Freiwilligenprojekt «Voluntariado ando»

MEXIKO: Ciudad Juárez - MEG 16-065

In der mexikanischen Grenzstadt Ciudad Juárez ist der Alltag geprägt von Gewalt, Armut und Angst. Sie ist, wie andere mexikanische Grenzstädte, einer hohen Migration arbeitssuchender Menschen ausgesetzt. Durch das unkontrollierte, schnelle Wachstum bildeten sich an den Stadträndern unzählige Armensiedlungen – sogenannte Colonias. Darüber hinaus ist Ciudad Juárez die vom seit 2007 tobenden Drogenkrieg am meisten betroffene Stadt. Mehrere Jahre nacheinander galt sie deshalb als die gefährlichste Stadt der Welt.

Die Salesianer Don Boscos, die seit 1991 in Ciudad Juárez tätig sind, starteten aufgrund der zunehmenden Gewaltbereitschaft die «Brigada de la Alegría». Streetworker und Volontäre gehen regelmässig in die Viertel und treffen Kinder und Jugendliche direkt auf der Strasse. Gemeinsam beleben sie die sonst von Gewalt und Kriminalität geprägten Strassen mit einer Atmosphäre des Friedens und der Freude. Das Projekt «Voluntariado ando» widmet sich der Betreuung der Freiwilligen in den Friedensbrigaden. Es wird sichergestellt, dass sie alle nötigen Informationen, Fähigkeiten und Materialien erhalten, die sie für die sichere Umsetzung der Strassenarbeit in den Colonias von Ciudad Juárez brauchen.

MEG 16-065 Volontäre FreiwilligeLand/Ort: MEXIKO – Ciudad Juárez
Projektnummer: MEG 16-065
Projektziel: Die Freiwilligen und Teams der Streetworker und der Jugendzentren (Brigada de la Alegría) leisten ihren Einsatz gut vorbereitet, strukturiert begleitet und unter Berücksichtigung grösstmöglicher Sicherheit.
Mittelbedarf: 2017: 103 343 Franken, 2018: 85 490 Franken, 2019: 71 070 Franken

 

Hintergründe

MEG 16-065 Nachbarschaft HäuserMit rund 1,3 Millionen Einwohnern ist Ciudad Juárez die grösste Stadt im mexikanischen Bundesstaat Chihuahua. Sie liegt direkt an der Grenze zu den Vereinigten Staaten von Amerika und grenzt auf der gegenüberliegenden Seite des Río Bravo an die texanische Stadt El Paso. Die Region ist charakterisiert durch karge Dünen- und Wüstenlandschaften im Süden und Westen der Stadt.
Ciudad Juárez kämpft mit ähnlichen Problemen wie andere Grenzstädte in Mexiko. Viele Menschen von ganz Mexiko und anderen Ländern Lateinamerikas kommen in die Stadt auf der Suche nach einem besseren Leben. So gehört die Stadt seit der Gründung der Freihandelszone NAFTA (North American Free Trade Agreement) 1994 zu den am schnellsten wachsenden Städten Mexikos. Das Freihandelsabkommen ermöglichte den Bau von Maquiladoras, kleinen Fabriken in Grenznähe, die hauptsächlich für den amerikanischen Markt produzieren. Weil die Stadt aufgrund der des starken Wachstums mit dem Aufbau der Infrastruktur nicht mithalten kann, leben viele Menschen in spärlichen, improvisierten Unterkünften am Rande der Stadt – sogenannten Colonias.
Der Beginn der Rezession in den USA im Jahr 2000 hat viele Einwohner Ciudad Juárez‘ arbeitslos gelassen. Damit haben viele Familien ihr gesamtes Einkommen verloren. Die Lage verschlimmerte sich 2007 aufgrund der globalen Wirtschaftskrise noch mehr. So gingen tausende Arbeitsplätze in der Maquiladora-Industrie verloren, was auch einen Einfluss auf die Armut der Einwohner hatte. So lebte 2012 rund ein Drittel der Bevölkerung von Ciudad Juárez in «gemässigter» Armut. Dies bedeutet, dass diese Menschen pro Tag nur ein bis zwei US-Dollar zur Verfügung haben.

Die gefährlichste Stadt der Welt
MEG 16-065 Zimmer Mutter KindCiudad Juárez ist die vom seit 2007 tobenden Drogenkrieg am meisten betroffene Stadt. Sie erlangte internationale Berühmtheit, als sie mehrere Jahre in Folge zur gefährlichsten Stadt der Welt ernannt wurde. So wurden in der Wüstenstadt zu Spitzenzeiten des Drogenkriegs bis zu sieben Personen pro Tag ermordet. Zurückzuführen ist dies, einerseits, auf den Kampf rivalisierender Drogenkartelle, die sich auf den Strassen Ciudad Juárez‘ auf brutalste Weise um die Vorherrschaft der Schmugglerrouten in die USA stritten. Andererseits, hat der vom damaligen Präsidenten Felipe Calderón Hinojosa initiierte Kampf gegen die Drogenkartelle die Lage zusätzlich verschlimmert. Calderón entsendete über 10 000 Soldaten und Bundespolizisten nach Ciudad Juárez, um die Situation in den Griff zu bekommen. Doch anstelle des langersehnten Friedens brachte der Kampf kurzfristig nur noch mehr Gewalt. Ausserdem schränkte die starke Militärpräsenz das öffentliche Leben in der Wüstenstadt zusätzlich ein.
Unter dem neuen Präsidenten Enrique Peña Nieto hat sich die Lage heute ein bisschen beruhigt. Die Stadt hat ihre Spitzenposition in der Liste der gefährlichsten Städte verloren – ist nicht einmal mehr in der Top Ten dieser Liste zu finden. Dennoch ist der Weg zurück zu einem gewaltfreien Alltag für die Bewohner der Stadt nicht einfach. Generationen sind geprägt von Verbrechen und Gewalt. Nun gilt es, die Strassen von den Geistern des Drogenkrieges zu befreien und sie wieder mit Frieden und Freude zu füllen.


Unsere Arbeit

MEG 16-065 BrigadaAufgrund zunehmender Gewaltbereitschaft und um benachteiligten Kindern und Jugendlichen noch besser helfen zu können, haben die Salesianer Don Boscos das Programm «Brigada de la Alegría» initiiert. Es startete 2012 als Pilotprojekt in Ciudad Juárez und ist eine direkte Antwort auf die zunehmende Gewalt im Land. Im Rahmen des Programms schaffen Truppen (Brigada) aus Streetworkern (Sozialarbeiter spezialisiert auf Strassenkinder) und Volontären eine Atmosphäre des Friedens und der Freude in vernachlässigten Vierteln der Stadt. So trommeln sie mit Trillerpfeifen und einer lauten, portablen Musikanlage die Kinder und Jugendlichen der Umgebung zusammen und beziehen sie in die Rückeroberung des öffentlichen Raumes mit ein. Die jungen Menschen sollen so das Rüstzeug erhalten, mit ihrem eigenen Handeln die Gesellschaft positiv zu verändern. Das Projekt zeigt auf, dass die Gewaltbereitschaft der Jugend nicht von Natur aus gegeben ist, sondern sich durch negative Erlebnisse und Erfahrungen der einzelnen Personen in der Gesellschaft bildet. Die «Brigada de la Alegría» setzt genau da an und versucht, den Kindern und Jugendlichen vermehrt positive Erfahrungen zu bescheren, damit sie gar nicht erst auf die schiefe Bahn geraten. So setzt es nicht nur beim Kind selbst, sondern auch bei seiner Familie, seinen Erziehungspersonen und auf der Gemeindeebene an. Alle Bestandteile des Projekts dienen einem übergeordneten Ziel: der Förderung einer friedvollen, gewaltfreien Kultur in der Stadt. So soll sich das Bild der Strasse grundlegend verändern. Von einem Ort der Gewalt – kontrolliert von Jugendbanden, Drogenkartellen und dem Gesetz des Stärkeren – in einen Ort des Friedens, der Freude und der Nächstenliebe. Kindern und Jugendlichen sollen sinnvolle Freizeitbeschäftigungen gegeben werden, die sie davor bewahren, ein Leben auf der Strasse zu führen.

«Voluntariado ando»
MEG 16-065 Voluntariado ando
Die bisherigen Erfahrungen im Projekt der «Brigadas de la Alegría» haben gezeigt, dass das Projekt funktioniert. Jedoch zeigt der bisherige Lernprozess auch auf, dass eine bessere Vorbereitung der Freiwilligen nötig ist. Dies ermöglicht eine noch effektivere Arbeit. Weil die Teams, welche in die verschiedenen Colonias gehen, hauptsächlich aus Freiwilligen bestehen, ist es umso wichtiger, dass diese wissen, wie sie sich im Team verhalten müssen und wie sie auf Kinder und Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen zugehen sollen. Um dieses Wissen zu vermitteln, haben die Salesianer Don Boscos in Ciudad Juárez das Projekt «Voluntariado ando» ins Leben gerufen. Im Projekt werden die Volontäre optimal auf ihre Einsätze in den Colonias vorbereitet.
Das Projekt «Voluntariado ando» ist sehr stark mit dem Projekt «Brigada de la Alegría» verknüpft. Es sensibilisiert und fördert Freiwilligenarbeit und das soziale Engagement junger Menschen. Diese wiederum werden zu Vorbildern in den Friedens-Brigaden und bei der Arbeit mit ausgegrenzten Kindern. Nach ihren Einsätzen in den Colonias sollen sie ihre Erfahrungen teilen und so als Botschafter der «Brigada de la Alegría» Menschen ermutigen, sich auch freiwillig zu engagieren. Die Sicherheit der Volontäre steht dabei immer an erster Stelle. So sind sie aus Sicherheitsgründen und um dem salesianischen Interventionsmodell der Strassenarbeit gerecht zu werden immer in Gruppen unterwegs. Sie planen und verwirklichen die Einsätze und Aktivitäten immer im Team. Im Projekt «Voluntariado ando» erhalten die Volontäre das pädagogische Rüstzeug, um die Kinder zum Mitmachen zu motivieren. Sie lernen Spiele und Strategien kennen, die den Umgang und die Kontaktaufnahme mit den Kindern aus den Colonias erleichtern.

Bei den Volontären gibt es zwei verschiedene Arten:

  • Vollzeitvolontäre: Sie sind meist ausländische Freiwillige, die sich für mehrere Monate oder ein ganzes Jahr freiwillig engagieren. Während dieser Zeit leben sie in der salesianischen Gemeinschaft vor Ort.
  • Lokale Volontäre: Sie sind Jugendliche aus der lokalen Bevölkerung, die freiwillig für die Strassenarbeit engagieren. Ausserdem sind es Jugendliche von Firmen, die sich im Rahmen der Corporate Social Responsibility für arme Kinder und Jugendliche in Ciudad Juárez engagieren. Sie sind besonders wichtig für das Projekt der «Brigada de la Alegría», weil sie die Region und ihre Menschen bestens kennen.

Die Gruppen, in welchen die Brigaden auf die Strasse gehen, bestehen immer aus Vertretern beider Arten von Volontären. Zudem werden sie mit Kleidern ausgerüstet, die sie als Freiwillige der «Brigada de la Alegría» kennzeichnen.

Auch in der Grenzstadt Nuevo Laredo erobert die «Brigadas de la Alegría» den öffentlichen Raum mit Frieden und Freude zurück und setzt so ein Zeichen gegen Jugendbanden und Drogenkartelle.

Spenden Sie für dieses grossartige Projekt mit dem Vermerk MEG 16-065 und helfen Sie mit, Volontäre für die «Brigada de la Alegría» auszubilden! Herzlichen Dank für Ihre Grosszügigkeit!

Haben Sie Fragen? Kontaktieren Sie unsere Projektleiterin Brigitte Meier.