Südafrikas hohe Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen

SÜDAFRIKA: Kapstadt - AFM 17-036

Die Jugendarbeitslosigkeit in Südafrika befindet sich auf einem Allzeithoch. Die Salesianer Don Boscos kämpfen gegen diesen Zustand, indem sie in Kapstadt berufliche Kurzkurse anbieten. Jährlich profitieren 420 benachteiligte junge Männer und Frauen zwischen 18 und 26 Jahren von diesem Angebot. Dank den Kursen und dem internen Stellenvermittlungsbüro können sie den Berufseinstieg schaffen.

Land/Ort: SÜDAFRIKA – Kapstadt
Projektnummer: AFM 17-036
Projektziel: Benachteiligte Jugendlichen absolvieren einen Berufsbildungskurs und werden erfolgreich in den Arbeitsmarkt vermittelt.
Projektwirkung: Indem sie in der Arbeitswelt Fuss fassen, werden die Teilnehmer zu einem selbstbestimmten Leben befähigt.
Mittelbedarf: 40 000 CHF pro Jahr
 


Hintergründe

Hohe Jugendarbeitslosigkeit in Südafrika

Die Arbeitslosigkeit in Südafrika ist innerhalb der letzten Jahre auf den bislang höchsten Wert gestiegen und erreichte im Jahr 2017 die erschreckende Quote von 38.6 %. Besonders tragisch ist der hohe Anteil junger Menschen zwischen 15 und 34 Jahren: in dieser Altersgruppe sind 58 % arbeitslos. In den Medien wird deshalb häufig davon gesprochen, dass dieser Zustand eine nationale Krise mit signifikanten sozialen, ökonomischen und politischen Auswirkungen sei.

Ein zusätzlicher alarmierender Faktor der südafrikanischen Wirtschaft ist die Zahl der Personen, die aufgehört haben eine Arbeitsstelle zu suchen, weil sie völlig entmutigt sind: dieser Indikator ist zwischen 2008 und 2015 um 8% gestiegen. Doch all diese statistischen Werte verdecken die eigentliche Misere, die individuellen Schicksale, Leiden und Entbehrungen. Denn die Arbeitslosigkeit kann viele Konsequenzen haben: sie kann zu Depressionen, Alkoholmissbrauch und kriminellen Aktivitäten führen. Diese Probleme sind in den Cape Flats, den Armenvierteln von Kapstadt, nur allzu bekannt. Kriminalität und Gewalt sind dort allgegenwärtig.

In Kapstadt, der zweitgrössten Stadt Südafrikas, ist die Arbeitsmarktsituation im landesweiten Vergleich zwar ein wenig entspannter. Doch auch dort ist die Jugendarbeitslosigkeit in den letzten Jahren stark angestiegen. Die südafrikanische Wirtschaft legt viel Wert auf hochqualifizierte Arbeitskräfte, sodass junge Menschen nur mit einer hohen Schulbildung gute Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt haben.

Die Regierung würdigt den Einsatz der Salesianer

Wenn die Probleme der aktuellen Arbeitsmarktsituation nicht angegangen werden, wird sich die Frustration und Enttäuschung der Jugendlichen weiter erhöhen. Die Politik ist deshalb dankbar für Initiativen, die diese Probleme bekämpfen. Die Salesianer Don Boscos – als weltweit grösster privater Anbieter von Bildungsinstitutionen – haben diese Probleme längst erkannt und bieten verschiedene Programme an, damit Jugendliche auf eine selbstbestimmte Zukunft vorbereitet werden. Ein Beispiel ist das vom Staat ausgezeichnete «Salesian Institute Youth Projects» im Herzen von Kapstadt. Es erreicht mit fünf Kernprogrammen jährlich 2400 junge Menschen zwischen 6 und 28 Jahren; unabhängig von Geschlecht, sozialer Klasse, Ethnie oder religiöser Ausrichtung. Seit 1910 ist es im Einsatz für die Schwächsten der Gesellschaft. Das Hauptziel der Einrichtung ist, den Bildungsstand und die Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen in Risikosituationen zu verbessern. Indem sie in der Arbeitswelt Fuss fassen können, werden sie zu einem selbstbestimmten Leben befähigt.  

Unsere Arbeit

Das «Youth Employment Skills Programm» (YES) ist eines von vielen Programmen, welche das «Salesian Institute Youth Projects» in Kapstadt anbietet. Es steht allen Jugendlichen offen, die aus benachteiligten Vierteln kommen und arbeitslos sind, obwohl sie die Grundschule abgeschlossen haben. Es fördert gezielt die beruflichen Fähigkeiten von 18 bis 26-jährigen jungen Menschen und bekämpft damit aktiv die weit verbreitete Jugendarbeitslosigkeit.

Die beruflichen Kurzkurse bieten jährlich 240 Ausbildungsplätze in diversen Berufsgattungen an. Aktuell werden folgende Kurse angeboten:

  • Nähen / Schneidern
  • Gastronomie
  • Computerkurs mit Vermittlung von Bürokenntnissen
  • Unterhalt und Reparatur von Computern, inklusive App-Entwicklung
  • Maurerei und Gipsen

Die Kurse dauern fünf bis neun Wochen und werden mit einer anerkannten Prüfung abgeschlossen. Bevor die Jugendlichen den eigentlichen Berufsbildungskurs absolvieren können, durchlaufen alle Teilnehmer als Pflichtprogramm einen dreiwöchigen Life-Skills-Kurs. Dieser persönlichkeitsbildende Kurs hat zum Ziel, das Selbstvertrauen der Jugendlichen zu stärken, indem Themen wie das korrekte Verhalten am Arbeitsplatz, Konfliktbewältigung, Führungsfähigkeiten, Motivation oder HIV-Prävention behandelt werden.

Je nach Kursdauer starten die Angebote zwischen drei und fünf Mal jährlich und sind für die Teilnehmenden kostenlos. Sie werden in kleinen Gruppen von ca. 15 Personen unterrichtet. Nach bestandener Abschlussprüfung sind die jungen Menschen fähig, als Hilfskraft oder Angestellter zu arbeiten. Das interne Stellenvermittlungsbüro hilft den Absolventinnen und Absolventen, eine Arbeitsstelle zu finden. Das Büro ist hervorragend vernetzt mit Arbeitgebern und anderen Stellenvermittlungsbüros. Das zeigt die sehr hohe Vermittlungsquote: 2016 konnten 84 % aller YES-Absolventen eine Stelle vermittelt werden.

Das seit 1990 existierende Programm wurde immer weiterentwickelt und die positive Wirkung auf die Teilnehmer zeigt sich immer wieder von neuem. So wurde im Jahr 2017 die Arbeit des «Salesian Institute Youth Projects» vom Ministerium für soziale Entwicklung bereits zum zweiten Mal mit einer Auszeichnung gewürdigt: der «Gold Ministerial Youth Excellence Award» anerkennt die geleistete Arbeit der Einrichtung im Bereich «Eröffnung von beruflichen Chancen und Förderung von Unternehmertum».

Finanziert wird das Programm hauptsächlich über Spenden aus dem In- und Ausland. Zudem wird das Projekt vom Western Cape Provincial Government Department und dem Bildungsamt teilfinanziert. Nur dadurch wird es möglich, den jungen Menschen diese Programme kostenlos anzubieten. Jugendliche, die weit vom Ausbildungszentrum entfernt wohnen, erhalten darüber hinaus die Möglichkeit, vor Ort im Wohnheim zu übernachten.

Erfolgsstory

Vuyo Mxoli, Maurer- und Fliesenlegerschüler

Vuyo Mxoli ist ein 22-jähriger junger Mann, der in Idutywa, Eastern Cape, geboren und aufgewachsen ist. Er ist das älteste Kind seiner Familie und hat noch einen jüngeren Bruder. Seine Kindheit und Jugend war nicht einfach, da seine Mutter alleinerziehend war. Vuyo’s Mutter gab ihr Bestes, um die Armut zu überwinden und die Herausforderungen für sich und ihre Kinder zu meistern. Vuyo besuchte die Ngubethole Junior Secondary School und hatte dort grosse schulische Schwierigkeiten. Er kam im Unterricht nur sehr langsam vorwärts und brauchte spezielle Betreuung. Da er geistig ein wenig eingeschränkt ist, musste er mehrere Jahrgänge wiederholen. Man schlug vor, dass er eine Spezialschule besuchte. Deshalb zog seine Mutter, die als Hausangestellte arbeitet, mit ihm nach Kapstadt und schrieb ihn an der Gugulethu School of Skills ein.

Trotz seiner eingeschränkten Intelligenz erzielte Vuyo in den praktischen Aufgaben an seiner Schule Bestleistungen, denn er war gut darin, mit seinen Händen zu arbeiten. Doch sein Leben nahm eine tragische Wende, als seine Mutter krank wurde und 2012 starb. Ein Waisenkind zu sein war für ihn sehr schwierig, denn er hatte nun niemanden mehr, der ihn unterstützte und ihm sagte, was er als nächstes tun sollte. Er kämpfte sich bis zum Abschluss durch die Schule. Danach suchte er nach einer Stelle, um für sich und seinen Bruder sorgen zu können, doch der Plan ging nicht auf. Nach einem ganzen Jahr erfolgloser Stellensuche hörte er von einem ehemaligen Don-Bosco-Schüler vom Salesian Institute Youth Projects.

Vuyo meldete sich für den Maurerkurs an. Seine erste Hürde war das Life Skills Training, denn dort musste er Englisch sprechen. «Herr Benson Arendse, unser Life Skills Trainer, bemerkte, dass ich nicht gut Englisch sprechen konnte. Er motivierte mich, mehr zu lesen und zu reden, damit ich mehr Selbstbewusstsein bekam.» Als Vuyo die Aufgabe bekam, eine Gruppenarbeit vor der Klasse vorzustellen, machte ihm diese grosse Angst. «Aber überraschenderweise haben meine Klassenkameraden mich nicht ausgelacht, sondern mich korrigiert, wenn ich etwas falsch gesagt habe.» Langsam aber sicher wuchs Vuyos Selbstvertrauen und irgendwann las er in jeder freien Minute englische Texte.

«Ich hatte kein Geld für die öffentlichen Verkehrsmittel und hatte das grosse Glück, dass ich im Wohnheim übernachten durfte. Das war für mich eine bereichernde und glückliche Erfahrung. Mams (Nondima) war eine Mutterfigur für uns alle.» Vuyo freundete sich mit einem anderen Schüler im Wohnheim an: «Wir waren wie Brüder, und unsere Freundschaft wurde immer stärker. Wir haben uns gegenseitig unterstützt und ermutigt.» Mit einem Lächeln sagt Vuyo: «Im Wohnheim habe ich zum ersten Mal in meinem Leben gelernt, wie man sein Bett macht, denn zu Hause hatte ich immer am Boden geschlafen und nach dem Aufwachen einfach meine Decke gefaltet.»

Vuyo gefielen die praktischen Komponenten vom Mauern und Fliesenlegen, doch er hatte Mühe bei den theoretischen Berechnungen. Nachdem er beide Kurse erfolgreich absolviert hatte, bewarb er sich bei der Südafrikanischen Marine für ein Nachwuchsprogramm (Military Skills Development Program) und suchte weiterhin nach einer Arbeitsstelle. Nach einem Monat durfte er an ein Vorstellungsgespräch bei der Marine gehen, wurde angenommen und begann gleich darauf mit seiner Ausbildung. Er hat die ersten sechs Monate erfolgreich bestanden und bereitet sich nun auf das nächste Semester vor.

«Ich danke den Leuten des Salesian Institute für ihre Geduld und für die lebensverändernde Chance, die sie mir gegeben haben. Die Lehrpersonen sind aufmerksam, haben eine Vorbildfunktion und haben eine positive Haltung zu uns Schülern. Sie kreieren stets ein freundliches, faires und unterstützendes Lernumfeld. Ich habe im Salesian Institute viele gute Werte und Fähigkeiten gelernt, die mir helfen, mit dem Leben klarzukommen und die mir Türen geöffnet haben. Ich erhalte nun ein Stipendium und kann meine Familie finanziell tragen. Das wäre nicht möglich gewesen, wenn ich das «Salesian Institute Youth Projects» nicht kennengelernt hätte. DANKE!»



Helfen auch Sie mit, dass Jugendliche eine Berufsausbildung absolvieren können. Spenden Sie mit dem Vermerk AFM 17-036 und geben Sie jungen Menschen eine Perspektive! Herzlichen Dank für Ihre Grosszügigkeit!

Haben Sie Fragen? Kontaktieren Sie unsere Projektleiterin Désirée Schöpfer.