Jugendliche in Aleppo rufen zum Friedensgebet für Syrien auf

Veröffentlicht am 29.02.2016

Syrische Jugendliche aus dem Don-Bosco-Zentrum in Aleppo rufen ihre Mitmenschen dazu auf, jeden Montagabend zwischen 18:00 und 19:00 Uhr gemeinsam für Frieden in Syrien zu beten.

In Aleppo – der Stadt, die den Krieg in Syrien symbolisiert – gehen die Bombardements und Kämpfe weiter. Die Jugendlichen, die dort das Don-Bosco-Zentrum besuchen, bitten alle Salesianer und alle Christen, die vor dem Schrecken des Krieges verschont bleiben, jeweils am Montagabend eine Stunde lang für Frieden in Syrien zu beten.

Mehr Informationen aus Aleppo (25.02.2016)

Die Stadt Aleppo ist umzingelt. Es ist nicht möglich, frei zu kommen und zu gehen. Bomben und Raketen fallen täglich auf ganze Quartiere der Stadt. «Soeben habe ich Menschen besucht, die durch Bomben, die auf ihr Zuhause gefallen sind, verstümmelt wurden.», sagt Pater Georges Fattal, Rektor des salesianischen Hauses in Aleppo. «Manche haben ihr Augenlicht verloren, einer seine Hände. Es ist gefährlich, hinaus auf die Strasse zu gehen, aber man kann auch im trauten Heim sterben.»

Glücklicherweise liegt das Don-Bosco-Zentrum in einem der Gebiete, die am wenigsten von der Gewalt betroffen sind. Es wird oft besucht von Jugendlichen, die ein wenig Frieden und Normalität suchen. «Dieses Oratorium hat immer viele Jugendliche angezogen und es dient vielen verschiedenen Zwecken der Kirche und der Salesianer. Nun kommen sie auch aus anderen Stadtteilen zu uns, denn viele Kirchen sind zerstört worden.»

Die Hilfe – inklusive die materielle Hilfe, die die salesianische Gemeinschaft leistet – spielt eine Rolle für die Beliebtheit des Oratoriums. «Dank der Glaubensgemeinschaft und einigen Gönnern sind wir in der Lage, den Familien von rund 700 Pfarreimitgliedern zu helfen. Vor einigen Tagen habe ich 800 Paar Schuhe verteilt. Aktuell – wie immer am Ende des Monats – verteilen wir Lebensmittel und ökonomische Unterstützung. Die Preise sind seit Beginn des Krieges durch die Decke geschossen.»

Die Salesianer engagieren sich vor allem für die Jugendlichen: «Wir versuchen, uns in ihren Dienst zu stellen und sie in diesen schmerzhaften Zeiten zum Lächeln zu bringen.», sagt der Rektor. «Die Jugendlichen erkennen dieses Engagement und sind die ersten, die daran glauben, dass man der Entmutigung widerstehen kann. Morgen und am Samstag werden wir eine grosse Show aufführen, die von Pater Jabloyan geschrieben worden ist. Es geht um das Recht, ein wenig Licht inmitten der Dunkelheit zu sehen. Wir haben die Jugendlichen gefragt, ob sie trotz dem Bombenrisiko mit den Proben fortfahren wollten. Sie haben darauf bestanden.»

Impressionen der Shows vom 26. und 27. Februar im Don-Bosco-Zentrum von Aleppo:

Gemeinsam nutzen die Jugendlichen und die Salesianer den Krieg, um ihn in eine Chance zur Stärkung des Glaubens zu verwandeln. «Am Donnerstagnachmittag treffen wir uns mit Unistudenten und überlegen, welche positive Dinge der Krieg uns gebracht hat. Wir sind sicher, dass für jene, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten führen.»


Hier sind weitere Berichte, die uns letzte Woche via Infoans aus Syrien erreichten:

22.02.2016 – «Wir versuchen normale Dinge zu tun – in Zeiten, die nicht normal sind»

Am Sonntag, 21. Februar, gab es neue Angriffe und Massaker in ganz Syrien: Vier Explosionen in Damaskus, zwei Angriffe in Homs, und Aleppo ist wieder hart umkämpftes Gebiet zwischen der Armee und verschiedenen Rebellenfraktionen. In diesem Albtraumszenario bleiben die Salesianer an der Seite der Jugendlichen. «Als Salesianer sind wir hier und tun mit den Jugendlichen das, was Don Bosco sich wünschte, dass wir tun. Wir versuchen normale Dinge zu tun – in Zeiten, die nicht normal sind.», sagt Pater Pier Jabloyan vom Don-Bosco-Haus in Aleppo.

Mehr zum Bericht vom 22.02.16

«Wir leben hier mitten im Krieg. In einer solchen Situation brauchen Jugendliche noch mehr soziale Kontakte, Unterhaltung und Brüderlichkeit. Junge Leute suchen hier einen ruhigen Ort – einen Ort, wo sie spielen und reden können.», sagt Pater Jabloyan, während man im Hintergrund Dutzende Buben und Mädchen sehen kann, die Spass haben als wären sie in einem Jugendzentrum in irgend einer anderen Stadt auf dieser Welt.

«Danke für alles, was ihr für uns tut. Wir Salesianer bitten euch vor allem um eines: Betet für uns, weil wir in diesen schwierigen Zeiten hier bleiben.» schliesst Pater Jabloyan ab.
Im März wird der Ausbruch des Krieges in Syrien fünf Jahre her sein. Ein Krieg, der bisher über 260’000 Leben gefordert, über 7,5 Menschen intern vertrieben und weitere 4 Millionen zur Flucht ins Ausland gezwungen hat. Unterdessen fahren die am Konflikt direkt und indirekt beteiligten Länder mit ihren Verhandlungen um eine gangbare Lösung fort.

 

19.02.2016 – «In Aleppo geschieht etwas Furchtbares. Aber viele Menschen wissen das entweder nicht, oder sie ignorieren es»

Die Situation in Aleppo? «Hier ist alles verwirrt, der Tod ist überall; niemand kann verstehen, was geschieht und wir wissen nicht, wem wir trauen können. Wir haben mit Jugendlichen ein Theaterstück vorbereitet, um Don Bosco zu feiern. Wir mussten damit aufhören, da mehrere von ihnen während den Bombardements gestorben sind.» Pater Luciano Buratti, einer der drei Salesianer, die in Aleppo, Syrien, leben, erzählt dies mit gebrochener Stimme.

Mehr zum Bericht vom 19.02.16

«Seit drei Jahren wird in dieser Stadt ununterbrochen gekämpft. Jede Nacht gehen Bomben in den Nachbarquartieren nieder, und jeden Tag erfahren wir, dass jemand ein Familienmitglied oder einen geliebten Menschen verloren hat.», fährt Pater Buratti fort, während man im Hintergrund das Geräusch spielender Kinder aus dem Hinterhof des Don-Bosco-Zentrums hören kann.

Wenn man ihn über die spezifische Situation des Don-Bosco-Hauses fragt, antwortet er: «Unsere Gemeinde hat sich dafür entschieden, mit unseren Aktivitäten weiter zu machen, als ob nichts passiert ist. Wir versuchen, Familien einen Ort anzubieten, an dem sie Stabilität und Harmonie mitten in diesem Chaos finden. Deshalb laufen die Aktivitäten unserer Pfarrei und unseres Jugendzentrums normal weiter, wie es vor den Kämpfen schon war. Es ist eine der wenigen Strukturen, die immer noch mit einer Art Normalität weiter funktioniert.»

Die Situation ist für Christen besonders schlimm. Viele versuchen zu fliehen. Jene, die das Geld haben, Syrien zu verlassen, haben dies bereits getan. Die anderen suchen Zuflucht in sichereren Sädten. Aber viele, die keine Möglichkeiten haben, bleiben in Aleppo.

«Es gibt viel zu tun. Der Strom von Menschen, die zu unserer Pfarrei kommen und seelischen Beistand, Gott und ein wenig Geborgenheit suchen, hat zugenommen.», fährt der Salesianer fort. «Gott sei Dank geht es Salesianern gut. Zum Glück erhalten wir ein wenig Hilfe, die wir unter den Familien, die zu unserer Pfarrei gehören und alles verloren haben, verteilen.
Aktuell schätzt man, dass etwa zwei Millionen Menschen in dieser Stadt leben, die ein altes Symbol friedlicher Koexistenz von Christen und Muslimen ist. Nun hoffen wir einfach, zu überleben.»


Quelle: www.infoans.org
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