Mädchenhaus «Girls Os»

SIERRA LEONE: Freetown - AFW 11-027-19

In Sierra Leone ist Kinderprostitution ein grosses Problem. Obwohl die Gründe, weshalb sich die Mädchen und junge Frauen prostituieren, vielseitig sind, können sie generell auf Armut zurückgeführt werden. Der neueste Dokumentarfilm von Raúl de la Fuente, der in Auftrag von Misiones Salesianas Madrid entstanden ist, zeigt das Thema auf sehr eindrückliche Art und Weise auf. Jedoch auch, dass es Dank der Programme der Salesianer Don Boscos Hoffnung für die jungen Frauen gibt und sie einen Ausweg aus der schwierigen Situation finden können.

Link zum Video

 

In Sierra Leones Hauptstadt Freetown betreiben die Salesianer Don Boscos ein Schutzhaus für minderjährige Mädchen, die Opfer von körperlichem, emotionalem oder sexuellem Missbrauch wurden. Das Mädchenhaus bietet nicht nur Schutz, sondern deckt auch Grundbedürfnisse wie Nahrung, Obdach und psychosoziale Betreuung. Langfristig wird die Wiedereingliederung in die Familie angestrebt. Für den Betrieb des Mädchenhauses werden jährlich 130 000 Franken benötigt. Um dieses wichtige Angebot aufrechterhalten zu können, brauchen die Salesianer Don Boscos Unterstützung.

Land/Ort: SIERRA LEONE – Freetown
Projektnummer: AFW 11-027-19
Projektziel: Mädchen mit Gewalterfahrung Schutz, Betreuung und Beratung gewähren und deren langfristige, begleitete Reintegration in Familie, Verwandtschaft oder Pflegefamilie.
Mittelbedarf: Durchschnittlich 130 000 Franken im Jahr
Kurzbeschrieb als PDF

 

Hintergründe

Das westafrikanische Land Sierra Leone gehört in globalen Entwicklungsstatistiken immer zu den Schlusslichtern. 2015 belegte es im Human Development Index (HDI) der UNO den 181. Rang von insgesamt 188 Ländern. Somit gilt es als eines der am schlechtesten entwickelten Länder der Welt. Die Beurteilung des HDI erfolgt nach verschiedenen Kriterien. So werden neben wirtschaftlichen Faktoren auch die Qualität des Bildungs- und Gesundheitswesen berücksichtigt. Über die Hälfte der Bevölkerung lebt in absoluter Armut – dies bedeutet, dass sie am Tag mit weniger als 1,25 US-Dollar auskommen müssen. Auch im Bereich der Bildung ist Sierra Leone mit vielen Problemen konfrontiert. Viele Kinder besuchen zwar die Schule, brechen diese jedoch in der Oberstufe ab. Die Gründe dafür sind verschieden. Kinder müssen ihren Familien oft dabei helfen, das nötige Geld zum Überleben zu verdienen und können deshalb nicht länger zur Schule gehen. Bei Mädchen ist der dritthäufigste Grund für einen frühzeitigen Schulabbruch eine Schwangerschaft. So haben fast die Hälfte aller 18-jährigen Frauen bereits ein Kind oder sind schwanger.
Die Ebola-Epidemie in Westafrika im Jahr 2014 und 2015 verschlimmerte die Lage im Land zusätzlich. Viele Kinder – schätzungsweise 8000 – wurden zu Halb- oder Vollwaisen. Als schwächste Mitglieder der Gesellschaft sind sie besonders durch Missbrauch und Ausbeutung gefährdet. Kinder machen in Sierra Leone den Hauptteil der Bevölkerung aus. So sind rund 42 Prozent der Einwohner jünger als 15 Jahre. Leider haben diese jungen Menschen keine Chance ihr Potenzial auszuschöpfen oder ihre Grundrechte einzufordern.

Situation von Frauen in Sierra Leone
Die wirtschaftlichen und sozialen Probleme Sierra Leones haben schwere Konsequenzen für Mädchen und Frauen. Sie sind einer grossen Diskriminierung ausgesetzt und haben oft nur wenig oder gar keine Macht über Entscheidungen und Rechte, die ihr Leben betreffen. Durch die Tabuisierung wichtiger gesellschaftlicher Probleme wie weiblicher Genitalbeschneidung, Abtreibung und sexueller Ausbeutung von Mädchen ist es für betroffene junge Frauen fast unmöglich, ihre Situation zu verbessern oder jemanden um Hilfe zu bitten. Besonders prekär ist die Situation für Mädchen in der sierra-leonischen Hauptstadt Freetown. Die extreme Armut und die Notwendigkeit, den Eltern bei der Einkommensgenerierung zu helfen, bewegt viele von ihnen dazu, in die Grossstadt zu ziehen und nach Verdienstmöglichkeiten zu suchen. Sie arbeiten auf Märkten, reinigen Kanäle, tragen Lasten, waschen Geschirr oder Kleider und putzen Geschäfte und Strassen. Viele von ihnen leben, arbeiten und schlafen auf der Strasse. Ein weiteres Problem stellt die Kinderprostitution dar. Obwohl die Gründe, weshalb sich junge Frauen prostituieren, sehr vielseitig sind, können sie generell auf die Armut zurückgeführt werden. Einige werden von den Eltern dazu gezwungen, um das Überleben der Familie zu garantieren, andere finanzieren sich damit die Schule. Wieder andere Mädchen wurden ausgetrickst – man bot ihnen eine Stelle als Magd oder Serviertochter an und zwang sie dann zur Sexualarbeit in Clubs und Bars. Viele der Mädchen sind sich der Gefahren ihrer Arbeit nicht bewusst – sie werden benutzt, missbraucht und weggeworfen.

Unser österreichisches Partnerhilfswerk Jugend Eine Welt hat zu diesem Projekt und zur Situation der Frauen in Sierra Leone ein Kurzvideo veröffentlicht:


Unsere Arbeit

Die Salesianer Don Boscos betreiben in Freetown seit 1998 die Einrichtung «Don Bosco Fambul» – Fambul bedeutet Familie auf Kreolisch. Dabei handelt es sich um die grösste Hilfseinrichtung für auf der Strasse lebende Kinder in der Stadt. Das Zentrum bietet Schutz, Unterkunft, medizinische, psychologische und pädagogische Betreuung, Verpflegung sowie Schul- und Berufsausbildung. Spiel und Sport sind dabei ebenso Therapiebestandteile wie Konfliktbewältigung, Persönlichkeitsentwicklung, Ernährungs- und Gesundheitsberatung. Insgesamt arbeiten im «Don Bosco Fambul» über 70 Mitarbeiter – mehrheitlich Sozialarbeiter – für das Wohl benachteiligter Kinder und Jugendlicher.
Dabei sind die Salesianer vom «Don Bosco Fambul» immer dort im Einsatz, wo sie gebraucht werden. So geht die Arbeit oft auch über das gewohnte Basisangebot hinaus: Während der Ebola-Epidemie wurde die Einrichtung mit seinem Notruftelefon zum nationalen Koordinationszentrum für Hilfsmassnahmen. Für diese Arbeit wurde es vom sierra-leonischen Präsidenten ausgezeichnet. Zudem wurde das Zentrum bei einem Grossbrand im benachbarten Quartier 2016 zu einer Notunterkunft für obdachlose Familien umfunktioniert.

Mädchenhaus «Girls Os» und «Girls Os+»
Seit dem Jahr 2011 betreiben die Salesianer Don Boscos ein Mädchenhaus, das Mädchen und jungen Frauen im Alter zwischen 8 und 17 Jahren in schwierigen Situationen Unterkunft und Schutz anbietet. Diese Mädchen sind meist obdachlos und haben Gewalt und Missbrauch erlebt. Das «Girls Os» bietet ihnen rund um die Uhr eine gewaltfreie Oase der Sicherheit, medizinische Betreuung sowie die Erfüllung von Grundbedürfnissen wie Unterkunft und Nahrung. Die jungen Menschen erhalten im Mädchenhaus die Möglichkeit, Abstand zu gewinnen und sich in der Gemeinschaft mit ihren Erfahrungen auseinanderzusetzen und zu lernen, neue Lebensperspektiven innerhalb oder ausserhalb ihrer Familie zu entwickeln. Es gibt Beratung und Unterstützung, wann immer sie benötigt und gewünscht wird. Das Ziel ist die Wiedervereinigung mit der Familie oder die Platzierung in einer Pflegefamilie, welche vom «Don Bosco Fambul» ausgebildet und begleitet wird.

Im Mädchenhaus gibt es vier Zonen, die gleichzeitig für die Dimensionen der Arbeit des «Don Bosco Fambul» stehen:

  • Erholung und Sicherheit (Pausen- und Schlafraum)
  • Kommunikation und Ratschläge (Beratungsraum)
  • Hygiene und Gesundheit (Untersuchungsraum, Duschen, Waschbereich)
  • Familienarbeit und Koordination der Unterstützung (Büro)

Die Arbeit des «Don Bosco Fambul» wird in Sierra Leone sehr geschätzt. Das Ministerium für soziale Wohlfahrt, Gender- und Kinderfragen sowie die UNICEF bitten die Salesianer Don Boscos ausdrücklich, diese Arbeit weiterzuführen.

Die Salesianer Don Boscos unterhalten in Freetown noch ein zweites Heim für Mädchen und junge Frauen – das «Girls Os+». Es richtet sich speziell minderjährige Prostituierte, die aufgrund ihrer Tätigkeit besondere Betreuung benötigen.



Dokumentarfilm LOVE

Für deutsche Untertitel in der Video-Einstellung bei YouTube «Untertitel» und dann als Sprache «Deutsch» auswählen.
 

«Leben inmitten von so viel Schmerz und Ungerechtigkeit deprimiert mich nicht. Im Gegenteil, es spornt mich vielmehr an und gibt mir die Kraft, für Gerechtigkeit und für die Würde dieser Mädchen zu kämpfen. Ein jedes hat seine eigene Geschichte von Schmerz, Trauer und Gewalt. Ein jedes hat jedoch auch die Kraft, Optimismus und Hoffnung zu entwickeln, sobald sie den Traum entdecken, für den es sich zu leben lohnt.»
P. Jorge Crisafulli, Direktor Don Bosco Fambul, Freetown, Sierra Leone

Alle Bilder © Jugend eine Welt Austria.

Helfen auch Sie mit, Mädchen in schwierigen Lebenssituationen Schutz zu bieten. Mit dem Vermerk AFW 11-027-19 geht Ihre Spende direkt an dieses Projekt. Herzlichen Dank für Ihre Grosszügigkeit!

Haben Sie Fragen? Kontaktieren Sie unsere Projektleiterin Désirée Schöpfer.