Projekt für Strassenkinder «Brigada de la Alegría»

MEXIKO: Nuevo Laredo - MEG 15-108

In der mexikanischen Grenzstadt Nuevo Laredo ist der Alltag geprägt von Gewalt, Armut und Angst. Seit Jahren kämpfen verschieden Drogenkartelle um die Vorherrschaft der Schmugglerrouten in die Vereinigten Staaten von Amerika. Zusätzlich ist die Stadt das Zuhause vieler Migranten, die auf der Suche nach einem besseren Leben, an der Grenze nicht mehr weiterkommen. Dabei leiden die Kinder und Jugendlichen besonders unter den schwierigen Lebensbedingungen.
Die Salesianer Don Boscos betreuen seit 2011 ein Oratorio (Jugendzentrum) für 250 bis 300 Kinder und Jugendliche in der Stadt, in welchem sie den jungen Menschen sinnvolle Freizeitbeschäftigungen und ausserschulische Bildung bieten. Aufgrund der Sicherheitslage und um diesen ausgegrenzten Menschen noch besser helfen zu können, haben die Salesianer Don Boscos das Programm «Brigada de la Alegría» initiiert. Die «Truppe der Freude» geht regelmässig in die Viertel und trifft Kinder und Jugendliche direkt auf der Strasse. Gemeinsam beleben sie die sonst von Gewalt und Kriminalität geprägten Strassen mit einer Atmosphäre des Friedens und der Freude.

meg-15-108-kinder-malenLand/Ort: MEXIKO – Nuevo Laredo
Projektnummer: MEG 15-108
Projektziel: Die Förderung der Entwicklung einer Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit.
Das Hauptziel des Projektes ist, mit Hilfe der «Brigada de la Alegría» der Jugend zum Müssiggang auf der Strasse eine Alternative zu bieten, mit dem Ziel, sie in sinnvolle Bildungs- und Freizeitangebote einzubinden.
Projektwirkung: Durch die neugewonnene Atmosphäre des Friedens in den Strassen gelangen Kinder und Jugendliche weniger auf die schiefe Bahn, weil sie Alternativen kennen und nutzen.
Mittelbedarf: Im ersten Jahr 74 200 Franken, in den beiden Folgejahren je 48 018 Franken
Kurzbeschrieb als PDF

Hintergründe

meg-15-108-kinder-spielenNuevo Laredo ist eine Stadt im Nordosten Mexikos mit knapp 400 000 Einwohnern. Die Grenzstadt im Bundesstaat «Tamaulipas» ist der wichtigste Knotenpunkt für Waren zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten von Amerika. So passieren täglich ungefähr 8500 Lastwagen den Grenzübergang in der Stadt. Nördlich grenzt die Stadt an Laredo, welches auf der amerikanischen Seite des Río Bravo liegt. Die Ähnlichkeit der Namen kommt dabei nicht von ungefähr. So wurde Nuevo Laredo 1848 von Einwohner Laredos gegründet, die sich weigerten, Amerikaner zu werden als sich Texas den Vereinigten Staaten von Amerika anschloss. Sie siedelten stattdessen kurzerhand auf die südliche Seite des Río Bravo über und blieben ihrer mexikanischen Heimat treu. Der Legende nach nahmen sie die sterblichen Überreste verstorbener Verwandter mit – getreu nach dem Motto der Stadt: «Siempre con la Patria» – immer mit der Heimat.

Geprägt von Handel
Die Wirtschaft Nuevo Laredos ist geprägt von internationalem Handel. Die Stadt befindet sich auf einer wichtigen Handelsachse, die Kanada und die USA mit Mexiko verbinden. Zusätzlich bildet sie den ursprünglichen Ausgangspunkt der Carretera Panamericana, der Schnellstrasse von der Grenze über Mexiko-Stadt nach Mittelamerika und von da aus in alle Staaten Südamerikas. Daneben hat sich der lokale Handel und Dienstleistungssektor in den vergangenen Jahren stark ausgedehnt. Maquiladoras, das sind kleine Montagebetriebe, die Einzelteile oder Halbfabrikate zu Fertigware für den amerikanischen Markt zusammensetzen, haben viel zu dieser Entwicklung beigetragen. Sie wurden in Mexiko durch die Etablierung der NAFTA-Freihandelszone ermöglicht und sollten die Wirtschaft anregen und Arbeitsplätze schaffen. Jedoch sind sie heute wegen schlechter Arbeitsbedingungen und einseitiger Exportabhängigkeit von den USA umstritten. Dennoch tragen sie kurzfristig zur Verringerung der Armut bei.

Machtkampf um Drogenrouten
Die gute Lage und die gut ausgebauten Transportwege eignen sich jedoch nicht nur für den Handel mit legalen Waren, sondern begünstigen auch den Drogenhandel. So gilt die Grenze zu Laredo und der von dort aus startende Highway «Interstate 35» als grösster Eintrittspunkt für Drogen in die Vereinigten Staaten. Die Kontrolle dieser Handelsroute ist für die Drogenkartelle Mexikos sehr wichtig. Als Folge daraus kämpfen verschiedene Kartelle um die Vorherrschaft dieser Route über Nuevo Laredo. Dieser Kampf wird sehr brutal auf den Strassen ausgeführt. Die Kartelle schicken immer wieder brutale, öffentliche Botschaften an ihre Feinde und vernichten jeden, der ihnen im Weg steht. So wurde im Juni 2005 der neue Polizeipräsident Alejandro Domínguez Coello am Tag seiner Amtseinführung ermordet. Sogar die Presse wurde so stark eingeschüchtert, dass die lokale Zeitung «El Mañana» 2012 die Berichterstattung über den Drogenkrieg und die rivalisierenden Kartelle abgebrochen hat.

Endpunkt der Flucht nach Amerika
Wie andere Städte entlang der Grenze zu Amerika ist auch Nuevo Laredo der Endpunkt der Reise für viele Migranten aus ganz Mexiko und anderen Ländern Lateinamerikas. Viele von ihnen bleiben auf ihrer Reise in die USA an der Grenze stecken oder suchen Arbeit in der prosperierenden Grenzregion. Weil die Stadt aufgrund der stetigen Ankunft neuer Migranten mit dem Aufbau der Infrastruktur nicht mithalten kann, leben viele Menschen in spärlichen, improvisierten Unterkünften am Rande der Stadt.
Um Geld zu verdienen, müssen oft beide Elternteile in den Maquiladoras arbeiten. So sind Kinder und Jugendliche von einem frühen Alter an auf sich alleine gestellt. Als Folge davon verbringen sie viel Zeit auf den Strassen, wo sie vielen Gefahren ausgesetzt sind. Durch die Bemühungen der Polizei, die Drogengeschäfte der Kartelle zu unterbinden, kommen viele Jugendliche ins Visier der Justiz. Sie werden von Ordnungshütern aufgrund ihres Auftretens und ihrer Herkunft als «gefährlich» und «verdächtig» eingestuft, was sie in eine noch schlechtere Ausgangslage bringt, um ihre Lebenssituation verbessern zu können. Sie bilden ein grundlegendes Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen, welches sie in die Arme von Jugendbanden und Drogenkartellen und somit in ein Leben voller Gewalt treibt.


Unsere Arbeit

meg-15-108-knabe-malenDie Salesianer Don Boscos engagieren sich seit 2004 in Nuevo Laredo. Dabei liegt ihr Fokus hauptsächlich im Bereich der Bildung und der sinnvollen Freizeitgestaltung für die Jugend. Zu diesem Zweck haben sie von der Stadt ein acht Hektar grosses Gelände erhalten, das früher eine städtische Mülldeponie war. Mit Hilfe der Bevölkerung, verschiedener Organisationen und der Stadtverwaltung konnten sie am 14. Juli 2011 auf dem Gelände ein Oratorio (Jugendzentrum) für die Jugend der Stadt eröffnen. Das Zentrum bietet Platz für 250 bis 300 Kinder und Jugendliche aus Risikosituationen und ermöglicht ihnen neben sinnvoller Freizeitgestaltung auch ausserschulische Bildungsaktivitäten. Viele der Kinder und Jugendlichen, die ins Zentrum kommen, haben in ihren jungen Leben schon schwere Schicksalsschläge erlebt. Drogensucht, sexuelle Ausbeutung, häusliche Gewalt und Gewalt auf der Strasse gehören für viele von ihnen zum täglichen Leben.

«Brigada de la Alegría»
Aufgrund zunehmender Gewaltbereitschaft und um benachteiligten Kindern und Jugendlichen noch besser helfen zu können, haben die Salesianer Don Boscos das Programm «Brigada de la Alegría» initiiert. Im Rahmen dieses Programms schaffen Truppen (Brigada) aus Streetworkern (Sozialarbeiter spezialisiert auf Strassenkinder) und Volontären eine Atmosphäre des Friedens und der Freude in vernachlässigten Vierteln der Stadt. So trommeln sie mit Trillerpfeifen und einer lauten, portablen Musikanlage die Kinder und Jugendlichen der Umgebung zusammen und beziehen sie in die Rückeroberung des öffentlichen Raumes mit ein. Die jungen Menschen sollen so das Rüstzeug erhalten, mit ihrem eigenen Handeln die Gesellschaft positiv zu verändern. Dieses Projekt zeigt auf, dass die Gewaltbereitschaft der Jugend nicht von Natur aus gegeben ist, sondern sich durch negative Erlebnisse und Erfahrungen der einzelnen Personen in der Gesellschaft bildet. Die «Brigada de la Alegría» setzt genau da an und versucht, den Kindern und Jugendlichen vermehrt positive Erfahrungen zu bescheren, damit sie gar nicht erst auf die schiefe Bahn geraten. Es setzt nicht nur beim Kind selbst, sondern auch bei seiner Familie, seinen Erziehungspersonen und auf der Gemeindeebene an.

Als konkrete Aufgaben sieht die «Brigada de la Alegría» folgende Punkte:

  • Verbesserung der Beziehung zwischen Kindern und Erziehungspersonen durch Animation und Aktivitäten im Don Bosco-Jugendzentrum sowie in den Strassen und Treffpunkten der Kinder und Jugendlichen.
  • Informationen über die Sozialprogramme der Salesianer Don Boscos verbreiten und die Kinder und Jugendlichen dazu ermutigen mitzumachen.
  • Sensibilisierung der Menschen auf den öffentlichen Raum durch die gemeinsame Aufwertung verschiedener Strassenflächen, Parks und des Don Bosco-Jugendzentrums.
  • Brigaden-Einsätze bei Volksfesten in den Vierteln, um die ganze Nachbarschaft und die Familien bei der Rückeroberung des öffentlichen Raums miteinzubeziehen.

All diese Aufgaben haben ein übergeordnetes Ziel: die Förderung einer friedvollen, gewaltfreien Kultur in Nuevo Laredo. So soll sich das Bild der Strasse grundlegend verändern. Von einem Ort der Gewalt – kontrolliert von Jugendbanden, Drogenkartellen und dem Gesetz des Stärkeren – in einen Ort des Friedens, der Freude und der Nächstenliebe. Kindern und Jugendlichen soll eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung gegeben werden, die sie davor bewahrt, ein Leben auf der Strasse zu führen.

Spenden Sie für dieses grossartige Projekt mit dem Vermerk MEG 15-108 und geben Sie diesen Kindern und Jugendlichen eine Perspektive! Herzlichen Dank für Ihre Grosszügigkeit!

Haben Sie Fragen? Kontaktieren Sie unsere Projektleiterin Brigitte Meier.