Verbesserung der Lebensbedingungen für HIV-infizierte junge Menschen

INDIEN: Chennai - INM 15-081

Das Leben für Kinder und Jugendliche, die den HI-Virus in sich tragen, ist in Indien besonders hart. Weil sich viele von ihnen über ihre Eltern mit der Krankheit infizieren, werden sie durch den Tod ihrer Eltern früh zu Waisen- oder Halbwaisenkindern. Von der Gesellschaft verstossen, leben sie oft auf der Strasse und haben nur erschwert oder gar keinen Zugang zu Medikamenten. Viele von ihnen gehen nicht mehr zur Schule und sie sind zu einem Leben am untersten Rand der Gesellschaft gezwungen. Die Salesianer Don Boscos ermöglichen diesen Kindern und Jugendlichen mit einem dreiteiligen Programm eine zweite Chance.

Land/Ort: INDIEN – Chennai
Projektnummer: INM 15-081
Projektziel: Bereitstellung einer umfassenden Gesundheitsbetreuung für Menschen, die durch HIV/AIDS infiziert oder betroffen sind. Speziell soll Kindern und jungen Erwachsenen dieser Zielgruppe ein gutes Leben ermöglicht werden.
Projektwirkung: Verbesserte Gesundheit und verbesserter sozialer und ökonomischer Status HIV/AIDS-betroffener Personen in und um die Stadt Chennai.
Mittelbedarf: rund 177 000 US-Dollar pro Jahr

 

 

 

Hintergründe

Chennai ist mit ungefähr viereinhalb Millionen Einwohnern die sechstgrösste Stadt auf dem indischen Subkontinent. Sie wurde im frühen 17. Jahrhundert von der Kolonialmacht Grossbritannien als Handelsstützpunkt gegründet und entwickelte sich im Laufe der Zeit zum Industrie- und Geschäftszentrum von heute. Die Hauptstadt des indischen Bundesstaats Tamil Nadu hat mit den gleichen Problemen zu kämpfen, wie andere Grossstädte Indiens. Durch Geburtenüberfluss und Landflucht wächst die Bevölkerung der Stadt rasant an. Vor allem der Ballungsraum um die Stadt hat sich mit einem extremen Bevölkerungswachstum von rund 35 Prozent zwischen 2001 und 2011 stark verdichtet. So leben in der ganzen Agglomeration Chennais rund achteinhalb Millionen Menschen. Dabei herrscht ein hohes Mass an sozialer Ungleichheit. Viele der Bewohner leben unter prekären Bedingungen am Existenzminimum. So lebt laut einer Volkszählung von 2011 fast jeder dritte Bewohner in einem der zahlreichen Slums in der Stadt. In drei von vier Häusern in den Slums haben die Menschen keinen Wasseranschluss und sie müssen häufig mehr als einen halben Kilometer für Trinkwasser laufen.

Problem der HIV-Infizierten
In Indien leben zwischen zwei und drei Millionen HIV-infizierte Menschen. Nur in Südafrika hat es mehr Menschen, die das humane Immundefizienz-Virus in sich tragen. Rund 43 Prozent der Infizierten in Indien erhalten medizinische Betreuung. Der Zugang zu medizinischer Betreuung hat sich dabei in den letzten Jahren stark verbessert. So stieg die Zahl der Menschen, welche eine antiretrovirale Therapie (ART) erhielten, von 2010 bis 2015 im Jahr durchschnittlich um fast 5 Prozent. Dies gelang hautsächlich durch die Eröffnung unzähliger lokaler ART-Zentren. In diesen können HIV-Infizierte Menschen sich registrieren und so Zugang zur Therapie erhalten. Trotz dieser Lichtblicke gibt es in Indien noch viel Nachholbedarf. Jährlich sterben immer noch rund 68 000 Menschen an Aids und die Übertragung des HI-Virus von Eltern auf ihre Kinder stellt immer noch ein grosses Problem dar.
So werden die meisten Kinder und Jugendlichen durch ihre Eltern mit dem Virus infiziert. Viele der Eltern sterben aufgrund ihrer Krankheit früh und die Kinder sind auf sich allein gestellt. Da es in Indien kein funktionierendes Fürsorgesystem gibt, landen diese Kinder oft auf der Strasse. Ausserdem werden sie aufgrund ihrer Krankheit diskriminiert. Im ganzen Bundesstaat Tamil Nadu leben schätzungsweise 105 000 Kinder, die mit HIV infiziert sind.

Diskriminierung ist weit verbreitet
Besonders betroffen sind auch alleinstehende Frauen mit Kindern, die mit HIV infiziert sind. Oft werden sie von ihren Ehemännern verlassen und von der Familie verstossen. Sie stehen dann alleine mit ihren Kindern da und müssen diese ernähren. Oft können sie dies jedoch nicht bewerkstelligen, weil sie keine anständige Arbeit finden. So kommt es vor, dass Mütter ihre Kinder weggeben müssen, um ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen. Zudem werden sie von vielen Seiten diskriminiert. Sie haben Mühe eine Mietwohnung zu finden oder werden gar aus ihren eigenen Häusern vertrieben. Selbst in einigen Spitälern werden Menschen mit HIV nicht immer gut behandelt. Dies führt wiederum dazu, dass viele ihre Krankheit für sich behalten. Die ökonomische und psychische Belastung für diese Menschen ist extrem hoch und es kommt vor, dass sich HIV-infizierte Personen das Leben nehmen, um dieser Misere zu entfliehen.


Unsere Arbeit

Die Salesianer Don Boscos sind in Chennai mit einer Vielzahl von Einrichtungen vertreten. Unter dem Sozialzentrum «Don Bosco Beatitudes» unterhalten sie Kinderkrippen, Schulen, Jugendzentren, Berufsausbildungszentren, Wohn- und Pflegeheime und betreuen Selbsthilfegruppen, leiten ein Landwirtschaftsprojekt und betreiben eine Apotheke und eine Klinik.
Seit 2012 führen die Salesianer zudem ein Rehabilitationsprogramm für HIV-infizierte Kinder und Jugendliche. Dieses Programm ist auf drei Eckpfeilern aufgebaut: Das Kinderheim für HIV-infizierte Waisen- und Halbwaisenkinder, das ARC-Zentrum (Aids Resource Centre) und das Programm «Home Based Care». Dabei erfolgt die Auswahl der Begünstigten mittels einer Abgleichung der Datenbank der Salesianer Don Boscos und der Datenbank der ARC-Zentren. So kann eruiert werden, wer welche Behandlung benötigt und es können besonders bedürftige Kinder oder Jugendliche ausfindig gemacht und ins Rehabilitationszentrum aufgenommen werden. Dabei spielt deren Zugehörigkeit zu Kaste, Religion oder Ethnie bei der Auswahl keine Rolle.

Kinderheim «Anbagam»

Mit dem Kinderheim «Anbagam» bieten die Salesianer Don Boscos 75 Kindern ein freundliches Zuhause. Bei den Bewohnern handelt es sich zu einem grossen Teil um Waisen- oder Halbwaisenkinder, die HIV-positiv sind. Einmal im Monat werden die Kinder ins Rajiv Gandhi Medical Hospital (ART-Zentrum) gebracht, wo sie untersucht werden und ihre antiretrovirale Therapie erhalten. Diese wird vom Staat subventioniert und nur in den ART-Zentren abgegeben. Neben der Abgabe der Medikamente wird der Krankheitsverlauf der Kinder von Spezialisten mittels umfassender Tests überprüft. Nach dieser Untersuchung legt der Arzt die weitere Behandlung fest, bespricht sie mit den Salesianer Don Boscos und berät sie in der weiteren Betreuung der Kinder. Darüber hinaus erhalten die Kinder im Kinderheim drei Mahlzeiten am Tag, die mit Hilfe eines Ernährungsberaters individuell auf die einzelnen Kinder abgestimmt werden.
Neben der medizinischen Betreuung kümmern sich die Salesianer Don Boscos auch um das geistige Wohlergehen der Kinder. So bieten sie ihnen ein kulturell reiches Freizeitprogramm mit Tanz, Musik und Sport. Mit Ausflügen an den Strand von Chennai und an andere geschichtsträchtige Orte der Umgebung wird das Wohlbefinden zusätzlich gefördert. Ausserdem helfen solche Ausflüge den Kindern, sich in der Stadt zurechtzufinden und ermöglichen so indirekt ein selbstständiges Leben in der Zukunft.

Hausbesuche bei Betroffenen
Um noch mehr HIV-Betroffene zu erreichen arbeiten die Salesianer Don Boscos von Chennai mit dem «Christian Medical College» in Vellore zusammen. Sie organisieren Hausbesuche bei betroffenen Familien in den angrenzenden Regionen Vellore und Villupuram. Dabei überwachen sie die Einnahme der ART-Medikamente und den allgemeinen Gesundheitszustand bei rund 250 Kindern und Jugendlichen. Qualifizierte Sozialarbeiter sensibilisieren die Familien auf eine gesunde Ernährung und einen gesunden Lebensstil. Zudem werden ergänzende Nahrungsmittel abgegeben. Dadurch wird sichergestellt, dass die Betroffenen ihren Gesundheitszustand durch ausgewogene Ernährung aufrechterhalten können. Zusätzlich werden die Kinder in die Schule eingeschrieben und erhalten wenn nötig Nachhilfe. Um einen Austausch zwischen Gleichaltrigen zu fördern, werden sie in «Kinder-Klubs» zusammengebracht.

ARC-Support: AIDS Resource Centre

Zusätzlich zur medizinischen Betreuung, welche die Betroffenen in den ART-Zentren erhalten, benötigen sie psychosozialen Support und berufliche Chancen, die zu einem gesunden, ökonomisch unabhängigen Leben führen. Deshalb unterhalten die Salesianer Don Boscos das ARC-Zentrum (Aids Resource Centre) in Chennai. Sein Angebot richtet sich an Jugendliche über 18 Jahre und ihre Familien und bietet ihnen wichtige Informationen sowie Infomaterial über den HI-Virus und die daraus entstehende Krankheit Aids. Es wird von gut ausgebildetem Personal geleitet und bietet Raum für Zusammenkünfte und Selbsthilfegruppen.
Darüber hinaus wird Jugendlichen geholfen, sich in die Arbeitswelt zu integrieren. Dies passiert, indem sie Jugendlichen mit Schulabschluss Lehrgänge an der technischen Don Bosco-Schule in den Bereichen Gastgewerbe, Reinigungs- und Hauswartarbeiten anbieten. Für schulisch schwache Jugendliche oder solche ohne Schulabschluss stehen Landwirtschaftskurse zur Verfügung. Nach der zweijährigen Ausbildung helfen die Salesianer Don Boscos den Jugendlichen bei der Stellensuche im entsprechenden Bereich.


Ein besonderes Dankeschön an Swisslos I Kanton St.Gallen für die Unterstützung dieses Projekts. Nandri!
Unterstützt durch Swisslos | Kanton St. Gallen

 

Helfen auch Sie mit, dieses Projekt mit HIV-infizierten Kindern und Jugendlichen aufrechtzuerhalten. Mit dem Vermerk INM 15-081 geht Ihre Spende direkt an dieses Projekt. Herzlichen Dank für Ihre Grosszügigkeit!

Haben Sie Fragen? Kontaktieren Sie unsere Projektleiterin Désirée Schöpfer.