise bei Müttern im Teenageralter oder wenn das Kindern neurologische Probleme hat. Der Aufenthalt ist dabei kostenlos; es wird nur um einen freiwilligen Beitrag gebeten.

Das seit dem Jahr 2015 erprobte Programm bezieht die Mütter in den Genesungsprozess ihrer Kinder mit ein. Die Erfahrungen aus diesem Programm sind sehr positiv: der Lerneffekt wird deutlich erhöht wodurch Rückfälle der Kinder reduziert werden. Das Programm ist prinzipiell auch für Väter geöffnet, da die Kinderbetreuung in Bolivien aber hauptsächlich der Frau obliegt, konzentriert sich das Personal auf die Arbeit mit den Müttern.

Ein weiterer Bestandteil dieses Projektes ist die Vergrösserung des Gartens. Dadurch will das Zentrum einen Schritt in Richtung finanzieller Unabhängigkeit machen. Zudem lernen die Mütter im Garten die Produktion von Gemüse, dessen Zubereitung und wie eine gesunde und altersgerechte Ernährung aussieht. Bereits jetzt verfügt das Zentrum über einen Garten, der im kleinen Stil bewirtschaftet wird; mit diesem Projekt soll die Eigenproduktion jedoch erweitert werden. Ein grosses Gewächshaus soll das ganze Jahr hindurch Gemüse für ca. 50 Familien produzieren. Dadurch könnte einerseits die Ernährungssicherheit verbessert und andererseits die Abhängigkeit von Spendenbeiträgen reduziert werden.



Helfen auch Sie mit, dass unter- und mangelernährte Kinder zusammen mit ihren Müttern Unterstützung erhalten. Spenden Sie mit dem Vermerk BOL 17-017 und geben Sie diesen Kindern und ihren Müttern eine Perspektive! Herzlichen Dank für Ihre Grosszügigkeit!

Haben Sie Fragen? Kontaktieren Sie unsere Projektleiterin Nina Astfalck.